03.04.2017

PRO ASYL: Fami­li­en­va­ter ent­zieht sich dem Kriegs­dienst für das Assad-Regime und bekommt nur sub­si­diä­ren Schutz – Nach lan­gem War­ten auf Fami­li­en­nach­zug sind drei Fami­li­en­an­ge­hö­ri­ge tot

Die Poli­tik der Ver­wei­ge­rung des Fami­li­en­nach­zu­ges zu in Deutsch­land leben­den Flücht­lin­gen for­dert Opfer. Immer mehr Syre­rIn­nen erhal­ten nur noch den sub­si­diä­ren Schutz in Deutsch­land statt des vol­len Flücht­lings­sta­tus. Die Fol­ge: Der Nach­zug ihrer Ange­hö­ri­gen ist bis zum 16.3.2018 nicht zuläs­sig. Betrof­fen sind syri­sche Asyl­su­chen­de, die sich dem Kriegs­dienst für das Assad-Regime ent­zo­gen haben, das auch nach regie­rungs­amt­li­cher Auf­fas­sung in Deutsch­land einen Krieg gegen die eige­ne Bevöl­ke­rung mit völ­ker­rechts­wid­ri­gen Mit­teln führt.

Die Fami­lie von Salah J. aus Ratin­gen bei Düs­sel­dorf hat dies nun mit ihrem Leben bezahlt. Der im Früh­jahr 2015 in Deutsch­land ange­kom­me­ne Flücht­ling hat­te bereits zehn Mona­te war­ten müs­sen, bis er über­haupt einen Asyl­an­trag stel­len konn­te und erhielt dann ledig­lich den sub­si­diä­ren Schutz. Nach über zwei Jah­ren der Tren­nung konn­te Salah J. sei­ne Frau und sei­ne bei­den bis dahin in der Tür­kei leben­den Kin­der nicht mehr län­ger ver­sor­gen. Mit den letz­ten finan­zi­el­len Reser­ven bezahl­te die Fami­lie die Schlep­per für die Über­fahrt in der Ägä­is. Frau und Kin­der kamen am 24.03.2017 ums Leben, als das Schlauch­boot ken­ter­te.

Salah J.s Anwalt im Asyl­ver­fah­ren, Jere­mi­as Mamegha­ni, hat sich mit einem Schrei­ben am 27.03.2017 an den Bun­des­in­nen­mi­nis­ter gewen­det und appel­liert ein­dring­lich: »Heben Sie die Aus­set­zung des Fami­li­en­nach­zugs für Syrer mit sub­si­diä­rem Schutz umge­hend auf!«

PRO ASYL for­dert den Deut­schen Bun­des­tag auf, die Beschrän­kung des Fami­li­en­nach­zu­ges für sub­si­di­är Geschütz­te sofort auf­zu­he­ben. Im April ste­hen Anträ­ge der Oppo­si­ti­on zum Fami­li­en­nach­zug zur Beschluss­fas­sung an (sie­he dazu Gesetz­ent­wurf der Grü­nen und Antrag der LINKEN).

Auch das Bun­des­amt ist ver­ant­wort­lich

Beson­ders tra­gisch ist, dass die Fami­lie die­ses Flücht­lings aus der Sicht von PRO ASYL die Flücht­lings­ei­gen­schaft nach der Gen­fer Flücht­lings­kon­ven­ti­on hät­te bekom­men müs­sen. Der Vater der Fami­lie floh vor der Ein­be­ru­fung zum Wehr­dienst in Assads Armee. Syre­rIn­nen, die das im Asyl­ver­fah­ren vor­tra­gen, erhal­ten vom Bun­des­amt jedoch immer häu­fi­ger einen Text­bau­stein des Inhalts, dass die Her­an­zie­hung zum Wehr­dienst nicht zur Zuer­ken­nung der Flücht­lings­ei­gen­schaft füh­ren kön­ne. Das Grund­recht auf Asyl schlie­ße nicht das Grund­recht auf Ver­wei­ge­rung des Kriegs­diens­tes aus Gewis­sens­grün­den mit ein. Damit ver­tritt das Bun­des­amt die skan­da­lö­se, aber von der Poli­tik offen­sicht­lich gewünsch­te Auf­fas­sung, selbst Ver­wei­ge­rern völ­ker­rechts­wid­ri­ger Krie­ge oder ent­spre­chen­der Hand­lun­gen ste­he nicht der vol­le Flücht­lings­schutz zu. Resul­tat die­ser Pra­xis: Sie erhal­ten nur sub­si­diä­ren Schutz. Zurück­ge­blie­be­ne Fami­li­en­an­ge­hö­ri­ge bege­ben sich man­gels Aus­sicht auf Fami­li­en­zu­sam­men­füh­rung auf eige­ne Faust auf die ris­kan­te Wei­ter­flucht.

PRO ASYL for­dert das Bun­des­amt auf, die Flucht­grün­de von syri­schen Flücht­lin­gen kor­rekt zu wür­di­gen: Wer sich wei­gert, an einem Krieg teil­zu­neh­men, in dem völ­ker­rechts­wid­ri­ge Hand­lun­gen an der Tages­ord­nung sind, ist als Flücht­ling nach der GFK anzu­er­ken­nen.

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