12.06.2020

Anläss­lich der bevor­ste­hen­den Innen­mi­nis­ter­kon­fe­renz for­dern PRO ASYL, Adopt a Revo­lu­ti­on, Lan­des­flücht­lings­rä­te und Jugend­li­che ohne Gren­zen einen unbe­fris­te­ten Abschie­bungs­stopp für Syri­en. Die stän­di­gen Ver­su­che, den Abschie­bungs­stopp auf­zu­wei­chen, müs­sen end­lich unter­blei­ben.

Vom 17. bis 19. Juni 2020 tref­fen sich die Innenminister*innen und –sena­to­ren in Erfurt zur zwei­mal jähr­lich tagen­den Innen­mi­nis­ter­kon­fe­renz und ent­schei­den dort unter ande­rem über den Syri­en-Abschie­bungs­stopp. Die­ser wur­de seit 2018 stets nur noch um sechs Mona­te ver­län­gert und wird seit­her bei jeder Innen­mi­nis­ter­kon­fe­renz dis­ku­tiert – ver­bun­den mit popu­lis­ti­schen For­de­run­gen nach einer Auf­wei­chung oder Been­di­gung des Abschie­bungs­stopps. Dabei gibt die Men­schen­rechts­la­ge in Syri­en unter der Dik­ta­tur Assads kei­nen Anlass, alle sechs Mona­te über Abschie­bun­gen zu dis­ku­tie­ren: Syri­en unter Assad ist ein Fol­ter­staat. Es gibt kei­ne Anzei­chen dafür, dass sich dies auf abseh­ba­re Zeit ändert.

Der seit 2011 anhal­ten­de Bür­ger­krieg in Syri­en ist nicht vor­bei, die Waf­fen­ru­he in Idlib ist brü­chig, die Kon­flik­t­ur­sa­chen bestehen fort, mit wei­te­ren mili­tä­ri­schen Eska­la­tio­nen ist zu rech­nen. Das Assad-Regime hat sich mit Kriegs­ver­bre­chen an der Macht gehal­ten, unter ande­rem mit Gift­gas­an­grif­fen und zahl­lo­sen Bom­bar­die­run­gen auf Kran­ken­häu­ser und ande­re zivi­le Ein­rich­tun­gen. Men­schen, die das Assad-Regime ableh­nen oder denen dies auch nur unter­stellt wird, sind von Ver­haf­tun­gen, Fol­ter und der Pra­xis des Ver­schwin­den­las­sens bedroht. Die ange­mes­se­ne Ant­wort auf die Lage in Syri­en ist ein unbe­fris­te­ter Abschie­bungs­stopp, ohne jeg­li­che Aus­nah­me.

Das Aus­maß des Fol­ter­re­gimes der Dik­ta­tur wird aktu­ell in einem Straf­ver­fah­ren gegen zwei Syrer vor dem Ober­lan­des­ge­richt Koblenz deut­lich. Es geht um Ver­bre­chen gegen die Mensch­lich­keit. Kon­kret lis­tet die Ankla­ge, die allein die Taten zwei­er Geheim­dienst­ler in einer syri­schen Haft­an­stalt zwi­schen 2011 und 2012 umfasst, Mord in 58 Fäl­len, Fol­ter in min­des­tens 4.000 Fäl­len sowie Ver­ge­wal­ti­gung und sexu­el­le Nöti­gung auf. Die­ses welt­weit ers­te Ver­fah­ren gegen Mit­ar­bei­ter des Assad-Regimes ist ein wich­ti­ger Schritt, um die Ver­bre­chen der Assad-Regie­rung auf­zu­ar­bei­ten.

Indem die Innen­mi­nis­ter- und sena­to­ren bei der Herbst­ta­gung 2019 die Bun­des­re­gie­rung auf­ge­for­dert haben, die Bedin­gun­gen für Abschie­bun­gen in bestimm­ten Fäl­len zu schaf­fen, haben sie die Bun­des­re­gie­rung zur Zusam­men­ar­beit mit die­sem ver­bre­che­ri­schen Regime auf­ge­for­dert (vgl. TOP 28 der Beschlüs­se der Innen­mi­nis­ter­kon­fe­renz vom 4.–6.12.2019). Sol­che Vor­stö­ße tra­gen zu einer Nor­ma­li­sie­rung des Assad-Regimes bei, an der auch von syri­scher Sei­te aus gear­bei­tet wird. Eine sol­che Reha­bi­li­tie­rung des Regimes wür­de zudem Bestre­bun­gen, den syri­schen Opfern zu Gerech­tig­keit zu ver­hel­fen, zuwi­der­lau­fen. Wie bri­sant eine Zusam­men­ar­beit in dem Bereich wäre zeigt sich auch dar­an, dass das syri­sche Innen­mi­nis­te­ri­um und der amtie­ren­de Innen­mi­nis­ter auf der Sank­ti­ons­lis­te der EU ste­hen, da sie unmit­tel­bar an den Repres­sio­nen gegen die Zivil­be­völ­ke­rung betei­ligt sind (vgl. Beschluss 2013/255/GASP des Rates vom 31. Mai 2013 über restrik­ti­ve Maß­nah­men gegen Syri­en, S. 68, 78).

Die voll­stän­di­gen Anlie­gen von PRO ASYL zur Innen­mi­nis­ter­kon­fe­renz vom 17.–19. Juni 2020 fin­den Sie hier.

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen zu Syri­en fin­den Sie auf der Kam­pa­gnen­sei­te #Syria­Not­Safe von Adopt a Revo­lu­ti­on. Aktivist*innen der Kam­pa­gne #Syria­Not­Safe wer­den bei der IMK in Erfurt mit einer Bild­ak­ti­on auf die Men­schen­rechts­la­ge in Syri­en auf­merk­sam machen. Pres­se­kon­takt vor Ort und im Vor­feld der IMK:  Sven­ja Borg­schul­te, 0163–7843912, info@syria-not-safe.org

Geflüch­te­te Jugend­li­che der Initia­ti­ve »Jugend­li­che ohne Gren­zen« ver­an­stal­ten anläss­lich der Innen­mi­nis­ter­kon­fe­renz ein Pro­test- und Kul­tur­pro­gramm, das von zahl­rei­chen Orga­ni­sa­tio­nen unter­stützt wird. Mehr Infor­ma­tio­nen fin­den sich unter: www.jogspace.net. Für Pres­se­an­fra­gen an Jugend­li­che ohne Gren­zen, wen­den Sie sich bit­te an: Zuh­ra Hass­anza­da und Wafaa Naes, presse@jogspace.net

Für Pres­se­an­fra­gen an Flücht­lings­rat Thü­rin­gen, wen­den Sie sich bit­te an: Mar­tin Arnold, presse@fluechtlingsrat-thr.de, Tel: 0176/ 56 94 13 31. Infor­ma­tio­nen und Aktio­nen zur IMK 2020 in Erfurt unter: https://www.fluechtlingsrat-thr.de/imk2020

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