16.04.2015

Flücht­lin­ge dür­fen nicht in EU-Staa­ten abge­scho­ben wer­den, in denen Not und Haft droht

Das Aus­maß der ernied­ri­gen­den und unmensch­li­chen Behand­lung von Flücht­lin­gen in Bul­ga­ri­en reicht bis hin zur Fol­ter in Flücht­lings­ge­fäng­nis­sen. Dies zeigt ein aktu­el­ler Bericht über die Situa­ti­on von Flücht­lin­gen in Bul­ga­ri­en, den PRO ASYL-Geschäfts­füh­rer Gün­ter Burk­hardt heu­te in Ber­lin dem Men­schen­rechts­be­auf­trag­ten der Bun­des­re­gie­rung, MdB Chris­toph Sträs­ser, über­reich­te.

PRO ASYL und die Dia­ko­nie Deutsch­land for­dern, dass Deutsch­land ähn­lich wie bei Grie­chen­land von Rück­über­stel­lun­gen von Flücht­lin­gen nach Bul­ga­ri­en absieht und einen siche­ren Auf­ent­halts­sta­tus gewährt.

Auch in ande­ren EU-Staa­ten wie Ungarn, Mal­ta oder Ita­li­en kommt es zu Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen. Flücht­lin­ge lei­den unter Obdach­lo­sig­keit, man­gel­haf­ter Ver­sor­gung und feh­len­der medi­zi­ni­scher Hil­fe. Beson­ders dra­ma­tisch ist die Situa­ti­on oft erst nach der Aner­ken­nung. Dann endet meist jeg­li­che staat­li­che Unter­stüt­zung. Sie sehen sich daher häu­fig gezwun­gen, in ande­re EU-Staa­ten wei­ter­zu­rei­sen. Dort erhal­ten sie jedoch in der Regel aber kein Auf­ent­halts­recht.

„Flücht­lin­ge mit erwie­se­nem Schutz­be­darf dür­fen nicht in einen EU-Staat abge­scho­ben wer­den, wo ihnen Obdach­lo­sig­keit droht und sie kei­ne Exis­tenz­grund­la­ge haben“, for­dert Dia­ko­nie-Prä­si­dent Lilie. „Euro­pa ist die Regi­on mit den welt­weit höchs­ten men­schen­recht­li­chen Stan­dards im Flücht­lings­schutz. In der Pra­xis wird Euro­pa die­sem Anspruch oft nicht gerecht.“

„Flücht­lings­schutz muss mehr sein als ein Stück Papier“, erklärt PRO ASYL-Geschäfts­füh­rer Burk­hardt. Gemein­sam ver­lan­gen die Dia­ko­nie und PRO ASYL, dass aner­kann­te Flücht­lin­ge dort­hin gehen dür­fen, wo sie in Wür­de exis­tie­ren kön­nen, Arbeit fin­den und die Chan­ce auf Inte­gra­ti­on haben. „Es darf nicht sein, dass zehn­tau­sen­de aner­kann­te Flücht­lin­ge dau­er­haft in der EU umher­ir­ren, zwi­schen den EU-Staa­ten hin- und her­ge­scho­ben wer­den und nir­gends ankom­men dür­fen“, so Burk­hardt.

Die Not der in der EU aner­kann­ten Flücht­lin­ge ist eine Fol­ge des Dub­lin-Sys­tems. EU-Rand­staa­ten sind hier­durch für die Durch­füh­rung vie­ler Asyl­ver­fah­ren zustän­dig, da die meis­ten Flücht­lin­ge hier zum ers­ten Mal euro­päi­schen Boden betre­ten haben. Bul­ga­ri­en etwa reagiert einer­seits mit bru­ta­ler Grenz­ab­schot­tung. Wer es den­noch ins Land schafft, wird oft zügig als Flücht­ling aner­kannt. Mit der Flücht­lings­an­er­ken­nung ver­lie­ren Flücht­lin­ge jedoch meist jeg­li­che staat­li­che Unter­stüt­zung, was sie zum Ver­las­sen des Lan­des nötigt.

Gemein­sam ver­lan­gen die Dia­ko­nie und PRO ASYL, dass Asyl­su­chen­de selbst ent­schei­den kön­nen, in wel­chem Land der EU sie Asyl bean­tra­gen. Nach einer Aner­ken­nung soll ihnen die vol­le Per­so­nen­frei­zü­gig­keit zuste­hen.

Wie Flücht­lin­ge in der EU leben, beschreibt die Bro­schü­re  „Flucht ohne Ankunft – Die Mise­re von inter­na­tio­nal Schutz­be­rech­tig­ten in der EU“ (pdf).

Den aktu­el­len Bul­ga­ri­en Bericht von PRO ASYL „Flücht­lin­ge in Bul­ga­ri­en: Miss­han­delt, ernied­rigt, im Stich gelas­sen“ fin­den Sie im Anhang.

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