04.02.2013

Die soge­nann­te „Resi­denz­pflicht“, die es Asyl­su­chen­den und Gedul­de­ten ver­bie­tet, einen bestimm­ten Land­kreis oder Regie­rungs­be­zirk zu ver­las­sen, wur­de in den letz­ten zwei Jah­ren in vie­len Bun­des­län­dern gelo­ckert. Mitt­ler­wei­le haben elf Län­der den Auf­ent­halts­be­reich von Asyl­su­chen­den und Gedul­de­ten auf das Bun­des­land erwei­tert, zwi­schen Ber­lin und Bran­den­burg besteht bereits eine län­der­über­grei­fen­de Rege­lung.

Doch so erfreu­lich die­ser Trend zur Libe­ra­li­sie­rung ist, so klein­lich und wider­sprüch­lich zei­gen sich die Rege­lun­gen bei nähe­rer Betrach­tung. Für einen gro­ßen Teil der Men­schen, die aus unter­schied­li­chen Grün­den nur den Auf­ent­halts­sta­tus der Dul­dung haben, kön­nen die Aus­län­der­be­hör­den nach wie vor den Bewe­gungs­ra­di­us auf einen Land­kreis oder sogar eine Stadt beschrän­ken. Die Grün­de dafür sind viel­fäl­tig: Ver­ur­tei­lun­gen wegen selbst gering­fü­gi­ger Straf­ta­ten, Ver­dacht ver­fas­sungs­feind­li­cher Bestre­bun­gen und vor allem: feh­len­de Mit­wir­kung an der Aus­rei­se. So wur­de die Resi­denz­pflicht in vie­len Bun­des­län­dern  von einer pau­scha­len Schi­ka­ne für alle Asyl­su­chen­den und Gedul­de­te in eine indi­vi­du­ell ver­häng­ba­re Sank­ti­ons­mög­lich­keit umge­wan­delt, mit der die Aus­län­der­be­hör­den Betrof­fe­ne nach eige­nem Gut­dün­ken bestra­fen und unter Druck set­zen kön­nen.

„»Jeder Mensch hat das Recht, sich inner­halb eines Staa­tes frei zu bewe­gen«,  heißt es in Arti­kel 13 der UN-Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on. Ein Men­schen­recht ver­wirkt man nicht durch Laden­dieb­stahl oder die Beur­tei­lung eines Beam­ten, Mit­wir­kungs­pflich­ten ver­letzt zu haben“, kri­ti­siert Kay Wen­del vom Flücht­lings­rat Bran­den­burg, der die Stu­die erstellt hat.

Statt das skan­da­lö­se Bun­des­ge­setz abzu­schaf­fen, ist nun durch Län­der­ver­ord­nun­gen und -erlas­se ein Gestrüpp von Son­der­re­ge­lun­gen ent­stan­den. Wie die Stu­die zeigt, ist allein in Meck­len­burg-Vor­pom­mern für alle Betrof­fe­nen der Auf­ent­halt im Bun­des­land ohne Ein­schrän­kung erlaubt.

Auch ist die Resi­denz­pflicht mit den Locke­run­gen auf Län­der­ebe­ne kei­nes­wegs abge­schafft. Für Fahr­ten in ande­re Bun­des­län­der müs­sen Flücht­lin­ge nach wie vor die Erlaub­nis bean­tra­gen, das jewei­li­ge Bun­des­land ver­las­sen zu dür­fen. In sechs Bun­des­län­dern erhe­ben die Aus­län­der­be­hör­den immer noch Gebüh­ren für die Beschei­ni­gung der erfor­der­li­chen Ver­las­sen­s­er­laub­nis. „Es führt kein Weg vor­bei an der Ein­sicht, dass die Zeit vor­über ist, an der Resi­denz­pflicht her­um­zu­bas­teln. Es ist höchs­te Zeit sie abzu­schaf­fen“, so Bernd Meso­vic, stell­ver­tre­ten­der Geschäfts­füh­rer von PRO ASYL.

Die Stu­die steht hier zum Down­load zur Ver­fü­gung

(UPDATE: Hier fin­den Sie eine aktua­li­sier­te Ver­si­on der bun­des­wei­ten Über­sicht  zur Resi­denz­pflicht mit Stand März 2014)

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