17.12.2025

Zwei Fami­li­en aus dem Süd­su­dan klag­ten mit Unter­stüt­zung von PRO ASYL gegen die im Mai 2025 ergan­ge­ne Absa­ge ihres Resett­le­ment­flugs. Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg gab einer Klä­ge­rin Recht und ver­pflich­te­te die Bun­des­re­gie­rung, der betrof­fe­nen Fami­lie die Ein­rei­se zu ermög­li­chen. Das führ­te auch zu einem posi­ti­ven Aus­gang des Ver­fah­rens der ande­ren Fami­lie. Heu­te lan­de­ten die bei­den Fami­li­en mit wei­te­ren Flücht­lin­gen ins­ge­samt 143 Per­so­nen in Leipzig.

Bereits im Mai 2025 soll­ten die 183 beson­ders schutz­be­dürf­ti­gen Men­schen aus dem Süd­su­dan, Soma­lia, der Demo­kra­ti­schen Repu­blik Kon­go und Äthio­pi­en über das bun­des­deut­sche Resett­le­ment-Pro­gramm aus einem der größ­ten Flücht­lings­la­ger in Kenia auf­ge­nom­men wer­den. Zuvor hat­ten sie mona­te­lan­ge Prü­fungs- und Aus­wahl­ver­fah­ren durch­lau­fen, bereits einen Flug­plan erhal­ten sowie Sicher­heits- und Gesund­heits­prü­fun­gen und einen kul­tu­rel­len Vor­be­rei­tungs­kurs absol­viert. Dann stopp­te das Bun­des­in­nen­mi­nis­te­ri­um in letz­ter Sekun­de den Flug – offen­sicht­lich, um für die ange­kün­dig­ten här­te­re Flücht­lings­po­li­tik Fak­ten zu schaffen.

Bei­de Fami­li­en aus dem Süd­su­dan wehr­ten sich und klag­ten mit Unter­stüt­zung von PRO ASYL gegen die Absa­ge. Am 29. Okto­ber gab das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg der Klä­ge­rin Recht und ver­pflich­te­te das Bun­des­in­nen­mi­nis­te­ri­um, sie und ihre fünf Fami­li­en­an­ge­hö­ri­gen ein­rei­sen zu las­sen. Infol­ge des Urteils wer­den nun auch die Resett­le­ment-Ver­fah­ren der ande­ren, die von der Absa­ge des Flu­ges betrof­fen waren, fortgesetzt.

„Die kurz­fris­ti­ge Absa­ge des Resett­le­ment-Flugs durch das Bun­des­in­nen­mi­nis­te­ri­um war nicht nur kalt­her­zig, son­dern auch rechts­wid­rig“, sagt Helen Reze­ne, Co-Geschäfts­füh­re­rin von PRO ASYL. „Es ist bit­ter. Unter der Ägi­de von Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Dob­rindt müs­sen die Ein­hal­tung von Flücht­lings­auf­nah­me­zu­sa­gen und die Wah­rung von Mensch­lich­keit vor Gericht erstrit­ten wer­den“, so Reze­ne weiter.

Mat­thi­as Leh­nert, Rechts­an­walt einer der Fami­li­en, stellt fest: „Die Bun­des­re­gie­rung beweist in der Flücht­lings­po­li­tik bis­lang vor allem eins: eine Ver­ach­tung gegen­über Recht und Gesetz. Es ist bedenk­lich, wie häu­fig bereits im ers­ten hal­ben Regie­rungs­jahr die Jus­tiz gegen­über der rechts­wid­ri­gen Abschot­tungs­po­li­tik inter­ve­nie­ren musste.“

Der Rechts­staat muss sich an sei­ne eige­nen Grund­sät­ze halten

Rechts­an­wäl­tin Myr­si­ni Laa­ser, die die Ein­rei­se mit ihrer Man­dan­tin vor dem OVG Ber­lin- Bran­den­burg erstrit­ten hat, gibt zu beden­ken: „Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt hat klar­ge­stellt, dass der Abbruch des Resett­le­ment-Ver­fah­rens rechts­wid­rig war. Nach Abschluss der umfang­rei­chen Auswahl‑, Sicher­heits- und Vor­be­rei­tungs­maß­nah­men durf­ten die betrof­fe­nen Fami­li­en berech­tig­ter­wei­se davon aus­ge­hen, dass ihre Auf­nah­me ver­bind­lich zuge­sagt war. Der Staat ist an sol­che Ent­schei­dun­gen gebun­den; eine poli­ti­sche Neu­aus­rich­tung begrün­det kei­ne ver­än­der­te Sach­la­ge, die ein Abwei­chen von bereits erteil­ten Auf­nah­me­zu­sa­gen recht­fer­ti­gen könn­te. Erfreu­lich ist, dass sich der Rechts­staat hier durch­ge­setzt hat und das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt dabei so kla­re Wor­te gefun­den hat. Bedenk­lich bleibt jedoch, dass die Durch­set­zung die­ses offen­kun­di­gen Rechts­an­spruchs nur unter erheb­li­chem zeit­li­chem und finan­zi­el­lem Auf­wand und über zwei Instan­zen mög­lich war. Einen sol­chen Zugang zu anwalt­li­cher Unter­stüt­zung und zur Beglei­tung durch NGOs haben die wenigsten.“

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