19.08.2010

Saki­neh Asch­tia­ni droht wei­ter die Hin­rich­tung

PRO ASYL: Bun­des­re­gie­rung soll Bereit­schaft zur Auf­nah­me erklä­ren

Der zum Tod durch Stei­ni­gung ver­ur­teil­ten Ira­ne­rin Saki­neh Asch­tia­ni droht wei­ter­hin die Hin­rich­tung – wenn nicht durch Stei­ni­gung, so mög­li­cher­wei­se durch einen heim­li­chen Voll­zug der Todes­stra­fe, etwa durch Erhän­gen. PRO ASYL unter­stützt die Pro­tes­te und bit­tet, die Peti­ti­on zur Unter­stüt­zung von Saki­neh Asch­tia­ni zu unter­zeich­nen. Die Bun­des­re­gie­rung wird dar­über hin­aus drin­gend gebe­ten, dem Iran gegen­über die Bereit­schaft zu ihrer Auf­nah­me zu erklä­ren und damit dem Bei­spiel des bra­si­lia­ni­schen Prä­si­den­ten Lula da Sil­va zu fol­gen. Dass der Iran des­sen Ange­bot inzwi­schen abge­lehnt hat, nimmt einer sol­chen Ges­te nichts von ihrer Wir­kung.

Aktu­ell droht min­des­tens sie­ben wei­te­ren ira­ni­schen Frau­en und drei Män­nern die Stei­ni­gung. Hin­rich­tun­gen benutzt der Iran regel­mä­ßig als Macht­de­mons­tra­ti­on. Die ulti­ma­ti­ve Ver­fü­gung des Regimes über die Kör­per der Unter­ta­nen ist der End­punkt des tota­li­tä­ren Ter­rors. Die­ser beginnt mit dem all­täg­li­chen „Tugend­ter­ror“ rigo­ros durch­ge­setz­ter Beklei­dungs­vor­schrif­ten. Er setzt sich fort mit dem regel­mä­ßi­gen Ein­satz von Fol­ter in den Gefäng­nis­sen, wo sie nach der Nie­der­schla­gung der Demo­kra­tie­be­we­gung die Form von Mas­sen­ver­ge­wal­ti­gun­gen an Frau­en und Män­nern ange­nom­men hat, wie selbst der Gene­ral­staats­an­walt des Iran bestä­tig­te. Tau­sen­de von Men­schen sind vor die­ser jüngs­ten Repres­si­ons­wel­le geflo­hen, vie­le in die Tür­kei.

Der Ter­ror des ira­ni­schen Regimes trifft Frau­en häu­fi­ger als Män­ner. Saki­neh Asch­tia­nis Fall zeigt die Dop­pel­bö­dig­keit der durch­ge­setz­ten Moral. Sie wur­de ursprüng­lich wegen einer „uner­laub­ten Bezie­hung“ zu 99 Peit­schen­hie­ben ver­ur­teilt. Erst spä­ter wur­de sie der Bei­hil­fe zum Mord an ihrem Ehe­mann bezich­tigt. Der tat­säch­li­che Täter wur­de zu einer lebens­lan­gen Haft­stra­fe ver­ur­teilt und durch die Fami­li­en­an­ge­hö­ri­gen des Getö­te­ten begna­digt. Saki­neh Asch­tia­ni hin­ge­gen wur­de zum Tod durch Stei­ni­gung ver­ur­teilt – nach ihren Anga­ben auf der Basis eines erzwun­ge­nen Geständ­nis­ses. Asch­tia­ni selbst hat in einem Inter­view mit dem Guar­di­an am 6. August 2010 die Dop­pel­mo­ral ange­pran­gert: „Die Ant­wort ist ganz ein­fach. Das ist so, weil ich eine Frau bin, weil sie mei­nen, sie kön­nen einer Frau in die­sem Land alles antun. Das geschieht, weil für sie Ehe­bruch schlim­mer ist als Mord, aller­dings nicht alle Arten von Ehe­bruch: Ein ehe­brü­chi­ger Mann wür­de viel­leicht nicht ein­mal inhaf­tiert, aber eine ehe­brü­chi­ge Frau ist das Ende der Welt für sie. Es geschieht, weil ich in einem Land lebe, wo die Frau­en nicht das Recht haben, sich von ihren Ehe­män­nern schei­den zu las­sen und ihrer fun­da­men­ta­len Rech­te beraubt wer­den.“

Peti­ti­on zur Unter­stüt­zung von Saki­neh Asch­tia­ni

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