23.01.2017

Aus Unter­stüt­zer­krei­sen der Flücht­lings­ar­beit ver­dich­ten sich die Hin­wei­se, dass die nächs­te Sam­mel­ab­schie­bung nach Afgha­ni­stan unmit­tel­bar bevor­steht. PRO ASYL appel­liert erneut an die Bun­des­län­der, die­se nicht zu voll­zie­hen.

Es mutet zynisch an, dass sozi­al­de­mo­kra­ti­sche Innen­mi­nis­ter Abschie­bun­gen nach Afgha­ni­stan unter­stüt­zen, die War­nun­gen des UNHCR bezüg­lich Afgha­ni­stan in den Wind schla­gen und gleich­zei­tig die SPD auf Bun­des­ebe­ne heu­te den UNHCR mit dem Wil­ly-Brandt-Preis aus­zeich­net. Der UNHCR hat kürz­lich auf die gefähr­li­che Lage in Afgha­ni­stan auf­merk­sam gemacht. Es ist uner­träg­lich, dass einer­seits auf der Preis­ver­lei­hung der Flücht­lings­schutz gewür­digt wird und ande­rer­seits Men­schen, die vor Krieg und Ter­ror geflo­hen sind, in ein Kriegs- und Kri­sen­ge­biet abge­scho­ben wer­den sol­len.

Die unmit­tel­bar bevor­ste­hen­de Abschie­bung nach Afgha­ni­stan ist ein Tabu­bruch. Erst­mals wer­den mit Bil­li­gung von christ­de­mo­kra­ti­schen, sozi­al­de­mo­kra­ti­schen und grü­nen Lan­des­po­li­ti­kern Schutz­su­chen­de in einer Sam­mel­ab­schie­bung in ein Kriegs- und Kri­sen­ge­biet abge­scho­ben – wider alle Fak­ten, wider bes­se­res Wis­sen. PRO ASYL-Geschäfts­füh­rer Gün­ter Burk­hardt appel­liert erneut: »Die­ser Flie­ger darf nicht star­ten. Abschie­bun­gen nach Afgha­ni­stan sind ver­ant­wor­tungs­los. Sozi­al­de­mo­kra­tisch und grün geführ­te Lan­des­re­gie­run­gen müs­sen sich den Hard­li­nern aus CDU/CSU ent­ge­gen­stel­len. Wäh­rend sich in der Ver­gan­gen­heit grü­ne Poli­ti­ker noch für die Ein­hal­tung der Men­schen­rech­te von Schutz­su­chen­den stark gemacht haben, bewe­gen sich nun offen­sicht­lich auch Grü­ne in Regie­rungs­ver­ant­wor­tung mit­ten hin­ein ins post­fak­ti­sche Zeit­al­ter«. Alle bekann­ten Fak­ten spre­chen gegen Abschie­bun­gen nach Afgha­ni­stan. PRO ASYL wirft dem Bun­des­in­nen­mi­nis­ter und den abschie­be­rei­ten Bun­des­län­dern vor, die sach­ge­rech­te Lage­ein­schät­zung des UNHCR nicht zur Kennt­nis zu neh­men.

Die Lage­ein­schät­zung des UNHCR ist ein­deu­tig: Der UNHCR stellt in sei­nem Bericht fest, dass das gesam­te Staats­ge­biet Afgha­ni­stans von einem »inner­staat­li­chen bewaff­ne­ten Kon­flikt« im Sin­ne des euro­päi­schen Flücht­lings­rech­tes betrof­fen sei. Auf­grund der sich stän­dig ändern­den Sicher­heits­la­ge kön­ne man gar nicht zwi­schen siche­ren und unsi­che­ren Regio­nen in dem Bür­ger­kriegs­land ent­schei­den.

Mit der Eti­ket­tie­rung »jun­ge, allein­ste­hen­de Män­ner« oder »Straf­tä­ter« soll nach Auf­fas­sung von PRO ASYL die Hemm­schwel­le für Abschie­bun­gen in ein Kriegs- und Kri­sen­ge­biet gesenkt und Akzep­tanz geschaf­fen wer­den. Auch Abschie­bun­gen von jun­gen, allein­ste­hen­den Män­nern oder Straf­tä­tern in ein Kriegs- und Kri­sen­ge­biet sind bedenk­lich, da die Betrof­fe­nen sehen­den Auges in eine Gefähr­dungs­la­ge geführt wer­den.

PRO ASYL for­dert erneut, dass auf­grund der aktu­el­len Fak­ten­la­ge alle in der Ver­gan­gen­heit abge­lehn­ten Asyl­an­trä­ge neu zu bewer­ten sind. Der UNCHR hat in sei­nem Bericht auf­merk­sam gemacht, dass »die Bewer­tung des Schutz­be­darfs stets auf­grund aller zum Zeit­punkt der Ent­schei­dung ver­füg­ba­ren, neu­es­ten Erkennt­nis­se erfol­gen muss. Bei einem bereits län­ger zurück­lie­gen­den nega­ti­ven Abschluss eines Asyl­ver­fah­rens wird somit häu­fig Anlass bestehen, auf­grund der Ver­än­de­rung der Fak­ten­la­ge eine neue Ermitt­lung des Schutz­be­darfs vor­zu­neh­men.«

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