09.09.2017

Kirchenpräsident Jung: Abschiebung nach Afghanistan nicht verantwortbar

Vor rund 200 Teilnehmenden zeichnete die Stiftung PRO ASYL Doris Otminghaus und Wolfgang Seibert mit ihrem Menschenrechtspreis 2017, der PRO ASYL-Hand, aus. Die Pfarrerin aus Haßfurt und der Vorsteher der jüdischen Gemeinde in Pinneberg bieten Schutzsuchenden in ihren Gotteshäusern Asyl und bewahren sie so vor der Abschiebung in Gewalt, Rechtlosigkeit und existenzielle Bedrohung.

Das Credo Wolfgang Seiberts lautet: »Menschen in Not muss man helfen«. Mit seiner Gemeinde hat er seit 2014 schon mehreren Flüchtlingen Asyl gewährt. »Gerade weil die jüdische Geschichte von Unterdrückung, Vertreibung und Flucht geprägt ist, bin ich der Überzeugung, dass wir, gerade wir, etwas tun müssen. Wer, wenn nicht wir«, sagte Wolfgang Seibert. »Motivation für sein Tun sind dabei weder Religionszugehörigkeit noch Herkunft, sondern allein die ausweglose Notlage, in der sich die Flüchtlinge befinden«, betonte PRO ASYL-Vorsitzender Andreas Lipsch.

»Wie kann es passieren, dass die im Grundgesetz verankerte Würde jedes einzelnen Menschen und das Recht auf Asyl bei so vielen asylsuchenden Menschen außer Kraft gesetzt wird?« fragte Pfarrerin Doris Otminghaus. Jedes Kirchenasyl zeige auf, dass Recht gebrochen wird, so Otminghaus weiter. Dass Kirchenasyl sogar Leben retten kann, zeigte jüngst der Fall eines von der Abschiebung bedrohten Afghanen, den Otminghaus aufgenommen hat. Sein Fall wurde vom BAMF neu aufgerollt, er bekam subsidiären Schutz. Die Pfarrerin geriet wegen ihres Einsatzes sogar ins Visier staatsanwaltlicher Ermittlungen – wegen angeblicher Beihilfe zum illegalen Aufenthalt. »Doris Otminghaus hat sich davon weder einschüchtern noch in ihrem Engagement bremsen lassen«, lobte Andreas Lipsch.

Laudator und Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Dr. Dr. h.c. Volker Jung, würdigte das Engagement von Seibert und Otminghaus: »Doris Otminghaus und Wolfgang Seibert haben eine bemerkenswerte Standfestigkeit bewiesen, auch und gerade unter öffentlichem Druck. Sie sind darin Vorbild und zugleich in der Gemeinschaft mit all denen, die sich in gleicher Weise engagieren.«

Mit einem Kirchenasyl werde der Staat gebeten, genau zu prüfen, ob im Falle einer Abschiebung Menschenwürde und Menschenrechte angetastet und verletzt werden. Oder sogar Menschenleben auf dem Spiel stehen, wie bei Abschiebungen nach Afghanistan. »Dass trotz aller vorliegenden Informationen über die Sicherheitslage in Afghanistan am 12. September erneut eine Sammelabschiebung von Düsseldorf nach Kabul stattfinden soll, ist in meinen Augen nicht akzeptabel. Ich halte Abschiebungen nach Afghanistan für nicht verantwortbar«, erklärte Kirchenpräsident Jung.

Der mit 5.000 dotierte Menschenrechtspreis der Stiftung PRO ASYL wird seit 2006 vergeben. Mit ihm werden Persönlichkeiten geehrt, die sich in herausragender Weise für die Achtung der Menschenrechte und den Schutz von Flüchtlingen einsetzen. Er wird jährlich in Frankfurt verliehen.

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