20.03.2026

Lan­des­flücht­lings­rä­te und PRO ASYL war­nen vor einer kal­ku­lier­ten und sys­te­ma­ti­schen Zer­stö­rung von zivil­ge­sell­schaft­li­chen Unter­stüt­zungs­struk­tu­ren für Geflüch­te­te. Dazu gehö­ren die Kür­zun­gen bei Inte­gra­ti­ons­kur­sen eben­so wie die vor­ge­se­he­ne Strei­chung der unab­hän­gi­gen Asylverfahrensberatung.

Der Abbau unab­hän­gi­ger Bera­tungs­an­ge­bo­te ist kei­ne zufäl­li­ge poli­ti­sche Ent­schei­dung. Er ist Aus­druck eines umfas­sen­den Angriffs auf gesell­schaft­li­che Teil­ha­be und demo­kra­ti­sche Struk­tu­ren – auf natio­na­ler wie auf euro­päi­scher Ebe­ne. Und das bei gleich­zei­tig wach­sen­dem Bera­tungs­be­darf von Geflüch­te­ten, denn die Schutz­quo­te beim Bun­des­amt für Migra­ti­on und Flücht­lin­ge (BAMF) sinkt deut­lich, trotz einer mas­si­ven Aus­wei­tung von Kon­flik­ten und Krie­gen in zahl­rei­chen Herkunftsländern.

„Unab­hän­gi­ge Asyl­ver­fah­rens­be­ra­tung ist kein Zusatz­an­ge­bot, son­dern eine zen­tra­le Vor­aus­set­zung für fai­re und funk­tio­nie­ren­de Ver­fah­ren. Wer die­se Struk­tu­ren abbaut, greift in die Funk­ti­ons­fä­hig­keit des Rechts­staats ein“, sagt Helen Reze­ne, Geschäfts­füh­re­rin von PRO ASYL. Damit wer­den gezielt die Rech­te von Men­schen geschwächt, die ohne­hin zu den ver­letz­lichs­ten Grup­pen gehö­ren. Der Schutz gesell­schaft­li­cher Min­der­hei­ten ist jedoch Teil der demo­kra­ti­schen DNA und unver­zicht­bar für einen funk­tio­nie­ren­den Rechtsstaat.

„Beson­ders alar­mie­rend ist, dass der gesetz­li­che Anspruch auf unab­hän­gi­ge Bera­tung zwar for­mal laut Para­graf 12a Asyl­ge­setz besteht, in der Pra­xis jedoch fak­tisch auf Null gedreht wird“, so Leo­nie Melk vom Flücht­lings­rat Schles­wig-Hol­stein beim bun­des­wei­ten Tref­fen von Lan­des­flücht­lings­rä­ten und PRO ASYL in Kiel.

Die­se Ent­wick­lung steht exem­pla­risch für den sys­te­ma­ti­schen Abbau zivil­ge­sell­schaft­li­cher Infra­struk­tur. Wenn bei der Vor­be­rei­tung auf ein kom­ple­xes und exis­ten­ti­el­les Ver­fah­ren und mög­li­cher­wei­se feh­ler­haf­ten Beschei­den gleich­zei­tig die Bera­tung weg­bricht, wird effek­ti­ver Rechts­schutz fak­tisch unmög­lich. Hin­zu kom­men struk­tu­rel­le Pro­ble­me: Cha­os im Asyl­ver­fah­ren und eine mas­si­ve Zunah­me von Kla­gen sind abseh­ba­re Konsequenzen.

Die­se Poli­tik hin­dert Schutz­su­chen­de zudem dar­an, an der Gesell­schaft teil­zu­ha­ben, ver­schärft Aus­gren­zung und Unsi­cher­heit und ver­ur­sacht indi­vi­du­el­les Leid.

Die Lan­des­flücht­lings­rä­te und PRO ASYL fordern:

• eine flä­chen­de­cken­de, unab­hän­gi­ge Asylverfahrensberatung
• Inte­gra­ti­ons­kur­se für alle Schutzsuchenden
• eine dau­er­haf­te finan­zi­el­le Absi­che­rung der Bera­tungs- und Unterstützungsstrukturen

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