07.09.2016

Die Stif­tung PRO ASYL wür­digt Mus­sie Zerai und sei­nen uner­müd­li­chen Ein­satz für die Ret­tung und Auf­nah­me von Flücht­lin­gen in See­not

Sei­ne Num­mer ist für vie­le die letz­te Hoff­nung: Die Stif­tung PRO ASYL ver­leiht ihren Men­schen­rechts­preis 2016 dem Pries­ter und Flücht­lings­hel­fer Mus­sie Zerai, der sich seit über zehn Jah­ren mit bei­spiel­lo­sem Ein­satz um die Ret­tung von Flücht­lin­gen aus See­not küm­mert.

Mus­sie Zerai weiß, was es heißt, in einer frem­den Gesell­schaft anzu­kom­men. Er ist 16 Jah­re alt, als er 1992 als Flücht­ling Ita­li­en erreicht. In den ers­ten Jah­ren trägt er Zei­tun­gen aus, ver­kauft Obst, über­setzt für einen bri­ti­schen Pries­ter. Spä­ter stu­diert er Theo­lo­gie und Phi­lo­so­phie. Nach dem Erhalt der Pries­ter­wei­he, ent­sen­det ihn die katho­li­sche Kir­che in Rom als Seel­sor­ger in die Schweiz.

Als ihn ein ita­lie­ni­scher Jour­na­list im Jahr 2003 fragt, ob er für ihn in einem liby­schen Gefäng­nis dol­met­schen kön­ne, kommt Zerai erst­mals mit eri­trei­schen Flücht­lin­gen, die auf dem Weg nach Euro­pa unter­wegs sind, in Kon­takt. Die Geschich­ten sei­ner Lands­leu­te las­sen ihn fort­an nicht mehr los, und er sieht sich in der Pflicht, zu hel­fen. Schon bald nach sei­nem Besuch im Gefäng­nis erhält er Anru­fe von den Men­schen, die er dort ken­nen­ge­lernt hat, und wenig spä­ter auch von Flücht­lin­gen in See­not. Jemand hat­te Mus­sie Zerais Tele­fon­num­mer in die Wand des Gefäng­nis­ses geritzt mit dem Hin­weis: »Bei Not­fäl­len, die­se Num­mer anru­fen!«

So ist die Tele­fon­num­mer des enga­gier­ten Pries­ters seit 2004 für vie­le Boots­flücht­lin­ge die letz­te Hoff­nung – und viel­fach auch die Ret­tung. »Lie­ber Baba, hilf uns schnell. Wir haben kein Essen, kein Was­ser, und der Han­dy­ak­ku ist fast leer«, so oder ähn­lich lau­ten die bis­lang tau­send­fa­chen Hil­fe­ru­fe von Boots­flücht­lin­gen, die Mus­sie Zerai in über 10 Jah­ren erreicht haben.

Wenn ihn Anru­fe aus See­not errei­chen, setzt sich Zerai sofort mit der ita­lie­ni­schen Küs­ten­wa­che in Ver­bin­dung. Schnell hat er gelernt, wor­auf es ankommt, wenn ein Ret­tungs­ver­such erfolg­reich ver­lau­fen soll. Die ita­lie­ni­sche Küs­ten­wa­che schätzt, dass Mus­sie Zerai inzwi­schen bereits meh­re­ren Tau­send Men­schen das Leben geret­tet hat. Rund um die Uhr ist der Pries­ter erreich­bar. Wenn er schläft, liegt das Han­dy ange­schal­tet auf dem Nacht­tisch, wenn er Mes­se fei­ert, „bewacht“ es jemand für ihn.

Im Jahr 2006 grün­det Zerai in Ita­li­en die Hilfs­or­ga­ni­sa­ti­on „Agen­zia Habeshia“, deren Auf­ga­be es unter ande­rem ist, Migrant*innen und Flücht­lin­ge in Belan­gen mit den Behör­den und bei der Inte­gra­ti­on zu unter­stüt­zen. Schon bald betreibt Zerai mit sei­ner Orga­ni­sa­ti­on auch ver­stärkt Lob­by- und Öffent­lich­keits­ar­beit für Boots­flücht­lin­ge, spricht im Radio und Fern­se­hen, schreibt Poli­ti­ke­rIn­nen und Hilfs­or­ga­ni­sa­tio­nen. Es geht ihm dar­um, die Ver­ant­wort­li­chen zur Rechen­schaft zu zie­hen. Auf die Fra­ge nach sei­ner Moti­va­ti­on, ant­wor­tet Zerai schlicht: »Wenn ich höre, dass jemand in Not ist, dann ist es mei­ne mensch­li­che Ver­pflich­tung, ihm zu hel­fen.«

Mus­sie Zerais Enga­ge­ment macht Mut zur Nach­ah­mung: Maß­geb­lich inspi­riert von sei­nem Vor­bild, haben Akti­vis­tIn­nen des Moni­to­ring-Pro­jekts „Watch the Med“ Ende 2014 eine wei­te­re Not­ruf­num­mer für Flücht­lin­ge in See­not, das „Alarm Pho­ne“ ein­ge­rich­tet.

Die Stif­tung PRO ASYL wür­digt Mus­sie Zerai und sei­nen uner­müd­li­chen Ein­satz für die Ret­tung und Auf­nah­me von Flücht­lin­gen in See­not in die­sem Jahr mit ihrem Men­schen­rechts­preis. Die Preis­ver­lei­hung fin­det am 17.September 2016 im Haus am Dom in Frank­furt statt.

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