21.06.2011

Anläss­lich der Innen­mi­nis­ter­kon­fe­renz in Frank­furt am Main for­dern PRO ASYL, der Hes­si­sche Flücht­lings­rat, die Orga­ni­sa­ti­on Jugend­li­che ohne Gren­zen und die Beauf­trag­te für die Flücht­lings­auf­nah­me der Evan­ge­li­schen Kir­che in Hes­sen und Nas­sau, Ursu­la Schoen, ein Votum der Innen­mi­nis­ter, sich sofort an einem Ad-hoc-Auf­nah­me­pro­gramm für Flücht­lin­ge zu betei­li­gen, die in tune­si­schen Lagern ent­lang der liby­schen Gren­ze unter pre­kä­ren Umstän­den fest­sit­zen. Nach­dem die EU-Staa­ten bei der Abwehr von Flücht­lin­gen lan­ge Jah­re mit den des­po­ti­schen Regi­men Nord­afri­kas koope­riert haben, ist es uner­träg­lich, dass man mit Wor­ten den demo­kra­ti­schen Wan­del begrüßt, auf der ande­ren Sei­te aber den­je­ni­gen die Hil­fe ver­wei­gert, die als Flücht­lin­ge oder Arbeits­mi­gran­tIn­nen aus dem sub­sa­ha­ri­schen Afri­ka in Tune­si­en gestran­det oder noch in Liby­en in Gefahr sind.

„Ange­sichts der Groß­zü­gig­keit, mit der die Nach­bar­staa­ten Liby­ens Hun­dert­tau­sen­de Flücht­lin­ge auf­ge­nom­men haben, muss es ein selbst­ver­ständ­li­ches Zei­chen inter­kon­ti­nen­ta­ler Soli­da­ri­tät sein, die Flücht­lin­ge auf­zu­neh­men, für die es kein Zurück in ihre Her­kunfts­staa­ten gibt“, so Ursu­la Schoen. Kri­tisch sehen die Orga­ni­sa­tio­nen den Ver­such der EU-Staa­ten, die Demo­kra­tie­be­we­gun­gen im Maghreb als Nach­fol­ger der ver­jag­ten Des­po­ten in alle Maß­nah­men und Abkom­men zur Flucht- und Migra­ti­ons­ver­hin­de­rung ein­bin­den zu wol­len.

PRO ASYL-Refe­rent Bernd Meso­vic: „Dass auch künf­tig Flücht­lin­ge in Gefahr sind, zu ver­hun­gern, zu ver­durs­ten oder zu Gewalt­op­fern wer­den, das ist – wie schon mit der Zusam­men­ar­beit mit Gad­da­fi – kal­ku­lier­ter Bestand­teil die­ser Poli­tik.“ Es ist des­halb an der Zeit, dass die Innen­mi­nis­ter einer Fort­set­zung die­ser Poli­tik, für die als eines der maß­geb­li­chen Instru­men­te die EU-Grenz­schutz­agen­tur Fron­tex steht, ihre Zustim­mung ver­wei­gern.

Die Orga­ni­sa­tio­nen for­dern die Innen­mi­nis­ter wei­ter auf, einen förm­li­chen  Abschie­bungs­stopp nach Syri­en zu beschlie­ßen. Bis­her gibt es ledig­lich eine wachs­wei­che Emp­feh­lung des Bun­des­in­nen­mi­nis­ters, es sei zur­zeit nicht „rat­sam“, nach Syri­en abzu­schie­ben. Das deutsch-syri­sche Rück­über­nah­me­ab­kom­men, sehen­den Auges geschlos­sen mit einem des­po­ti­schen Fol­ter­staat, ist immer noch nicht gekün­digt.

Tim­mo Sche­ren­berg (Hes­si­scher Flücht­lings­rat) und Nur­ja­na Ismail­o­va (Jugend­li­che ohne Gren­zen) wei­sen dar­auf hin, dass es an der Zeit ist, die Ent­rech­tung von Flücht­lin­gen in Deutsch­land zu been­den. Men­schen müs­sen wie Men­schen behan­delt wer­den, wozu ein Ende der Lager­un­ter­brin­gung und der Resi­denz­pflicht sowie die Ermög­li­chung sozia­ler Teil­ha­be gehört. Das immer noch nicht abschlie­ßend gelös­te Pro­blem des Auf­ent­halts­rechts für lang­jäh­rig gedul­de­te Men­schen muss spä­tes­tens die Herbs­tin­nen­mi­nis­ter­kon­fe­renz auf­grei­fen und ihre bis­he­ri­ge Linie des Blei­be­rechts nach Nütz­lich­keits­er­wä­gun­gen kor­ri­gie­ren. „Die als nütz­lich ange­se­he­nen Jugend­li­chen aus demo­gra­fi­schen Grün­den blei­ben zu las­sen, aber ihre Eltern und vie­le ande­re abschie­ben zu wol­len, ist unmensch­lich und kei­ne Lösung“, so Nur­ja­na Ismail­o­va.

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