08.07.2022

Ein­la­dung zur Pres­se­kon­fe­renz am Mon­tag 11. Juli 2022 um 10:30 Uhr deut­scher Zeit. Eine Online-Über­tra­gung sowie eine Über­set­zung von Grie­chisch in Eng­lisch wird angeboten.

Das gest­ri­ge Urteil des Euro­päi­schen Gerichts­hofs für Men­schen­rech­te erging acht Jah­re nach dem tra­gi­schen Vor­fall am 20. Janu­ar 2014, bei dem ein Flücht­lings­boot im Schlepp­tau der grie­chi­schen Küs­ten­wa­che ken­ter­te und dabei acht Kin­der und drei Frau­en ertran­ken. Vier­zehn Über­le­ben­de klag­ten vor dem Euro­päi­schen Gerichts­hof für Men­schen­rech­te wegen unter­las­se­ner Hil­fe­leis­tung und ernied­ri­gen­der Behand­lung durch grie­chi­sche Behörden.

Der Straß­bur­ger Gerichts­hof stell­te in sei­nem Urteil eine Ver­let­zung des Rechts auf Leben (Arti­kel 2 EMRK) fest. Und zwar sowohl in mate­ri­el­ler Hin­sicht, weil die grie­chi­sche Küs­ten­wa­che Maß­nah­men unter­las­sen hat, die sie hät­ten ergrei­fen müs­sen, um Men­schen­le­ben zu schüt­zen und den tra­gi­schen Vor­fall zu ver­hin­dern. Als auch in ver­fah­rens­recht­li­cher Hin­sicht, weil die grie­chi­schen Behör­den es ver­säumt haben, einen so bedeu­ten­den Fall ver­ant­wor­tungs­voll und wirk­sam zu unter­su­chen. Der Gerichts­hof stell­te außer­dem fest, dass grie­chi­sche Beam­te die Über­le­ben­den ernied­ri­gend und unmensch­lich behan­delt hat­ten (Ver­let­zung Arti­kel 3 EMRK) und ver­ur­teil­ten Grie­chen­land zur einer Ent­schä­di­gungs­zah­lung von 330.000 € an die Hinterbliebenen.

Das Urteil des Gerichts bringt ein grund­sätz­li­ches Pro­blem ans Licht, das im öffent­li­chen Dis­kurs kaum wahr­ge­nom­men wird: Das Zurück­drän­gen und die sys­te­ma­ti­schen Abschre­ckungs­prak­ti­ken, die im Evros und in der Ägä­is tag­täg­lich Men­schen­le­ben in Gefahr bringen.

PRO ASYL und wei­te­re Orga­ni­sa­tio­nen, die die Über­le­ben­den bei ihrer Kla­ge unter­stützt haben, wol­len nun in einer Pres­se­kon­fe­renz die Bedeu­tung des Urteils für die Kläger*innen beschrei­ben und die mög­li­chen Aus­wir­kun­gen auf die euro­päi­sche Flücht­lings­po­li­tik einordnen. 

Auf dem Podi­um sprechen:

Ioan­na Kour­to­vik (Anwäl­tin, Net­work of Social Sup­port to Refu­gees and Migrants)

Maria Papa­mi­na (Anwäl­tin, Legal Unit Coor­di­na­tor, Greek Coun­cil for Refugees)

Ele­ni Spatha­na (Anwäl­tin, Group of Lawy­ers for the Rights of Refu­gees and Migrants)

Mari­an­na Tze­fera­k­ou (Anwäl­tin, Refu­gee Sup­port Aege­an (RSA))

Gior­gos Tsar­bo­pou­los (ehe­ma­li­ger Ver­tre­ter Grie­chen­lands beim Hohen Flücht­lings­kom­mis­sar der Ver­ein­ten Natio­nen (UNHCR))

Kon­stan­ti­nos Tsits­e­li­kis (Pro­fes­sor für Human Rights Law, Uni­ver­si­ty of Mace­do­nia, Hel­le­nic League for Human Rights)

Karl Kopp (Lei­ter der Euro­pa­ab­tei­lung von PRO ASYL)

Mode­ra­ti­on durch: Dimi­tris Angel­i­dis (Jour­na­list)

Ein­la­den­de Orga­ni­sa­tio­nen: Net­work of Social Sup­port to Refu­gees and Migrants, Hel­le­nic League for Human Rights, Greek Coun­cil for Refu­gees, Group of Lawy­ers for the Rights of Refu­gees and Migrants, Refu­gee Sup­port Aege­an (RSA) und PRO ASYL.

Ort der Pres­se­kon­fe­renz: Anwalts­kam­mer von Athen (Aka­di­mi­as 60)

Eine vor­he­ri­ge Regis­trie­rung zur Teil­nah­me wird emp­foh­len und bie­tet Zugang zur eng­li­schen Über­set­zung. Ein Live­stream der Ver­an­stal­tung auf Grie­chisch wird hier zur Ver­fü­gung gestellt.

Eine aus­führ­li­che Ein­la­dung in Eng­lisch fin­den Sie hier. Wei­te­re Infor­ma­tio­nen zum Urteil kön­nen Sie hier unse­rer Pres­se­er­klä­rung entnehmen.

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