25.04.2018

PRO ASYL zum Bund-Län­der-Tref­fen zu AnkER-Zen­tren

Beim heu­ti­gen Bund-Län­der-Tref­fen in Ber­lin soll aus­ge­kund­schaf­tet wer­den, ob und wel­che Bun­des­län­der wil­lens sind, die »Visi­on« von Bun­des­in­nen­mi­nis­ter See­ho­fer von den soge­nann­ten »AnkER-Zen­tren« in einer ers­ten Pilot-Pha­se umzu­set­zen.

PRO ASYL warnt ein­dring­lich vor der Errich­tung sol­cher Mas­sen­auf­nah­me- und Rück­füh­rungs­zen­tren: Mit See­ho­fers »AnkER-Zen­tren« soll aus­ge­tes­tet wer­den, wie weit man men­schen- und asyl­recht­li­che Stan­dards her­un­ter­schrau­ben und den effek­ti­ven Recht­schutz tech­nisch weit­ge­hend ver­hin­dern kann. Doch mit Men­schen­rech­ten macht man kei­ne Pilot-Pro­jek­te.

Fai­re Asyl­ver­fah­ren wür­den erheb­lich erschwert. Rund die Hälf­te aller BAMF-Ableh­nun­gen wird der­zeit vor Gericht kor­ri­giert. Der Zugang zum Rechts­schutz aber, der für eine mög­li­che Kor­rek­tur des Asyl­be­scheids vor Gericht uner­läss­lich ist, wird für Flücht­lin­ge in iso­lier­ten »AnkER-Zen­tren« abseits von Ort­schaf­ten kaum noch mög­lich sein.

Ein Ankom­men in Deutsch­land, das Erler­nen der deut­schen Spra­che und jeg­li­che Inte­gra­ti­ons­be­mü­hung wer­den so unmög­lich gemacht. Das wird zu erheb­li­chen Pro­ble­men füh­ren, wenn die Schutz­be­rech­tig­ten nach lan­ger Zeit end­lich die­se Zen­tren ver­las­sen dür­fen – schließ­lich bekommt ein Groß­teil der Asyl­su­chen­den von BAMF oder Gerich­ten nach wie vor Schutz zuge­spro­chen.

Auch die Gewerk­schaft der Poli­zei (GdP) weist auf rechts­staat­li­che Beden­ken hin. Zwar ist noch unklar, ob die Bun­des­po­li­zei für die »AnkER-Zen­tren« zustän­dig sein wird, doch die GdP lehnt die Vor­stel­lung ab, die Bun­des­po­li­zei künf­tig zu einer »Lager­po­li­zei« zu machen. Dar­über hin­aus warnt die GdP vor Inter­nie­rung oder Frei­heits­ent­zug in »AnkER-Zen­tren« zum Zwe­cke, Ver­wal­tungs­ver­fah­ren durch­füh­ren zu kön­nen. Dabei gehe es nicht um eine Gefah­ren­ab­wehr- oder Straf­ver­fol­gungs­maß­nah­me. Auf die Qua­li­tät oder die Schnel­lig­keit eines Asyl­ver­fah­rens hät­te das Fest­set­zen von Schutz­su­chen­den in Mas­sen­zen­tren kei­ner­lei Aus­wir­kung, so die GdP in ihrer Stel­lung­nah­me.

In den »AnkER-Zen­tren« droht Schutz­su­chen­den ein Zwangs­auf­ent­halt bis zu 18 Mona­ten mit ver­hin­der­tem Zugang zu Schu­le, Arbeit, Gesell­schaft und drin­gend benö­ti­gen Kon­tak­ten zu Anwäl­tIn­nen und Ehren­amt­li­chen. Beson­ders Schutz­be­dürf­ti­ge wie Kin­der oder Fol­ter­op­fer in sol­chen Unter­brin­gun­gen auch nur zeit­wei­lig zwangs­un­ter­zu­brin­gen, ist unver­ant­wort­lich.

Zu einer aus­führ­li­chen Stel­lung­nah­me von PRO ASYL zu den »AnkER-Zen­tren« geht es hier.

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