17.08.2017

PRO ASYL for­dert eine ein­deu­ti­ge, umge­hen­de Posi­tio­nie­rung der Bun­des­kanz­le­rin und des Außen­mi­nis­ters gegen eine schlei­chen­de Gewöh­nung an Rechts­brü­che

Die Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­ti­on PRO ASYL ist ent­setzt über den Bruch von Völ­ker- und Men­schen­rech­ten durch EU-Mit­glieds­staa­ten. »Der heu­te bekannt gewor­de­ne Ein­satz von Kampf­trup­pen Bul­ga­ri­ens an der Gren­ze zur Tür­kei ist unglaub­lich. Es ist ein glat­ter Bruch des EU-Ver­tra­ges«, reagiert PRO ASYL-Geschäfts­füh­rer Gün­ter Burk­hardt. Im Arti­kel 2 des Ver­trags der Euro­päi­schen Uni­on heißt es: »Die Wer­te, auf die sich die Uni­on grün­det, sind die Ach­tung der Men­schen­wür­de, Frei­heit, Demo­kra­tie, Gleich­heit, Rechts­staat­lich­keit und die Wah­rung der Men­schen­rech­te …«

Damit erlebt Euro­pa inner­halb einer Woche den nächs­ten Bruch von Völ­ker- und Men­schen­rech­ten. Der Beschluss Ita­li­ens, Mili­tär­boo­te nach Liby­en zu sen­den ist eben­so wenig zu recht­fer­ti­gen wie die Zusam­men­ar­beit von Ita­li­en, Deutsch­land und ande­ren EU-Staa­ten mit der liby­scher Ein­heits­re­gie­rung und deren Küs­ten­wa­che. Deutsch­land bil­det die Küs­ten­wa­che Liby­ens aus. Die EU hat Liby­en 220 Mil­lio­nen Euro zuge­sagt, davon 46 Mil­lio­nen für die Finan­zie­rung der Küs­ten­wa­che, obwohl Schutz­su­chen­de in Liby­en schwers­ten Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen aus­ge­setzt wer­den.

Wäh­rend­des­sen for­dert aktu­ell der Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter Bul­ga­ri­ens Kara­kat­scha­now Trup­pen der NATO oder EU in Ita­li­en und Grie­chen­land ein­zu­set­zen, um die Außen­gren­zen der Euro­päi­schen Uni­on not­falls mit Waf­fen­ge­walt zu ver­tei­di­gen.

PRO ASYL kri­ti­siert den schlei­chen­den Gewöh­nungs­ef­fekt der euro­päi­schen Öffent­lich­keit an Rechts­brü­che und for­dert eine ein­deu­ti­ge, umge­hen­de Posi­tio­nie­rung der Bun­des­kanz­le­rin und des Außen­mi­nis­ters. Dazu gehört unter ande­rem auch die Auf­kün­di­gung der Zusam­men­ar­beit mit Liby­en.

Die gegen­wär­ti­ge Poli­tik der EU-Mit­glieds­staa­ten zum Zweck der Flücht­lings­ab­wehr zer­stört die men­schen­recht­li­chen Grund­la­gen. Die EU hat sich dazu ver­pflich­tet, Flücht­lin­gen Schutz zu gewäh­ren. Nun wird mit Mili­tär­ein­satz oder der Auf­rüs­tung dubio­ser Regimes sys­te­ma­tisch Schutz­su­chen­den der Zugang zum indi­vi­du­el­len Recht auf Asyl in der EU ver­wehrt.

Es ist erschüt­ternd, dass in der öffent­li­chen Dis­kus­si­on über die Aus­rich­tung der deut­schen und euro­päi­schen Poli­tik die Fra­ge der Ach­tung von Men­schen­rech­ten gegen­wär­tig kei­ne Rol­le spielt. »Es geht um die Grund­la­gen unse­rer Gesell­schaft: die Men­schen­rech­te«, so Burk­hardt.

Alle Presse­mitteilungen