06.07.2020

PRO ASYL wür­digt Ein­satz gegen das Ster­ben im Mit­tel­meer und for­dert euro­päi­schen See­not­ret­tungs­dienst

In die­sem Jahr ver­leiht die Stif­tung PRO ASYL ihren Men­schen­rechts­preis an Mari­on Bay­er (Hanau), Hela Kana­ka­ne (Tunis) und Hagen Kopp (Hanau) von Watch the Med – Alarm Pho­ne.

Seit mehr als fünf Jah­ren beant­wor­ten Mit­glie­der von Alarm Pho­ne Not­ru­fe von Schutz­su­chen­den, die auf dem lebens­ge­fähr­li­chen Weg über das Mit­tel­meer nach Euro­pa in See­not gera­ten. Mit fast 3.200 Boo­ten war das Alarm Pho­ne bis­lang in Kon­takt und ver­such­te in oft ver­zwei­fel­ten Situa­tio­nen alles, um die Ret­tung der Men­schen sicher­zu­stel­len.

Das Alarm Pho­ne trotzt allen men­schen­ver­ach­ten­den Ver­su­chen, den Zugang zu Schutz in Euro­pa zu blo­ckie­ren und bleibt stets an der Sei­te der Schutz­su­chen­den. Mit der rund um die Uhr von Ehren­amt­li­chen in Euro­pa und Nord­afri­ka betrie­be­nen Not­ruf-Hot­line ver­tei­digt Alarm Pho­ne im Mit­tel­meer kon­se­quent das Recht auf Leben.

Rufen Schutz­su­chen­de das Alarm Pho­ne an, wer­den zunächst die wich­tigs­ten Daten abge­fragt: Wo befin­det sich das Boot? Wur­de die Küs­ten­wa­che infor­miert? Wie ist die Situa­ti­on an Bord? Wie vie­le Frau­en, Kin­der, Kran­ke sind dabei? Das Alarm Pho­ne gibt dann alle Infor­ma­tio­nen an die zustän­di­ge Küs­ten­wa­che wei­ter. Im bes­ten Fall kommt die­se ihrer see- und men­schen­recht­li­chen Ver­pflich­tung nach und star­tet eine Ret­tungs­ak­ti­on.

All­zu oft jedoch bleibt eine Ret­tung aus, immer öfter wer­den Men­schen völ­ker­rechts­wid­rig zurück­ge­schleppt. In die­sen Fäl­len hält das Alarm Pho­ne den Kon­takt zu dem Boot auf­recht und stellt eine inter­na­tio­na­le Öffent­lich­keit her, um Druck auf die zustän­di­gen Behör­den auf­zu­bau­en.

Die dra­ma­ti­schen Ver­än­de­run­gen in der euro­päi­schen Flücht­lings­po­li­tik haben dabei direk­te Aus­wir­kun­gen auf die Arbeit von Alarm Pho­ne. Die Lage im Mit­tel­meer und das Ver­hal­ten staat­li­cher Akteu­re haben sich seit Grün­dung von Alarm Pho­ne im Jahr 2014 etwa durch den EU-Tür­kei-Deal oder die Auf­rüs­tung liby­scher Mili­zen immer wie­der grund­le­gend geän­dert.

Obwohl die EU mit die­sen skru­pel­lo­sen Koope­ra­tio­nen das Ziel ver­folgt, Schutz­su­chen­de von Euro­pa fern­zu­hal­ten, haben sie die Flucht­be­we­gun­gen nach Euro­pa nicht been­det. Sie machen die Rou­ten jedoch immer gefähr­li­cher. Im Mit­tel­meer kamen seit 2014 nach offi­zi­el­len Zah­len 20.180 (Stand: 2. Juli 2020) Men­schen im Mit­tel­meer ums Leben.

Das poli­ti­sche Umfeld, in dem das Alarm Pho­ne ope­riert, könn­te feind­se­li­ger kaum sein. Beson­ders die zivi­len See­not­ret­tungs­or­ga­ni­sa­tio­nen sehen sich seit Jah­ren poli­ti­schen Angrif­fen aus­ge­setzt und von Kri­mi­na­li­sie­rung bedroht.

Die Stif­tung PRO ASYL unter­stützt mit der Aus­zeich­nung die Arbeit von Alarm Pho­ne. Der Preis der Stif­tung PRO ASYL ist mit 5.000€ dotiert. Auf­grund der aktu­el­len Ein­schrän­kun­gen für Ver­an­stal­tun­gen kön­nen wir der­zeit noch kei­nen Ort und Zeit für die Preis­ver­lei­hung bekannt geben. 

Aktu­el­les  

Die See­not­ret­tung im Mit­tel­meer steht auf der Tages­ord­nung des infor­mel­len Tref­fens der EU-Innen­mi­nis­ter am 07. Juli – aller­dings nur in Form eines Aus­tauschs. Haupt­ziel sind »Fort­schrit­te in den Berei­chen Schleu­ser­be­kämp­fung, Außen­grenz­schutz und Rück­kehr«.

PRO ASYL for­dert die EU-Staa­ten zum Han­deln auf: »See­not­ret­tung ist eine grund­le­gen­de völ­ker­recht­li­che Pflicht. Wenn die EU Men­schen auf See ertrin­ken lässt, ver­ab­schie­det sie sich von ihren Grün­dungs­wer­ten. Wir for­dern eine staat­li­che, euro­päi­schen See­not­ret­tung«, so Gün­ter Burk­hardt, Vor­stand der Stif­tung PRO ASYL und Geschäfts­füh­rer von PRO ASYL.

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