04.11.2010

Der Flücht­lings­rat Nie­der­sach­sen und PRO ASYL haben zusam­men mit Cha­chipe und ande­ren Men­schen­rechts- sowie Romaor­ga­ni­sa­tio­nen die EU-Kom­mis­sa­rin für Innen­po­li­tik Ceci­lia Malm­ström für ihre Auf­for­de­rung an die Innen­mi­nis­ter Ser­bi­ens und Maze­do­ni­ens kri­ti­siert, Asyl­an­trä­ge ihrer Staats­bür­ger in Staa­ten der EU zu ver-hin­dern. Statt­des­sen soll­te die Kom­mis­sa­rin die Regie­run­gen bei­der Län­der nach Auf­fas­sung der Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­tio­nen auf­for­dern, ihre Bemü­hun­gen im Bereich des Min­der­hei­ten­schut­zes und der Inte­gra­ti­on von Flücht­lin­gen und Rück­keh­rern zu ver­stär­ken.

Die Orga­ni­sa­tio­nen wei­sen in ihrem Brief an Frau Malm­ström dar­auf hin, dass Min­der­hei­ten­an­ge­hö­ri­ge in Ser­bi­en und Maze­do­ni­en, ins­be­son­de­re Roma, in bei­den Län­dern immer wie­der Opfer von Dis­kri­mi­nie­rung und Über­grif­fen wer­den. Die Le-bens­si­tua­ti­on von Roma dort sei geprägt von äußers­ter Armut, oft­mals auch Aus-gren­zung aus dem Gesund­heits- und Bil­dungs­sys­tem, Beschimp­fun­gen und Dro-hun­gen durch Mehr­heits­an­ge­hö­ri­ge, Angrif­fen durch ser­bi­sche Natio­na­lis­ten oder Zwangs­räu­mun­gen von Sied­lun­gen durch die ser­bi­sche Ver­wal­tung.

Die Auf­for­de­rung von Frau Malm­ström an die Regie­run­gen Ser­bi­ens und Maze­do­ni­ens hat in Ser­bi­en bereits deut­li­che Reak­tio­nen nach sich gezo­gen. Ser­bi­ens Innen­mi­nis­ter Ivi­ca Dačić beeil­te sich, ver­stärk­te Grenz­kon­trol­len anzu­kün­di­gen. Wei­ter teil­te er mit, die „fal­schen Asyl­su­chen­den“ sei­en größ­ten­teils Roma und Alba­ner, die aus wirt­schaft­li­chen Grün­den das Land ver­lie­ßen.

Es ist zu befürch­ten, dass die ange­kün­dig­ten Grenz­kon­trol­len vor allem die Rei­se-frei­heit von Min­der­heits­an­ge­hö­ri­gen ein­schrän­ken und auf der Grund­la­ge von Selek­ti­on nach Haut­far­be statt­fin­den wird. Gera­de den Men­schen, die nach viel­fäl­ti­gen Berich­ten von Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­tio­nen bis hin zum Men­schen­rechts­kom­mis­sar des Euro­pa­ra­tes in Ser­bi­en und Maze­do­ni­en dis­kri­mi­niert und aus­ge­grenzt wer­den, wird damit der Zugang in der EU ver­sperrt. Frau Malm­ström ist auf­ge­ru­fen, sich für die Rech­te von Roma und ande­ren Min­der­hei­ten in Ser­bi­en und Maze­do­ni­en sowie für die Mög­lich­keit einer Rück­kehr von Flücht­lin­gen in Wür­de ein­zu­set­zen, statt die Aus­gren­zung die­ser Min­der­hei­ten durch frag­wür­di­ge Appel­le an die Regie­run­gen, Asyl­an­trä­ge zu ver­hin­dern, wei­ter vor­an­zu­trei­ben.

Anla­ge:
Brief an Ceci­lia Malm­ström, EU-Kom­mis­sa­rin für Innen­po­li­tik, vom 26.10.2010

Kon­takt:
PRO ASYL, Tel. 069 23 06 95, E-Mail presse@proasyl.de
Flücht­lings­rat Nie­der­sach­sen, Tel. 05121 15 605, E-mail nds@nds-fluerat.org

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