18.01.2010

PRO ASYL: Deut­sche Jus­tiz darf Fol­ter nicht legi­ti­mie­ren

In der am heu­ti­gen Tage vor dem Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart (OLG) statt­fin­den­den Haupt­ver­hand­lung gegen zwei mut­maß­li­che Mit­glie­der der ver­bo­te­nen tür­ki­schen Orga­ni­sa­ti­on DHKP-C ist der Lei­ter der Anti-Ter­ror-Abtei­lung der Poli­zei Istan­bul als Zeu­ge gela­den. Damit soll der Lei­ter der­je­ni­gen poli­ti­schen Abtei­lung der Poli­zei ver­nom­men wer­den, die regel­mä­ßig Fol­ter als Mit­tel gegen poli­ti­sche Wider­sa­cher anwen­det. Von die­ser Fak­ten­la­ge aus­ge­hend wird in Deutsch­land poli­ti­schen Flücht­lin­gen aus der Tür­kei auch heu­te noch Asyl zuge­spro­chen, wenn ihnen wegen Über­stel­lung an die­se Abtei­lung Fol­ter droht (z.B. Urteil des VGH Hes­sen vom 29.4.2009, Az. 4 A 676/07.A).

Gegen einen frü­he­ren Ver­such, den tür­ki­schen Lei­ter der Anti­ter­ror-Ein­heit als Zeu­gen zu ver­neh­men, hat­ten die Ver­tei­di­ger der Ange­klag­ten hef­ti­gen Wider­spruch ein­ge­legt. Sie woll­ten die Akten der Ermitt­lungs­ver­fah­ren gegen den gela­de­nen Zeu­gen bei­zie­hen las­sen und dräng­ten auf Auf­klä­rung über des­sen Ver­stri­ckun­gen in Fol­ter­prak­ti­ken. Nach Anga­ben tür­ki­scher Anwäl­te wur­den gegen den Gela­de­nen meh­re­re Straf­an­zei­gen wegen Fol­ter gestellt. Trotz der Fol­ter­vor­wür­fe hat das OLG Stutt­gart den tür­ki­schen Zeu­gen – unter Mit­wir­kung des Bun­des­kri­mi­nal­am­tes – heu­te erneut gela­den.

„Eine Abschöp­fung von unter Fol­ter zustan­de gekom­me­nen Infor­ma­tio­nen darf es in einem Rechts­staat nicht geben,“ erklär­te am Mon­tag Marei Pel­zer, rechts­po­li­ti­sche Refe­ren­tin von PRO ASYL. Die deut­sche Jus­tiz dür­fe Fol­ter nicht legi­ti­mie­ren, indem sie für Fol­ter Ver­ant­wort­li­che als Zeu­gen anhö­re. Es han­de­le sich um „Früch­te eines ver­gif­te­ten Bau­mes“, die in einem Rechts­staat nicht geern­tet wer­den dür­fen.

PRO ASYL for­dert das OLG Stutt­gart auf, die Ver­neh­mung des tür­ki­schen Zeu­gen umge­hend ein­zu­stel­len.

Hin­weis: Die Gerichts­ver­hand­lung fin­det heu­te und mor­gen in der Außen­stel­le Stamm­heim des OLG Stutt­gart statt.

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