03.06.2009

EU debat­tiert Asyl­ver­fah­ren in Liby­en und ein biss­chen Soli­da­ri­tät bei der Auf­nah­me von Boots­flücht­lin­gen

Appell an Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Schäub­le: „Inter­nie­rungs­la­ger am Ran­de der Saha­ra sind wei­ter­hin nicht die Lösung““ 

In Agrigento/Italien ste­hen Eli­as Bier­del und Kapi­tän Ste­fan Schmidt heu­te wie­der vor Gericht. Es droht ihre Ver­ur­tei­lung, obwohl sie im Juni 2004 Boots­flücht­lin­ge vor dem siche­ren Tod geret­tet haben. Über 5000 Ein­zel­per­so­nen aus 20 Staa­ten haben mitt­ler­wei­le den Appell „Huma­ni­tä­re Hil­fe ist kein Ver­bre­chen“ unter­zeich­net und die voll­stän­di­ge Reha­bi­li­tie­rung der bei­den Lebens­ret­ter gefor­dert.

Mor­gen trifft sich der ita­lie­ni­sche Innen­mi­nis­ter Rober­to Maro­ni mit sei­nen euro­päi­schen Amts­kol­le­gen in Luxem­burg. Maro­ni bezeich­net das men­schen­rechts­wid­ri­ge Zurück­drän­gen von Flücht­lings­boo­ten nach Liby­en als „Modell für Euro­pa“. Ernst­haf­te Kri­tik an sei­nem hun­dert­fa­chen Völ­ker­rechts­bruch muss er nicht befürch­ten. Schlim­mer noch: Die Regie­rung Ber­lus­co­ni setzt ihr Modell eines Aus­stiegs aus dem Flücht­lings­schutz auf die EU-Agen­da. EU-Kom­mis­sar Jac­ques Bar­rot schlägt in einem Brief den EU-Innen­mi­nis­tern vor, in Liby­en best­mög­li­che Bedin­gun­gen für ein Asyl­ver­fah­ren zu schaf­fen. Wie Bar­rot in liby­schen Haft­la­gern die Men­schen­rech­te ver­wirk­li­chen will, bleibt sein Geheim­nis. Außer­dem for­dert die EU-Kom­mis­si­on, künf­tig Boots­flücht­lin­ge, die euro­päi­sches Ter­ri­to­ri­um errei­chen, soli­da­ri­scher zu ver­tei­len.

Déjà vu: 2004–2009: Aus­la­ge­rung des Flücht­lings­schut­zes in die Lager Nord­afri­kas

Nach der Ret­tungs­ak­ti­on der Cap Ana­mur hat­te der dama­li­ge Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Otto Schi­ly im Som­mer 2004 „Lager in Nord­afri­ka“ gefor­dert. Sein Nach­fol­ger im Amt, Wolf­gang Schäub­le, hat die­sen Vor­schlag zutref­fend abge­lehnt: ´„Inter­nie­rungs­la­ger am Ran­de der Saha­ra sind nicht die Lösung“. Schäub­le for­der­te damals die Ein­hal­tung der Gen­fer Flücht­lings­kon­ven­ti­on und der Euro­päi­schen Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on.

PRO ASYL appel­liert an Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Schäub­le, wei­ter­hin allen ita­lie­ni­schen und euro­päi­schen Ver­su­chen, den Flücht­lings­schutz mit Hil­fe des Dik­ta­tors Ghad­da­fi aus­zu­la­gern, eine kla­re Absa­ge zu ertei­len.

Die Ein­hal­tung des Völ­ker­rechts, kla­re Zustän­dig­kei­ten bei der See­not­ret­tung und die Ver­pflich­tung, Schiffs­brü­chi­ge unver­züg­lich in einen siche­ren, euro­päi­schen Hafen zu brin­gen, müs­sen der Aus­gangs­punkt einer Debat­te über das Schick­sal der Boots­flücht­lin­ge sein. Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Schäub­le hat nach eige­nen Anga­ben sei­ne Poli­zei­kräf­te ange­wie­sen, bei gemein­sa­men Ein­sät­zen im Mit­tel­meer Schiff­brü­chi­ge zu ret­ten und Über­le­ben­de nach Deutsch­land zu brin­gen.

PRO ASYL appel­liert an den Bun­des­in­nen­mi­nis­ter, die­ses huma­ni­tä­re Selbst­ver­ständ­nis in Luxem­burg klar zu for­mu­lie­ren und allen Ver­su­chen, Boots­flücht­lin­ge nach Nord­afri­ka zurück­zu­drän­gen, eine kla­re Absa­ge zu ertei­len.

gez. Karl Kopp, Euro­pa­re­fe­rent von PRO ASYL, Vor­stands­mit­glied von ECRE, dem Euro­päi­schen Flücht­lings­rat 

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