23.12.2015

Immer mehr Frau­en, Kin­der und Klein­kin­der flüch­ten über das Meer nach Grie­chen­land und dann wei­ter. Der Anteil der Min­der­jäh­ri­gen bei der Ankunft in Grie­chen­land ist laut UNHCR von 16 % im Juni auf 28 % im Novem­ber 2015 gestie­gen, der Anteil erwach­se­ner Frau­en von 11 % auf 17 %. Bei der Ankunft auf der grie­chi­schen Insel Chi­os lag der Anteil der Klein­kin­der bis 4 Jah­re im Juni noch bei 4 %, im Novem­ber hat er sich auf 11 % erhöht, der Anteil der 5–17-Jährigen hat sich gar von 12 % auf 24 % ver­dop­pelt. Für Samos lie­gen ähn­li­che Zah­len vor. Meh­re­re Hun­dert Men­schen, dar­un­ter vie­le Klein­kin­der und Kin­der, sind in den ver­gan­ge­nen Wochen ertrun­ken oder wegen Unter­küh­lung gestor­ben. Kin­der sind bei der Flucht mit see­un­taug­li­chen Boo­ten einem erhöh­ten Todes­ri­si­ko aus­ge­setzt.

PRO ASYL-Geschäfts­füh­rer Gün­ter Burk­hardt appel­liert an die Ver­tre­te­rin­nen und Ver­tre­ter von CDU/CSU und SPD „ange­sichts der täg­li­chen Tra­gö­di­endas Recht auf den Fami­li­en­nach­zug für Flücht­lin­ge nicht anzu­tas­ten. Zudem müs­sen das Bun­des­pro­gramm zur Auf­nah­me syri­scher Flücht­lin­ge mit Ange­hö­ri­gen in Deutsch­land wie­der auf­ge­nom­men und die Län­der­auf­nah­me­pro­gram­me fort­ge­führt wer­den.“ Bis Febru­ar 2014 konn­ten in Deutsch­land leben­de syri­sche Flücht­lin­ge Ange­hö­ri­ge aus dem Kriegs­ge­biet mit dem Bun­des­pro­gramm in Sicher­heit brin­gen. In die­sem Jahr lau­fen auch etli­che Auf­nah­me­pro­gram­me der Län­der aus, in Bay­ern gab es nie eines.

Inner­halb Deutsch­lands ziel­ten die poli­ti­schen Bemü­hun­gen der letz­ten Wochen dar­auf ab, syri­schen Flücht­lin­gen den Flücht­lings­sta­tus zu ver­wei­gern und das Recht auf Fami­li­en­nach­zug zu beschrän­ken. Die Bun­des­re­gie­rung will den Fami­li­en­nach­zug für sub­si­di­är geschütz­te Men­schen zwei Jah­re lang ganz aus­set­zen und auch danach restrik­tiv hand­ha­ben.

Der dras­ti­sche Anstieg der flüch­ten­den Frau­en und Kin­der ist auch eine Panik­re­ak­ti­on auf die Abschot­tungs­si­gna­le aus Deutsch­land und Euro­pa. Die Ankün­di­gung, die Gren­zen zur Tür­kei zu schlie­ßen und das Vor­ha­ben von CDU und CSU, den Fami­li­en­nach­zug nach Deutsch­land zu ver­hin­dern, kom­men auch bei den Flücht­lin­gen an. „Es gibt eine enor­me Angst. Vie­le ver­su­chen nun, die ver­meint­lich letz­te Chan­ce zu ergrei­fen, aus der Kri­sen­re­gi­on zu ent­kom­men,“ so Burk­hardt.

Die euro­päi­schen Staa­ten ent­wi­ckeln sich zuse­hends zur Abschot­tungs­ge­mein­schaft. Die Ver­su­che, die Tür­kei mit allen Mit­teln dazu zu brin­gen, Flücht­lin­ge von Euro­pa fern­zu­hal­ten, haben bereits fata­le Fol­gen. Die neu­es­ten Zah­len zei­gen: Die ver­zwei­fel­ten Men­schen gehen jedes Risi­ko ein, das Resul­tat sind immer mehr Tote im Mit­tel­meer. PRO ASYL for­dert daher, alles zu tun, um das Ster­ben zu been­den. Statt die weni­gen lega­len und siche­ren Wege noch wei­ter zu beschrän­ken, müs­sen die­se in Deutsch­land und Euro­pa mas­siv aus­ge­baut wer­den. Welch dra­ma­ti­sche Fol­gen die bis­he­ri­ge Poli­tik hat, zeigt der trau­ri­ge Fall der Fami­lie Ghne­ma. Wenn der Baye­ri­sche Innen­mi­nis­ter Herr­mann gehan­delt hät­te, wäre die im 5. Monat schwan­ge­re Frau nicht gestor­ben.

„Hät­te Bay­ern ein Auf­nah­me­pro­gramm gehabt, hät­ten sie nicht ster­ben müs­sen“ – der trau­ri­ge Fall der Fami­lie Ghne­ma

Fami­li­en gehö­ren zusam­men: Auf­nah­me­pro­gram­me fort­set­zen, Fami­li­en­nach­zug wei­ter ermög­li­chen

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