10.07.2020

Lan­des­flücht­lings­rä­te, Bun­des­fach­ver­band unbe­glei­te­te min­der­jäh­ri­ge Flücht­lin­ge e.V., PRO ASYL und GEW zur pre­kä­ren Situa­ti­on von geflüch­te­ten Kin­dern und Jugend­li­chen in Sam­mel­un­ter­künf­ten

Geflüch­te­te Kin­der und Jugend­li­che sei­en von den Beschrän­kun­gen wäh­rend der Coro­na­kri­se beson­ders hart getrof­fen wor­den, erklär­ten der Bun­des­fach­ver­band unbe­glei­te­te min­der­jäh­ri­ge Flücht­lin­ge (BumF) e.V., die Gewerk­schaft Erzie­hung und Wis­sen­schaft (GEW), die Lan­des­flücht­lings­rä­te und PRO ASYL am Frei­tag in Ber­lin. Mit Blick auf die schritt­wei­se Wie­der­auf­nah­me des Regel­un­ter­richts an Schu­len for­dern die Orga­ni­sa­tio­nen von den Lan­des­re­gie­run­gen sofor­ti­ge Maß­nah­men zur Unter­stüt­zung von geflüch­te­ten Schüler*innen, um ihre Bil­dungs­teil­ha­be zu gewähr­leis­ten. Sie warn­ten davor, dass sich die ohne­hin bestehen­den Bil­dungs­un­ge­rech­tig­kei­ten im Zuge der Coro­na-Pan­de­mie ver­schärf­ten. Struk­tu­rel­len Benach­tei­li­gun­gen müs­se drin­gend ent­ge­gen­wirkt wer­den.

Den Kin­dern und Jugend­li­chen in Sam­mel­un­ter­künf­ten fehl­ten wesent­li­che Grund­vor­aus­set­zun­gen, um am digi­ta­len Fern­un­ter­richt teil­zu­neh­men und es gäbe kei­ne ver­läss­li­chen Unter­stüt­zungs­struk­tu­ren, sag­te GEW-Vor­sit­zen­de Mar­lis Tepe. So etwa sei in den Unter­künf­ten für Geflüch­te­te in der Regel kein WLAN im Wohn­be­reich ver­füg­bar, Lap­tops oder Com­pu­ter und Dru­cker sei­en sel­ten vor­han­den, Inter­net­kon­tin­gen­te auf Han­dys nach weni­gen Tagen ver­braucht. Zudem leb­ten Fami­li­en häu­fig auf engs­tem Raum, was Kin­dern und Jugend­li­chen das Ler­nen grund­sätz­lich erschwe­re. Ange­sichts pan­de­mie­be­dingt ver­schlos­se­ner Gemein­schafts­be­rei­che exis­tier­ten meist kei­ner­lei Rück­zugs­mög­lich­kei­ten mehr. Ehren­amt­li­che Unter­stüt­zungs­an­ge­bo­te, wie z.B. zur Haus­auf­ga­ben­hil­fe, wur­den stark ein­ge­schränkt und Eltern sei­en wegen feh­len­der Deutsch-Kennt­nis­se über­for­dert, ihre Kin­der beim Ler­nen zu unter­stüt­zen.

Auch unbe­glei­te­te Min­der­jäh­ri­ge und jun­ge allein­ste­hen­de Voll­jäh­ri­ge in Jugend­hil­feein­rich­tun­gen lit­ten auf­grund der Coro­na-Beschrän­kun­gen ver­stärkt unter man­geln­der Betreu­ung und Unter­stüt­zung durch Ehren­amt­li­che. Ihnen fehl­ten in beson­de­rem Maße die sozia­len Kon­tak­te außer­halb der Ein­rich­tun­gen – mit ent­spre­chend nega­ti­ven Aus­wir­kun­gen auf Lern­mo­ti­va­ti­on und ‑erfol­ge.

Vor die­sem Hin­ter­grund mahn­ten Lan­des­flücht­lings­rä­te, PRO ASYL, BumF e.V. und GEW die ver­ant­wort­li­chen Akteu­re in den Län­dern, schnell zu han­deln. Es gel­te, sowohl die digi­ta­le Infra­struk­tur in den Unter­künf­ten aus­zu­bau­en als auch geeig­ne­te Lern­räu­me sowie mul­ti­pro­fes­sio­nel­le Unter­stüt­zungs­an­ge­bo­te zur Ver­bes­se­rung der Bil­dungs­teil­ha­be zu schaf­fen. „Bil­dung darf nicht war­ten“ – erin­ner­te GEW-Vor­sit­zen­de Tepe in die­sem Zusam­men­hang. Es dür­fe kei­ne wei­te­re Zeit ver­lo­ren wer­den, um geflüch­te­ten Schüler*innen den Anschluss im neu­en Schul­jahr zu ermög­li­chen. Daher müss­ten in den Som­mer­fe­ri­en nicht nur eine adäqua­te tech­ni­sche Aus­stat­tung zur Ver­fü­gung gestellt und Vor­keh­run­gen für einen even­tu­el­len erneu­ten Lock­down getrof­fen wer­den. Eben­so wich­tig sei­en zusätz­li­che, außer­schu­li­sche För­der- und Lern­an­ge­bo­te, wel­che das digi­ta­le Ler­nen in Will­kom­mens- oder Vor­be­rei­tungs­klas­sen sowie den Über­gang in Regel­klas­sen erleich­tern.

Pres­se­kon­tak­te:

GEW: Mar­lis Tepe, Tel. 069 / 78973 113

Lan­des­flücht­lings­rä­te: www.fluechtlingsrat.de

BumF: info@b‑umf.de

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