26.05.2021

Der dies­jäh­ri­ge Grund­rech­te-Report beschäf­tigt sich schwer­punkt­mä­ßig mit den Grund­rechts­ein­grif­fen wäh­rend der Covid-19-Pan­de­mie. Wie der Bericht zeigt, tref­fen sol­che Ein­schrän­kun­gen beson­ders die schwächs­ten und vul­nera­bels­ten Grup­pen in der Gesellschaft.

Heu­te erscheint der neue Grund­rech­te-Report unter dem Titel „Unglei­che Frei­hei­ten und Rech­te in der Kri­se“. Mit­her­aus­ge­be­rin Sarah Lin­coln, Juris­tin bei der Gesell­schaft für Frei­heits­rech­te, kom­men­tiert für die Redak­ti­on: „Der dies­jäh­ri­ge Grund­rech­te-Report zeigt, wie zahl­reich die Grund­rechts­ver­let­zun­gen und ‑ein­schrän­kun­gen im letz­ten Jahr waren. Mit unse­rem ‚Alter­na­ti­ven Ver­fas­sungs­schutz­be­richt‘ legen wir als Grund- und Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­tio­nen in Deutsch­land den Fin­ger in die Wun­de. Die Bun­des­re­gie­rung muss sich eini­gen Auf­ga­ben stel­len: Von grund­rechts­kon­for­mer Pan­de­mie­be­kämp­fung über Respekt vor digi­ta­ler Pri­vat­sphä­re zu zukunfts­taug­li­chem Kli­ma­schutz und ras­sis­mus­frei­em staat­li­chen Handeln.“

Prof. Dr. Nai­ka Forou­tan, Pro­fes­so­rin für Inte­gra­ti­ons­for­schung und Gesell­schafts­po­li­tik an der Hum­boldt-Uni­ver­si­tät zu Ber­lin, stellt den Grund­rech­te-Report bei der Pres­se­kon­fe­renz vor und resü­miert mit Blick auf die Erfah­run­gen im letz­ten Jahr: „Ein­schrän­kun­gen von Grund­rech­ten tref­fen meist die schwächs­ten und vul­nera­bels­ten Grup­pen in unse­rer Gesell­schaft. Sie kön­nen sich am wenigs­ten dage­gen weh­ren. Unglei­che Rech­te spie­geln daher auch den struk­tu­rel­len Ras­sis­mus in die­sem Land.“

Haft­ähn­li­che Kollektivquarantänen

Dies zeigt sich unter ande­rem an den haft­ähn­li­chen Kol­lek­tiv­qua­ran­tä­nen, die in Sam­mel­un­ter­künf­ten für Geflüch­te­te ver­hängt wur­den. Hier­von berich­tet Kawe Fatehi, der 2019 als kur­di­scher Akti­vist vor poli­ti­scher Ver­fol­gung aus dem Iran nach Deutsch­land flüch­te­te: „Als ich am Mor­gen des 27. März 2020 auf­wach­te, war die Zen­tra­le Auf­nah­me­stel­le für Asyl­be­wer­ber in Hal­ber­stadt von Poli­zis­ten umstellt. Fünf Wochen stan­den wir unter kol­lek­ti­ver Qua­ran­tä­ne, hun­der­te Men­schen auf engem Raum und ohne jeg­li­chen Schutz vor Ket­ten­in­fek­tio­nen. Alle hat­ten Angst – zu Recht, denn auch ich wur­de nach zwei­ein­halb Wochen Qua­ran­tä­ne posi­tiv getestet.“

Das Kon­zept der „Clan­kri­mi­na­li­tät“ wird im dies­jäh­ri­gen Report in einem aus­führ­li­chen Bei­trag kri­tisch beleuch­tet. Wie Moham­med Chah­rour von der Initia­ti­ve „Kein Gene­ral­ver­dacht“ fest­stellt: „Sip­pen­haft und Kol­lek­tiv­schuld blei­ben 2021 Bestand­teil der gesell­schaft­li­chen Rea­li­tät für vie­le Men­schen. Das Ver­spre­chen des Rechts­staats wird bei eth­ni­schen Min­der­hei­ten und sozi­al benach­tei­lig­ten Grup­pen nicht ein­ge­löst: Vor dem Gesetz sind nicht alle gleich.“

Ein­schrän­kun­gen der Versammlungsfreiheit

Neben die­sen The­men beleuch­tet der dies­jäh­ri­ge Grund­rech­te-Report die Ein­schrän­kun­gen der Ver­samm­lungs­frei­heit wäh­rend der Pan­de­mie, die Zumu­tun­gen der Coro­na­kri­se für Beschäf­tig­te im Gesund­heits­sek­tor, die pre­kä­ren Bedin­gun­gen in Schlacht­be­trie­ben und die unglei­chen Aus­wir­kun­gen der Pan­de­mie im Bil­dungs­be­reich. Dane­ben wirft der Report Schlag­lich­ter auf The­men wie digi­ta­le Rech­te und Vor­rats­da­ten­spei­che­rung, die Ver­fas­sungs­be­schwer­den zum Kli­ma­schutz und den „Cum-Ex“-Steuerskandal.

Seit mehr als zwan­zig Jah­ren erscheint der „Grund­rech­te-Report: Zur Lage der Bür­ger-und Men­schen­rech­te in Deutsch­land“. Die 43 Ein­zel­bei­trä­ge im 25. Grund­rech­te-Report wid­men sich aktu­el­len Gefähr­dun­gen der Grund­rech­te und zen­tra­ler Ver­fas­sungs­prin­zi­pi­en anhand kon­kre­ter Fäl­le des Jah­res 2020. Der alter­na­ti­ve Ver­fas­sungs­schutz­be­richt ana­ly­siert und kri­ti­siert Ent­schei­dun­gen von Par­la­men­ten, Behör­den und Gerich­ten, aber auch von Pri­vat­un­ter­neh­men. Der Report wird von zehn Bür­ger­rechts­or­ga­ni­sa­tio­nen herausgegeben.

Grund­rech­te-Report 2021 – Zur Lage der Bür­ger- und Men­schen­rech­te in Deutsch­land. Her­aus­ge­ge­ben von: Ben­ja­min Derin, Jochen Goe­rde­ler, Rolf Göss­ner, Wieb­ke Judith, Hans-Jörg Kreow­ski, Sarah Lin­coln, Paul Nachtw­ey, Brit­ta Rabe, Lea Welsch, Rose­ma­rie Will. Fischer Taschen­buch Ver­lag, Frankfurt/M., Mai 2021, ISBN 978–3‑596–70622‑8, 267 Sei­ten, 12.00 Euro.

Inhalts­ver­zeich­nis: http://www.grundrechte-report.de/2021/inhalt/

Rezen­si­ons­ex­em­pla­re (auch als pdf) zu Pres­se­zwe­cken kön­nen über die Huma­nis­ti­sche Uni­on (HU) bestellt wer­den (service@humanistische-union.de). Für Rück­fra­gen oder Inter­view­wün­sche wen­den Sie sich bit­te an Caro­la Otte unter 030 – 2045 0256 oder info@humanistische-union.de

Bezugsmöglich­kei­ten: Das Buch ist ab sofort über den Buch­han­del oder die Web­sei­te der Her­aus­ge­ber zu bezie­hen (http://www.grundrechte-report.de/quermenue/bestellen/).

Der Grund­rech­te-Report 2021 ist ein gemein­sa­mes Pro­jekt von: Huma­nis­ti­sche Uni­on, ver­ei­nigt mit der Gus­tav Hei­ne­mann-Initia­ti­ve • Bun­des­ar­beits­kreis Kri­ti­scher Jura­grup­pen • Inter­na­tio­na­le Liga für Men­schen­rech­te • Komi­tee für Grund­rech­te und Demo­kra­tie • Neue Rich­ter­ver­ei­ni­gung • PRO ASYL • Repu­bli­ka­ni­scher Anwäl­tin­nen-und Anwäl­te­ver­ein • Ver­ei­ni­gung Demo­kra­ti­scher Juris­tin­nen und Juris­ten • Forum Infor­ma­ti­ke­rIn­nen für Frie­den und gesell­schaft­li­che Ver­ant­wor­tung • Gesell­schaft für Frei­heits­rechte

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