30.06.2022

Ange­sichts der 180 Kilo­me­ter lan­gen Stahl­mau­er, deren Fer­tig­stel­lung der pol­ni­sche Pre­mier­mi­nis­ter Mateusz Mora­wi­ecki heu­te fei­ert, kri­ti­siert PRO ASYL die  wei­te­re sys­te­ma­ti­sche Abschot­tung an Euro­pas Außengrenzen.

Es ist noch kei­ne Woche her, dass Schutz­su­chen­de an den Grenz­mau­ern von Melil­la grau­sam zu Tode kamen. Den­noch inten­si­vie­ren die EU-Mit­glieds­staa­ten den Kampf gegen Schutz­su­chen­de an den Gren­zen immer wei­ter. Heu­te fei­ern der pol­ni­sche Pre­mier­mi­nis­ter Mateusz Mora­wi­ecki und der pol­ni­sche Grenz­schutz die Hoch­si­cher­heits­an­la­ge ent­lang der pol­ni­schen EU-Außen­gren­ze zu Bela­rus. „Die EU-Gren­zen wer­den durch Mau­ern, Zäu­ne und High­tech-Über­wa­chung immer gefähr­li­cher und damit töd­li­cher. Auch hier wer­den wei­ter­hin Men­schen ster­ben“, kri­ti­siert Karl Kopp, Lei­ter der Euro­pa-Abtei­lung von PRO ASYL. Laut Medi­en­be­rich­ten kamen seit Sep­tem­ber 2021 allein an der Gren­ze zwi­schen Polen und Bela­rus min­des­tens 21 Men­schen auf der Flucht ums Leben.

180 Kilo­me­ter lang, 5,5 Meter hoch – nur ein Bau­stein der Abschottung 

Schon Ende August 2021 hat­te Polen mit dem Bau eines 2,5 Meter hohen Sta­chel­draht­zauns ent­lang der 400 Kilo­me­ter lan­gen Gren­ze zu Bela­rus begon­nen. Im Herbst 2021 beschloss das pol­ni­sche Par­la­ment die Auf­rüs­tung der Grenz­an­la­ge: 180 Kilo­me­ter lang, 5,5 Meter hoch aus Stahl, Bewe­gungs­mel­der und Wär­me­bild­ka­me­ras. Bereits im Janu­ar 2022 wur­de mit dem Bau des 353-Mil­lio­nen-Euro Pro­jekts begon­nen, das nun in Rekord­zeit  fer­tig­ge­stellt wurde.

Die Grenz­an­la­ge ist dabei nur ein Bau­stein der Abschot­tung. Zusätz­lich sorg­te Polen zwi­schen­zeit­lich mit Push­backs (völ­ker­rechts­wid­ri­ge Zurück­wei­sun­gen), meh­re­ren Tau­send Soldat*innen sowie weit­rei­chen­den Geset­zes­än­de­run­gen, mit denen  das Land inter­na­tio­na­les Recht bricht, dafür, dass der Zugang zu Schutz in Polen unmög­lich gewor­den ist. Leid­tra­gen­de sind Schutz­su­chen­de unter ande­rem aus dem Irak, aus Syri­en, Afgha­ni­stan und Jemen, die ver­su­chen, über die öst­li­che Rou­te in die EU einzureisen.

Von der EU zurück­ge­wie­sen – Luka­schen­ko ausgeliefert

Weil Polen mit Push­backs, der Mau­er und Geset­zes­än­de­run­gen die Flucht in die EU ver­hin­dert, sind Schutz­su­chen­de dem Unrechts­re­gime des bela­rus­si­schen Macht­ha­bers Luka­schen­ko aus­ge­lie­fert. Gut doku­men­tiert ist die will­kür­li­che und rigo­ro­se Anwen­dung von Gewalt durch bela­rus­si­sche Ein­hei­ten in Fol­ge von Push­backs und ver­wei­ger­ten Grenz­über­trit­ten an der EU-Außengrenze.

Wer es doch über die Gren­ze nach Polen schafft, kommt auto­ma­tisch in Haft. Um die Kapa­zi­tä­ten zu erwei­tern, wur­de die Min­dest­an­for­de­rung an Qua­drat­me­tern pro Per­son von vier auf zwei redu­ziert. Zusätz­lich rich­te­te Polen wei­te­re geschlos­se­ne Lager ein. Alar­miert über die­se Zustän­de zeig­te sich Mit­te Juni 2022 der pol­ni­sche Kom­mis­sar für Men­schen­rech­te, der in einem Bericht auf die Situa­ti­on in Haft eingeht.

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