26.07.2017

PRO ASYL: Enge­re Gren­zen für das Behör­den­han­deln – mehr Klar­heit für betrof­fe­ne Asyl­su­chen­de

In einem zwei­ten Urteil vom heu­ti­gen Tage hat sich der EuGH mit den Fris­ten im Dub­lin-Ver­fah­ren beschäf­tigt und ent­schie­den: Ein Asyl­su­chen­der kann sich vor Gericht dar­auf beru­fen, dass ein Mit­glied­staat, in dem er sich auf­hält, dann für die Prü­fung sei­nes Asyl­an­trags zustän­dig gewor­den ist, wenn die Frist von drei Mona­ten abge­lau­fen ist, inner­halb derer die­ser einen ande­ren Mit­glied­staat um Auf­nah­me ersu­chen konn­te. Die Frist beginnt nicht erst dann zu lau­fen, wenn die Behör­de von einem »förm­li­chen« Asyl­an­trag aus­geht. Der EuGH ent­schied, dass es genügt, dass der zustän­di­gen Behör­de, also etwa dem Bun­des­amt für Migra­ti­on und Flücht­lin­ge, ein Schrift­stück zuge­gan­gen ist, das die Schutz­su­che bestä­tigt.

Mit sei­ner Ent­schei­dung hat der EuGH die sub­jek­ti­ven Rech­te von Asyl­su­chen­den im Rah­men der Dub­lin-Ver­ord­nung bestä­tigt und eini­gen will­kür­li­chen Behör­den­prak­ti­ken einen Rie­gel vor­ge­scho­ben.

Der EuGH hat­te die Rechts­sa­che auch vor dem Hin­ter­grund eines deut­schen Fal­les zu ent­schei­den. Ein im Sep­tem­ber 2015 ein­ge­reis­ter eri­trei­scher Asyl­su­chen­der hat­te bei sei­ner Mel­dung bei einer Behör­de in Bay­ern um Asyl nach­ge­sucht und eine ent­spre­chen­de Beschei­ni­gung erhal­ten. Mit gro­ßer Ver­spä­tung konn­te er am 22. Juli 2016 einen förm­li­chen Asyl­an­trag stel­len. Erst am 19. August 2016 hat­te das Bun­des­amt die ita­lie­ni­schen Behör­den ersucht, den Asyl­su­chen­den gemäß der Dub­lin-III-Ver­ord­nung auf­zu­neh­men und im Novem­ber den Asyl­an­trag wegen der Zustän­dig­keit Ita­li­ens abge­lehnt.

Der EuGH hat nun klar zuguns­ten des Betrof­fe­nen und damit auch gegen die deut­sche Auf­fas­sung ent­schie­den, erst die vom Bun­des­amt als förm­lich ange­se­he­ne Asyl­an­trag­stel­lung löse den Beginn der Frist aus. Das dürf­te für eine nicht gerin­ge Zahl von Asyl­su­chen­den in Deutsch­land bedeut­sam sein. Ins­be­son­de­re in den Jah­ren 2015 und 2016 bestand in vie­len Fäl­len zwi­schen dem Asyl­ge­such, der Aus­stel­lung einer ers­ten Beschei­ni­gung über die Mel­dung als Asyl­su­chen­der bis zur for­mel­len Asyl­an­trag­stel­lung ein lan­ger zeit­li­cher Abstand. Betrof­fe­ne, die bis­her trotz die­ser Tat­sa­chen noch in ein ande­res EU-Land über­stellt wer­den sol­len, dürf­ten nun gute Chan­cen haben, dass über ihren Antrag in Deutsch­land ent­schie­den wer­den muss. Für man­che Betrof­fe­ne gehen sehr lan­ge Hän­ge­par­ti­en damit zu Ende.

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