14.05.2021

Geflüch­te­te wol­len mit ihren Fami­li­en zusam­men­le­ben: PRO ASYL und Part­ner­or­ga­ni­sa­tio­nen bekla­gen jah­re­lan­ge War­te­zei­ten bei der Visa­ver­ga­be und for­dern von der Poli­tik ver­än­der­te Verfahren

Am 15. Mai, dem Inter­na­tio­na­len Tag der Fami­lie, demons­triert die Initia­ti­ve »Fami­li­en­nach­zug Eri­trea« gemein­sam mit PRO ASYL, See­brü­cke und Flücht­lings­rat Ber­lin für die Umset­zung des Rechts auf Fami­li­en­nach­zug. Sie for­dern von Außen­mi­nis­ter Hei­ko Maas: »Been­den Sie die Blo­cka­de des Fami­li­en­nach­zugs durch das Aus­wär­ti­ge Amt. Die­se Poli­tik ist flücht­lings- und fami­li­en­feind­lich. Ermög­li­chen Sie end­lich den Nach­zug der engs­ten Familienangehörigen!«

Vie­le Geflüch­te­te aus Eri­trea sind seit Jah­ren von ihren Fami­li­en getrennt. Das Aus­wär­ti­ge Amt ver­schleppt den Fami­li­en­nach­zug durch aus­ufern­de Büro­kra­tie und teils uner­füll­ba­re Anfor­de­run­gen. Die Geflüch­te­ten, PRO ASYL, See­brü­cke und Flücht­lings­rat for­dern von der Behördenleitung:

1. Digi­ta­le Antrag­stel­lung ermög­li­chen! Maxi­mal sechs Wochen War­te­zeit für die Antragstellung!
2. Schnel­le Bear­bei­tung der Anträ­ge inner­halb von drei Mona­ten sicher­stel­len – wenn nötig direkt durch das Aus­wär­ti­ge Amt in Berlin!
3. Kei­ne For­de­rung zur Vor­la­ge von Doku­men­ten, die nur durch den Kon­takt mit dem Ver­fol­ger­staat erbracht wer­den können!

Die Demons­tra­ti­on beginnt am Sams­tag um 11 Uhr vor dem Aus­wär­ti­gen Amt (Wer­der­scher Markt 1) und endet am Bran­den­bur­ger Tor. Es wird Rede­bei­trä­ge von Betrof­fe­nen geben (auf Deutsch und Tig­ri­nya). Spre­chen wer­den außer­dem Almaz Hai­le für den Flücht­lings­rat Ber­lin, PRO ASYL-Geschäfts­füh­rer Gün­ter Burk­hardt, sowie Vertreter*innen der See­brü­cke und der Orga­ni­sa­ti­on »Equal Rights Bey­ond Bor­ders«. Ab 10:15 Uhr ste­hen die Veranstalter*innen für Gesprä­che, State­ments und Rück­fra­gen zur Verfügung.

Pres­se­kon­takt:

Almaz Hai­le, Initia­ti­ve »Fami­li­en­nach­zug Eri­trea« / Flücht­lings­rat Ber­lin: 0152–14681415

Eli­sa Rhein­hei­mer, PRO ASYL: 069–24231430

Hin­ter­grund:

Wäh­rend Visa­an­trä­ge zum Fami­li­en­nach­zug zu Fach­kräf­ten meist bin­nen weni­ger Wochen bear­bei­tet wer­den, sind Geflüch­te­te aus Eri­trea und ande­ren Län­dern zum Teil mehr als fünf Jah­re von ihren Fami­li­en getrennt. Geflüch­te­ten, die in Deutsch­land einen Schutz­sta­tus erhal­ten, steht der Nach­zug ihrer Ehe­part­ner, min­der­jäh­ri­gen Kin­der oder Eltern (falls der in Deutsch­land Aner­kann­te selbst noch unter 18 ist) recht­lich zu. Doch die War­te­zei­ten allein für den aller­ers­ten Schritt, einen Ter­min zur Bean­tra­gung eines Visums auf Fami­li­en­zu­sam­men­füh­rung, betra­gen in Addis Abe­ba 13 Mona­te, in Khar­tum 10 Mona­te und in Nai­ro­bi 14 Mona­te. (Stand: Febru­ar 2020). Wei­te­re lan­ge Jah­re des War­tens folgen.

Betrof­fen davon sind tau­sen­de Fami­li­en. Auf den War­te­lis­ten für einen Ter­min zur Bean­tra­gung eines Visums auf Fami­li­en­zu­sam­men­füh­rung zu einem in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land aner­kann­ten Flücht­ling sind in Nai­ro­bi 4041 Per­so­nen regis­triert, in Khar­tum 932 Per­so­nen und in Addis Abe­ba 2231 Per­so­nen (Stand: April 2020*). Ins­ge­samt war­ten also mehr als 7000 Men­schen allein aus Ost­afri­ka dar­auf, ihre Män­ner, Frau­en und Kin­der end­lich wie­der in die Arme schlie­ßen zu dürfen.

* Aktu­el­le­re Zah­len lie­gen noch nicht vor. Eine Anfra­ge der Bun­des­tags­frak­ti­on Die Lin­ke zu momen­ta­nen War­te­zei­ten an deut­schen Visa­stel­len wur­de am 6. Mai 2021 gestellt.

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