03.07.2017

PRO ASYL pran­gert men­schen­recht­li­ches Ver­sa­gen an

PRO ASYL kri­ti­siert scharf die gemein­sa­me Erklä­rung der Innen­mi­nis­ter Deutsch­lands, Frank­reichs und Ita­li­ens und des EU-Migra­ti­ons­kom­mis­sars. Sie zielt auf die voll­kom­me­ne Abrie­ge­lung der EU. Statt Unter­stüt­zung für Flücht­lin­ge und Ita­li­en zu ver­ab­re­den,  einigt man sich, die Grenz­ab­wehr wei­ter zu ver­schär­fen. »Sie wol­len die völ­li­ge Sinn­ent­lee­rung des indi­vi­du­el­len Asyl­rechts in der EU. Flücht­lin­ge müs­sen aus See­not geret­tet und in den nächst­ge­le­ge­nen siche­ren Hafen trans­por­tiert wer­den, das ist oft Mal­ta.« for­dert Gün­ter Burk­hardt, Geschäfts­füh­rer  von Pro Asyl. »Von Mal­ta und Ita­li­en aus müss­ten sie in ande­re EU-Staa­ten wei­ter rei­sen dür­fen. Statt­des­sen wird Liby­en im Nor­den und Süden dicht­ge­macht und See­not­ret­tung behin­dert! Die EU-Schif­fe zie­hen sich immer wei­ter ins offe­ne Mit­tel­meer zurück. Nur dank der cou­ra­gier­ten zivil­ge­sell­schaft­li­chen Orga­ni­sa­tio­nen wer­den über­haupt Men­schen­le­ben in jet­zi­gem Umfang geret­tet.« PRO ASYL for­dert, dass Schif­fe der Zivil­ge­sell­schaft aktiv bei der Ret­tung von Men­schen unter­stützt wer­den.

PRO ASYL wirft der EU vor, durch die Koope­ra­ti­on mit der liby­schen Küs­ten­wa­che Bei­hil­fe zum Rechts­bruch zu leis­ten. Anstatt selbst men­schen­rechts­wid­rig nach Liby­en aus­zu­schif­fen, orga­ni­siert Euro­pa, dass die liby­sche Küs­ten­wa­che es tut. Schutz­su­chen­de lan­den in liby­schen Haft­la­gern. In Liby­en dro­hen den Schutz­su­chen­den men­schen­un­wür­di­ge Zustän­de in Lagern, was auch ein Bericht des Aus­wär­ti­gen Amtes bestä­tig­te. Exe­ku­tio­nen, Fol­ter und Ver­ge­wal­ti­gun­gen sei­en dort an der Tages­ord­nung.

Mit euro­päi­schem Geld wird Liby­en in die Lage ver­setzt, den Flucht­weg im Süden ver­sper­ren. Die EU will um jeden Preis und unge­ach­tet der Schutz­be­dürf­tig­keit Flücht­lin­ge fern hal­ten. Ihre Maß­nah­men rich­ten sich auch gegen Men­schen, die aus der eri­trei­schen Mili­tär­dik­ta­tur oder vor den War­lords im zer­fal­le­nen Soma­lia flie­hen. Bei­de Grup­pen haben in Deutsch­land gute Aner­ken­nungs­chan­cen.

Euro­pa einigt sich auf rigi­de Abschot­tung. Ita­li­en und die Flücht­lin­ge wer­den im Stich gelas­sen. Auch Relo­ca­ti­on ist ein unge­eig­ne­tes Instru­ment, um fai­re Asyl­ver­fah­ren für Men­schen aus allen Her­kunfts­län­dern in der EU zu garan­tie­ren. Nur Flücht­lin­ge aus Syri­en, Eri­trea und weni­gen ande­ren Staa­ten fal­len über­haupt unter die Relo­ca­ti­on-Rege­lung. Zudem hält die EU die Zusa­gen nicht ein: Anstatt, wie ver­spro­chen, Ita­li­en durch die Auf­nah­me von 35.000 Men­schen zu ent­las­ten, wur­den nur rund 7.000 umge­sie­delt.

»Die men­schen­un­wür­di­gen Zustän­de in Ita­li­en wer­den sich nun im Lau­fe die­ses Som­mers wei­ter ver­schär­fen.«  befürch­tet Gün­ter Burk­hardt, Geschäfts­füh­rer von PRO ASYL. »Die Ver­zwei­fel­ten wer­den wohl wei­ter­hin ver­su­chen, ein Land zu fin­den, dass sie schützt. Dies alles ist ein men­schen­recht­li­ches und huma­ni­tä­res Ver­sa­gen.«

 

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