16.09.2010

Anläss­lich des bevor­ste­hen­den Welt­kin­der­tags am 20. Sep­tem­ber for­dert PRO ASYL die Bun­des­re­gie­rung und die Frak­tio­nen des Deut­schen Bun­des­ta­ges auf, nach der Rück­nah­me der Vor­be­halts­er­klä­rung zur UN-Kin­der­rechts­kon­ven­ti­on vom 3. Mai 2010 unver­züg­lich gesetz­ge­be­ri­sche Kon­se­quen­zen zu zie­hen und hier leben­den Flücht­lings­kin­dern end­lich die­sel­ben Rech­te zu gewäh­ren wie allen ande­ren Kin­dern auch.

„Flücht­lings­kin­der waren und sind noch immer die ers­ten Opfer einer staat­lich ver­wei­ger­ten Inte­gra­ti­on“, erklär­te PRO ASYL – Vor­stands­mit­glied Hei­ko Kauff­mann. „Inte­gra­ti­on kann aber nur ohne Dis­kri­mi­nie­rung gelin­gen! Eine glaub­wür­di­ge Inte­gra­ti­ons­po­li­tik muss des­halb unwei­ger­lich das Ende der insti­tu­tio­nel­len und gesetz­li­chen Des­in­te­gra­ti­ons­po­li­tik gegen­über Flücht­lings­kin­dern bedeu­ten.“

Kon­kret for­dert PRO ASYL die Ver­an­ke­rung des Kin­des­wohls in allen Kin­der­flücht­lin­ge betref­fen­den gesetz­li­chen und recht­li­chen Rege­lun­gen, bei­spiels­wei­se im Bereich der Kin­der- und Jugend­hil­fe, der Sozi­al­ge­setz­ge­bung, des Auf­ent­halts­ge­set­zes, des Asyl­ver­fah­rens­ge­set­zes und des Asyl­be­wer­ber­leis­tungs­ge­set­zes.  So muss etwa die vor­ge­zo­ge­ne Ver­fah­rens­mün­dig­keit ab einem Alter von 16 Jah­ren, wie sie nach dem Asyl­ver­fah­rens­ge­setz und dem Auf­ent­halts­ge­setz besteht, auf­ge­ho­ben wer­den. Auch die Pra­xis der will­kür­li­chen Alters­schät­zung von Kin­dern, die von Behör­den durch ent­wür­di­gen­de „ Inau­gen­schein­nah­me“  oder durch das umstrit­te­ne Rönt­gen von Hand­wur­zel­kno­chen durch­ge­führt wird, muss recht­lich unter­sagt wer­den. Min­der­jäh­ri­ge brau­chen kind­ge­rech­te Asyl­ver­fah­ren, Zugang zu Schu­le, Aus­bil­dung und gesund­heit­li­cher Ver­sor­gung. Wei­te­rer drin­gen­der Hand­lungs­be­darf besteht u.a. beim Fami­li­en­nach­zug. Abschie­bungs­haft für min­der­jäh­ri­ge Flücht­lin­ge muss ver­bo­ten wer­den.

 „Die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land als Staat mit hohem Men­schen­rechts- und Inte­gra­ti­ons­an­spruch hat nun – im Umgang mit der schutz­be­dürf­tigs­ten Grup­pe von Flücht­lin­gen, den Flücht­lings­kin­dern – zu bewei­sen, wie zivi­li­siert, wie men­schen­rechts–  und inte­gra­ti­ons­freund­lich er wirk­lich ist“, so Kauff­mann.

Kon­takt:

Tel. 069 23 06 95

E-Mail presse@proasyl.de

Hin­weis: Wei­te­re aus­führ­li­che Infor­ma­tio­nen sind in dem heu­te vor­ge­stell­ten Buch von Hei­ko Kauff­mann und Albert Rie­dels­hei­mer (Hrsg.) ent­hal­ten: „Kin­des­wohl oder Aus­gren­zung? Flücht­lings­kin­der in Deutsch­land nach der Rück­nah­me der Vor­be­hal­te“. Rezen­si­ons­ex­em­pla­re kön­nen unter www.vonLoeper.de/fluechtlingskinder ange­for­dert wer­den.

State­ment von Prof. Dr. Klaus J. Bade „Migra­ti­on – Zuflucht – Inte­gra­ti­on: Huma­ni­tät im Schat­ten“ zur Vor­stel­lung des oben genann­ten Buches

Stel­lung­nah­me von Tom Koenigs

Posi­ti­ons­pa­pier „Flücht­lings­kin­der in Deutsch­land. Poli­ti­scher und Gesell­schaft­li­cher Hand­lungs­be­darf in die­ser Legis­la­tur­pe­ri­ode“

 Kin­der­rech­te ernst­neh­men! (15.10.10)

Alle Presse­mitteilungen