16.04.2014

In Han­no­ver soll eine Kin­der­kli­nik Medi­en­be­rich­ten zufol­ge die Asyl­su­chen­de Vida M. mit ihrem einen Monat alten Joshua abge­wie­sen haben, weil die Mut­ter kein Doku­ment vor­le­gen konn­te, das die Über­nah­me der Behand­lungs­kos­ten regelt. Das Baby starb kurz dar­auf. Die Staats­an­walt­schaft ermit­telt.

„Das ist ein wei­te­rer erschüt­tern­der Fall, der zeigt, dass die sys­te­ma­ti­sche Dis­kri­mi­nie­rung von Flücht­lin­gen durch das Asyl­be­wer­ber­leis­tungs­ge­setz die Betrof­fe­nen töd­li­chen Risi­ken aus­setzt“, so Marei Pel­zer, Rechts­po­li­ti­sche Refe­ren­tin von PRO ASYL.

Para­graph 4 des Asyl­be­wer­ber­leis­tungs­ge­set­zes sieht vor, dass Asyl­su­chen­de nur Anspruch auf die Behand­lung aku­ter Erkran­kun­gen und Schmerz­zu­stän­de haben. Häu­fig maßen sich medi­zi­nisch inkom­pe­ten­te Bediens­te­te die Ent­schei­dung an, ob ein dem Gesetz nach „legi­ti­mer“ Behand­lungs­an­spruch besteht.  Ärz­te und Kran­ken­häu­ser sind sich nicht sel­ten unsi­cher, ob die Kos­ten einer Behand­lung auch erstat­tet wer­den. Das führt zu schwe­rer Dis­kri­mi­nie­rung der Betrof­fe­nen im Gesund­heits­we­sen – im jüngs­ten Fall in Han­no­ver mit töd­li­chen Fol­gen.

Erst ges­tern waren Mit­ar­bei­ter der Flücht­lings­un­ter­kunft Zirn­dorf wegen unter­las­se­ner Hil­fe­leis­tung und Kör­per­ver­let­zung durch Unter­las­sung ver­ur­teilt wor­den, weil sie 2011 einem schwer kran­ken Flücht­lings­kind drin­gend not­wen­di­ge Hil­fe ver­sagt hat­ten. Der klei­ne Leo­nar­do Petro­vic über­leb­te – mit schwe­ren blei­ben­den Schä­den. Bun­des­weit lie­gen meh­re­re sol­che Fäl­le vor, in denen Asyl­su­chen­de fast oder voll­ends zu Tode ver­wal­tet wur­den.

Flücht­lin­ge müs­sen drin­gend unbü­ro­kra­ti­schen Zugang zu medi­zi­ni­scher Ver­sor­gung erhal­ten. Die Lan­des­re­gie­rung Bre­men stellt etwa mit einem Ver­trag mit der AOK sicher, dass die Betrof­fe­nen eine Ver­si­cher­ten­kar­te der AOK erhal­ten. Mit einer sol­chen Kar­te wäre Vida M. mit ihrem Baby kaum vom Kin­der­kran­ken­haus abge­wie­sen wor­den.

PRO ASYL for­dert die Abschaf­fung des dis­kri­mi­nie­ren­den Asyl­be­wer­ber­leis­tungs­ge­set­zes.

Zur Pres­se­mit­tei­lung des Flücht­lings­rat Nie­der­sach­sen

PRO ASYL-Pres­se­er­klä­rung zum Fall Leo­nar­do

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