29.01.2019

Bun­des­wei­ter Pro­test gegen die fami­li­en­feind­li­che Flücht­lings­po­li­tik der Bun­des­re­gie­rung – See­ho­fer spielt Geflüch­te­te gegen­ein­an­der aus

Mehr als 50 Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­tio­nen und Flücht­lings­in­itia­ti­ven pro­tes­tie­ren gegen Geset­ze und büro­kra­ti­sche Hür­den, die vie­len Fami­li­en das Recht auf ein Zusam­men­le­ben ver­wei­gern und Flücht­lin­gen ele­men­ta­re Rech­te ver­weh­ren. Die Initia­ti­ve »Fami­li­en­le­ben für Alle!« ruft für das kom­men­de Wochen­en­de bun­des­weit zu Aktio­nen auf.

»Es macht uns wütend, dass die Bun­des­re­gie­rung grund­ge­setz­lich ver­brief­te Rech­te von Flücht­lin­gen miss­ach­tet«, stellt Karim Alwa­si­ti klar. »Wir for­dern ein unein­ge­schränk­tes Recht auf den Schutz der Fami­lie, das Recht auf Asyl und ein Leben ohne Ver­fol­gung im Fami­li­en­ver­band. Wir for­dern Bil­dung für alle, eine Arbeits­er­laub­nis, men­schen­wür­di­ge Unter­künf­te mit Pri­vat­sphä­re und Bewe­gungs­frei­heit«. Alwa­si­ti führt beim Flücht­lings­rat Nie­der­sach­sen für PRO ASYL ein Pro­jekt zur Fami­li­en­zu­sam­men­füh­rung durch.

Mit bun­des­wei­ten Aktio­nen erin­nert die Initia­ti­ve »Fami­li­en­le­ben für Alle!« – gemein­sam mit mehr als 50 wei­te­ren Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­ti­on und Flücht­lings­in­itia­ti­ven – dar­an, dass am 1. Febru­ar vor einem Jahr im Vor­griff auf die Gro­ße Koali­ti­on aus Uni­on und SPD im Bun­des­tag eine fol­gen­rei­che Ent­schei­dung fiel: Der Fami­li­en­nach­zug für die Fami­li­en­an­ge­hö­ri­gen von sub­si­di­är geschütz­ten Geflüch­te­ten wur­de bis zum 1. August 2018 wei­ter ausgesetzt.

Seit 1. August 2018 ist das soge­nann­te Fami­li­en­nach­zugs­re­ge­lungs­ge­setz in Kraft. Aus den Visums­an­trä­gen von Fami­li­en­an­ge­hö­ri­gen von sub­si­di­är Geschütz­ten sol­len 1.000 Per­so­nen pro Monat aus­ge­wählt wer­den, die als »huma­ni­tä­re Fäl­le« ein­rei­sen dür­fen. Aus dem Rechts­an­spruch auf Fami­li­en­zu­sam­men­füh­rung für Flücht­lin­ge wur­de ein will­kür­li­cher Gna­den­akt im Ermes­sen der Behörden.

Die Erfah­run­gen der ver­gan­ge­nen  Mona­te haben gezeigt: Das Antrags­ver­fah­ren ist kom­pli­ziert und die betei­lig­ten Behör­den bear­bei­ten die Anträ­ge der­art lang­sam, dass noch nicht ein­mal das ohne­hin klei­ne Monats­kon­tin­gent ein­rei­sen konn­te. Statt der zuge­sag­ten 5.000 wur­den bis Ende Dezem­ber nur 2.612 Visa aus­ge­ge­ben. Offen­kun­dig ist das Visums­ver­fah­ren vom Bun­des­in­nen­mi­nis­te­ri­um (BMI) büro­kra­tisch über­frach­tet wor­den, um den Fami­li­en­nach­zug wei­ter zu blockieren.

Ver­gan­ge­ne Woche signa­li­sier­te Innen­mi­nis­ter See­ho­fer, dass er bereit sei, über die Über­tra­gung des nicht aus­ge­schöpf­ten Kon­tin­gents auf die kom­men­den Mona­te zu ver­han­deln, wenn sich die Regie­ren­den auf einen »Inter­es­sens­aus­gleich« in ande­ren Berei­chen der Migra­ti­ons­po­li­tik »ver­stän­di­gen« – soll hei­ßen, wenn im Gegen­zug Geset­zes­än­de­run­gen zuge­stimmt wird, durch die Abschie­bun­gen erleich­tert, Abschie­be­haft erwei­tert und Sozi­al­leis­tun­gen wei­ter gekürzt werden.

»Anstatt sei­ne Behör­de recht­zei­tig anzu­wei­sen, gesetz­li­che Vor­ga­ben zu erfül­len, will der Bun­des­in­nen­mi­nis­ter nun die Ein­hal­tung einer gesetz­lich vor­ge­se­he­nen Quo­te von der Zustim­mung zu wei­te­ren Geset­zes­ver­schär­fun­gen abhän­gig machen. Damit sol­len Grup­pen von Geflüch­te­ten gegen­ein­an­der aus­ge­spielt wer­den«, kom­men­tiert Sebas­ti­an Muy, Spre­cher der Initia­ti­ve »Fami­li­en­le­ben für Alle!«. »Aber Grund- und Men­schen­rech­te sind kei­ne Ver­hand­lungs­mas­se. Wir wer­den gemein­sam pro­tes­tie­ren, bis das Recht auf Fami­li­en­le­ben end­lich für alle gilt«.

Den Auf­ruf fin­den Sie hier. 
In die­sen Städ­ten sind Aktio­nen geplant.
Anla­ge: Zwei Fallbeispiele

Kon­takt:

PRO ASYL/
Flücht­lings­rat Niedersachen

Karim Alwasiti
Tel. 0511–98246032 (0173–5141 758)
ka@nds-fluerat.org

Initia­ti­ve »Fami­li­en­le­ben für Alle!«
Sebas­ti­an Muy
Tel. 0151–17565777
presse@familienlebenfueralle.net

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