27.11.2020

Mit einer zwei­tä­gi­gen Kund­ge­bung vom 30.11. bis 01.12.2020 vor dem Bun­des­kanz­ler­amt will die bun­des­wei­te Initia­ti­ve „Fami­li­en­nach­zug Eri­trea“ das Recht auf Fami­li­en­nach­zug für Geflüch­te­te aus Eri­trea ein­for­dern und auf die dra­ma­ti­sche Lage der eri­trei­schen Geflüch­te­ten in den Erst­zu­fluchts­län­dern auf­merk­sam machen, ins­be­son­de­re in der äthio­pi­schen Ver­wal­tungs­re­gi­on Tigray. Dort tobt seit eini­gen Wochen ein blu­ti­ger Bür­ger­krieg. PRO ASYL und die Lan­des­flücht­lings­rä­te unter­stüt­zen die For­de­rung der Geflüch­te­ten nach schnel­len und unbü­ro­kra­ti­schen Visums­ver­fah­ren für den Familiennachzug. 

Eri­trea ist eines der Haupt­her­kunfts­län­der von Asyl­su­chen­den in Deutsch­land, vie­le Eritreer*innen sind als Flücht­lin­ge nach der Gen­fer Kon­ven­ti­on aner­kannt. Der Nach­zug ihrer Fami­li­en bleibt den Geflüch­te­ten jedoch häu­fig ver­wehrt, obwohl sie einen gesetz­li­chen Anspruch dar­auf haben. Die Grün­de dafür sind die äußerst lang­wie­ri­gen und büro­kra­ti­schen Visums­ver­fah­ren bei den deut­schen Aus­lands­ver­tre­tun­gen sowie uner­füll­ba­re Anfor­de­run­gen an die Beschaf­fung von Doku­men­ten zum Nach­weis der Iden­ti­tät und Fami­li­en­bin­dung (vgl. Pres­se­mit­tei­lung 24.09.2020: Fami­li­en­le­ben für Alle – auch für Geflüch­te­te aus Eri­trea!).

Die Ange­hö­ri­gen leben häu­fig unter pre­kä­ren Bedin­gun­gen in den Erst­zu­fluchts­län­dern Äthio­pi­en, Sudan, Kenia und Ugan­da, vie­le von ihnen in der an Eri­trea angren­zen­den äthio­pi­schen Ver­wal­tungs­re­gi­on Tigray. Durch den krie­ge­ri­schen Kon­flikt zwi­schen der äthio­pi­schen Zen­tral­re­gie­rung und der in Tigray regie­ren­den Volks­be­frei­ungs­front TPLF hat sich die Situa­ti­on der Geflüch­te­ten extrem ver­schärft. Tele­fon- und Inter­net­ver­bin­dun­gen sind gekappt, eine Kon­takt­auf­nah­me zu den in Deutsch­land leben­den Ange­hö­ri­gen ist nicht mehr mög­lich. Der Bür­ger­krieg hat bereits hun­der­te Todes­op­fer in der Zivil­be­völ­ke­rung gefor­dert, es gibt Berich­te von regel­rech­ten Mas­sa­kern, tau­sen­de Men­schen sind auf der Flucht. Die in der Initia­ti­ve Fami­li­en­nach­zug Eri­trea orga­ni­sier­ten Geflüch­te­ten sind in größ­ter Sor­ge um das Leben ihrer Angehörigen.

PRO ASYL und Flücht­lings­rä­te for­dern gemein­sam mit der Initia­ti­ve, die inhu­ma­ne Visa­pra­xis in den deut­schen Aus­lands­ver­tre­tun­gen umge­hend zu ändern und sicher­zu­stel­len, dass die auf den Fami­li­en­nach­zug war­ten­den Ange­hö­ri­gen eri­trei­scher Flücht­lin­ge zügig ein­rei­sen kön­nen. Dazu müs­sen die Ver­fah­ren ent­bü­ro­kra­ti­siert und beschleu­nigt und alter­na­ti­ve Nach­wei­se für Iden­ti­tät und Fami­li­en­bin­dung aner­kannt wer­den. Dies gilt beson­ders, aber nicht nur, für die von dem Bür­ger­krieg in Äthio­pi­en betrof­fe­nen Menschen.

In der Initia­ti­ve Fami­li­en­nach­zug Eri­trea haben sich mehr als 1.000 eri­trei­sche Geflüch­te­te aus dem gan­zen Bun­des­ge­biet zusam­men­ge­schlos­sen und bis­her zwei Demons­tra­tio­nen in Ber­lin orga­ni­siert am 13.07.2020 und 26.09.2020.

Kund­ge­bung „Fami­li­en­nach­zug jetzt!“ der Initia­ti­ve Fami­li­en­nach­zug Eritrea
Mon­tag, 30.11.2020, 09.00 Uhr bis Diens­tag, 01.12.2020, 18.00 Uhr
Platz vor dem Bun­des­kanz­ler­amt, Wil­ly-Brandt-Stra­ße 1, 10557 Berlin

Pres­se­kon­tak­te:

Flücht­lings­rat Ber­lin: 030/244 76 311, buero@fluechtlingsrat-berlin.de

PRO ASYL: 069/242 314 30, presse@proasyl.de

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