24.09.2020

Bun­des­wei­te Demons­tra­ti­on am 26. Sep­tem­ber 2020 in Ber­lin

Die Initia­ti­ve »Fami­li­en­nach­zug Eri­trea« ruft auf zu einer bun­des­wei­ten Demons­tra­ti­on am 26. Sep­tem­ber 2020 in Ber­lin, um gegen die Aus­höh­lung des Rechts auf Fami­li­en­nach­zug durch die deut­schen Behör­den zu pro­tes­tie­ren. Die Geflüch­te­ten for­dern: Ver­kür­zung von War­te­zei­ten und schnel­le Bear­bei­tung von Anträ­gen auf Fami­li­en­nach­zug sowie Aner­ken­nung indi­vi­du­el­ler Bele­ge für fami­liä­re Bin­dun­gen. PRO ASYL und die Lan­des­flücht­lings­rä­te unter­stüt­zen die For­de­rung.

Durch unzu­mut­ba­re und teils uner­füll­ba­re Anfor­de­run­gen des Aus­wär­ti­gen Amtes (AA) an vor­zu­le­gen­den Doku­men­ten wird sys­te­ma­tisch der Fami­li­en­nach­zug zu eri­trei­schen Flücht­lin­gen ver­hin­dert. Die Fami­li­en war­ten erst mona­te­lang auf einen Ter­min für die Bean­tra­gung eines Visums bei den deut­schen Bot­schaf­ten und dann auf die Bear­bei­tung ihrer Anträ­ge (vgl. Bun­des­tags­druck­sa­che 19/19355) Sie ver­zwei­feln schließ­lich an den Hür­den, die ihnen die Aus­lands­ver­tre­tun­gen in den Weg legen beim Nach­weis der Fami­li­en­bin­dung und Iden­ti­tät.

Der Schutz von Ehe und Fami­lie ist das Recht eines jeden Men­schen. Er ist ver­an­kert in der all­ge­mei­nen Erklä­rung der Men­schen­rech­te, der Euro­päi­schen Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on, der EU-Grund­rech­te­char­ta und im Grund­ge­setz. Aner­kann­te Flücht­lin­ge haben einen Rechts­an­spruch auf Nach­zug ihrer Fami­li­en nach der EU-Fami­li­en­zu­sam­men­füh­rungs­richt­li­nie (FamRL 2003/86/EG). Trotz des hohen Rangs des Schut­zes von Ehe und Fami­lie wird der Nach­zug von Ehepartner*innen, Geschwis­tern und mind. Kin­dern zu in Deutsch­land als Flücht­lin­ge aner­kann­te Eritreer*innen von deut­schen Behör­den mas­siv unter­lau­fen.

Pro­ble­me gibt es ins­be­son­de­re bei der Aner­ken­nung von Ehe­schlie­ßun­gen und Vater­schaf­ten als Vor­aus­set­zung für den Nach­zug. So for­dert das AA expli­zit von den in Deutsch­land als Flücht­ling aner­kann­ten Men­schen, dass sie sich für die Doku­men­ten­be­schaf­fung an die eri­trei­schen Aus­lands­ver­tre­tun­gen in Deutsch­land wen­den, zum Bei­spiel für die Nach­re­gis­trie­rung einer reli­gi­ös geschlos­se­nen Ehe.

Es ist jedoch unzu­mut­bar, dass ein aner­kann­ter Flücht­ling Kon­takt auf­neh­men soll mit der Ver­tre­tung genau jenes Lan­des, aus dem er oder sie aus Furcht vor staat­li­chen Ver­fol­gung geflo­hen ist. Vie­le befürch­ten Repres­sa­li­en für in Eri­trea ver­blie­be­ne Ange­hö­ri­ge, wenn sie sich gegen­über den eri­trei­schen Behör­den als ins Aus­land geflo­he­ne Eritreer*innen zu erken­nen geben. Hin­zu kommt, dass die eri­trei­schen Aus­lands­ver­tre­tun­gen von hier leben­den Eritreer*innen dau­er­haft eine soge­nann­te Auf­bau­steu­er in Höhe von zwei Pro­zent ihres Ein­kom­mens for­dern, wenn sie kon­su­la­ri­sche Diens­te in Anspruch neh­men wol­len. Außer­dem müs­sen sie mit einer »Reue­er­klä­rung« jeg­li­che Stra­fe für ihre Flucht und den Ent­zug aus dem Wehr­dienst akzep­tie­ren. 

»Es kann nicht sein, dass uns der uns Schutz gewäh­ren­de deut­sche Staat auf­for­dert, unse­ren Ver­fol­ger­staat zu kon­tak­tie­ren, ihm zu erlau­ben, uns zu demü­ti­gen und zuzu­las­sen, dass wir gezwun­gen wer­den, die­se Dik­ta­tur auch noch finan­zi­ell zu unter­stüt­zen,« heißt es in einem Brief der Initia­ti­ve »Fami­li­en­nach­zug Eri­trea« an das AA.

Ent­ge­gen der kla­ren Vor­ga­ben der EU-Fami­li­en­zu­sam­men­füh­rungs­richt­li­nie akzep­tie­ren die deut­schen Aus­lands­ver­tre­tun­gen alter­na­ti­ve Wege der Glaub­haft­ma­chung fami­liä­rer Bin­dun­gen z.B. durch Pri­vat­do­ku­men­te, Fami­li­en­fo­tos oder ver­gleich­ba­re Nach­wei­se in der Regel nicht. Auch ein DNA-Test reicht den deut­schen Aus­lands­ver­tre­tun­gen als Nach­weis der Eltern­schaft nicht aus.

»Das Aus­wär­ti­ge Amt lässt ein kolo­nia­les Den­ken erken­nen, wenn es deut­sche Maß­stä­be anlegt an eri­trei­sche Hei­rats- und Tau­fur­kun­den und dabei die Rea­li­tät in Eri­trea kom­plett igno­riert. Tau­fen, Ehe­schlie­ßun­gen, Todes­fäl­le wer­den in Eri­trea in der Mehr­heit der Fäl­le nicht regis­triert, den­noch ist z.B. eine nur reli­gi­ös geschlos­se­ne Ehe auch ohne offi­zi­el­le Aner­ken­nung gül­tig,« sagt Almaz Hai­le, Mit­ar­bei­te­rin des Flücht­lings­rat Ber­lin.

Gün­ter Burk­hardt, Geschäfts­füh­rer von PRO ASYL ergänzt: »Die restrik­ti­ven Vor­ga­ben des Aus­wär­ti­gen Amtes füh­ren dazu, dass Kin­der ohne Eltern auf­wach­sen, Ehen in die Brü­che gehen und in Deutsch­land leben­de Geflüch­te­te an der Fami­li­en­tren­nung zer­bre­chen. Wir  for­dern das Aus­wär­ti­ge Amt auf, die fami­li­en­feind­li­che Pra­xis in den deut­schen Aus­lands­ver­tre­tun­gen sofort zu ändern«.

An einer ers­ten Demons­tra­ti­on der Initia­ti­ve »Fami­li­en­nach­zug Eri­trea« am 13. Juli 2020 haben sich mehr als 1.000 Eritreer*innen betei­ligt. Auf den Nach­zug ihrer Fami­li­en und eine Ant­wort auf ihren Brief, den sie bei der Demons­tra­ti­on einem Ver­tre­ter des Aus­wär­ti­gen Amtes über­ge­ben haben, war­ten die Men­schen noch immer.

Alle Details zur Demons­tra­ti­on gibt es hier: https://fluechtlingsrat-berlin.de/news_termine/26–09-2020-auch-gefluechtete-haben-ein-recht-auf-familie/

 

 

 

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