19.05.2017

PRO ASYL zur neu­en Begren­zung der Fami­li­en­zu­sam­men­füh­rung aus Grie­chen­land durch das BMI

Die Ein­füh­rung einer Ober­gren­ze für den Nach­zug von Fami­li­en­an­ge­hö­ri­gen aus Grie­chen­land nach Deutsch­land stößt bei PRO ASYL auf Empö­rung. »Die Kon­tin­gen­tie­rung auf 70 Per­so­nen pro Monat ist will­kür­lich und rechts­wid­rig,« kri­ti­siert Gün­ter Burk­hardt, Geschäfts­füh­rer von PRO ASYL. Damit wird eine der letz­ten lega­len Mög­lich­kei­ten, aus Grie­chen­land nach Deutsch­land zu rei­sen, auf eine lächer­lich klei­ne Zahl gede­ckelt. Die Fol­ge kann sein, dass Fami­li­en auf ille­ga­le Wege gedrängt wer­den.

Die in Grie­chen­land Gestran­de­ten müs­sen durch meh­re­re Nadel­öh­re. Das Ers­te ist die Stel­lung eines Asyl­an­trags in Grie­chen­land: Nur wenn die­ser gestellt ist, kann eine Fami­li­en­zu­sam­men­füh­rung im Rah­men der Dub­lin-III-Ver­ord­nung bean­tragt wer­den. Die Bear­bei­tung durch grie­chi­sche und deut­sche Behör­den dau­ert jedoch Mona­te. Die mona­te­lan­ge Tren­nung zer­stört Fami­li­en, die auf der Flucht Tra­gi­sches erlebt haben. Das Bun­des­in­nen­mi­nis­te­ri­um führt nun ein zwei­tes Nadel­öhr ein: die Ober­gren­ze von 70 pro Monat ab 1. April für Fami­li­en­zu­sam­men­füh­run­gen im Rah­men der Dub­lin-III-Ver­ord­nung.

In einer Ant­wort des BMI vom 8. Mai 2017 zur schrift­li­chen Anfra­ge der LINKEN heißt es: »Der Bun­des­mi­nis­ter des Innern hat […] sei­nen grie­chi­schen Amts­kol­le­gen bei bei­den Ver­fah­ren [Relo­ca­ti­on und Dub­lin-Über­stel­lun­gen] um eine enge­re Abstim­mung in Bezug auf die Durch­füh­rung der Dub­lin- und Umsied­lungs­ver­fah­ren und die Anzahl der zu über­stel­len­den Per­so­nen zwi­schen den betei­lig­ten Behör­den gebe­ten. Hier­durch soll ins­be­son­de­re den beson­de­ren Umstän­den jedes Antrag­stel­lers sowie den sich bereits im Bun­des­ge­biet auf­häl­ti­gen Fami­li­en­an­ge­hö­ri­gen ange­sichts der teil­wei­se begrenz­ten Betreu­ungs- und Unter­brin­gungs­ka­pa­zi­tä­ten Rech­nung getra­gen wer­den. Bei die­ser Abstim­mung sol­len auch mög­li­che Ver­fris­tun­gen für die Dub­lin-Über­stel­lun­gen mit berück­sich­tigt wer­den.«

Im Gesamt­jahr 2016 gab es 3.179 Über­nah­me­ersu­chen aus Grie­chen­land, 2.483 Zustim­mun­gen zur Über­nah­me durch das BAMF, aber nur 739 tat­säch­li­che Über­stel­lun­gen im Rah­men der Fami­li­en­zu­sam­men­füh­rung (sie­he BT-Druck­sa­che 18/11262, Sei­te 50). Im April 2017 wur­den der grie­chi­schen Zei­tung Efi­me­r­i­da ton Syn­takt­on zufol­ge gera­de mal 70 Ange­hö­ri­ge aus Grie­chen­land nach Deutsch­land über­stellt, im Ver­gleich zu 540 im März und 370 im Febru­ar.

Tau­sen­de Ange­hö­ri­ge von in Deutsch­land leben­den Flücht­lin­gen und Asyl­su­chen­den – Frau­en und Kin­der, aber auch unbe­glei­te­te Min­der­jäh­ri­ge – har­ren in Grie­chen­land unter pre­kä­ren Umstän­den aus und war­ten auf die Fami­li­en­zu­sam­men­füh­rung. Bis­lang soll­ten Fami­li­en­zu­sam­men­füh­run­gen aus Grie­chen­land frist­ge­recht inner­halb von sechs Mona­ten durch­ge­führt wer­den – von der Zustim­mung Deutsch­lands zur Über­nah­me bis zur tat­säch­li­chen Über­stel­lung. Eine Ver­fris­tung führt nicht nur zu unmensch­li­chen Här­ten, son­dern auch zu einer recht­li­chen Unsi­cher­heit. PRO ASYL for­dert das BMI auf, klar­zu­stel­len, was die Rechts­la­ge nach Ablauf der sechs­mo­na­ti­gen Frist ist. Mög­li­cher­wei­se führt die Ver­fris­tung dazu, dass die Fami­li­en dau­er­haft getrennt blei­ben.

In der oben genann­ten Ant­wort ver­mischt das BMI die poli­tisch beschlos­se­ne Ver­tei­lung von Flücht­lin­gen aus Grie­chen­land auf ande­re EU-Staa­ten mit dem indi­vi­du­el­len Rechts­an­spruch auf Fami­li­en­zu­sam­men­füh­rung nach der Dub­lin-III-Ver­ord­nung. In Deutsch­land ste­hen Unter­künf­te leer, in Grie­chen­land ent­ste­hen Lager der Hoff­nungs- und Per­spek­tiv­lo­sig­keit. PRO ASYL for­dert die Bun­des­re­gie­rung auf, gel­ten­des EU-Recht zu ach­ten und den Rechts­an­spruch auf Fami­li­en­zu­sam­men­füh­rung zeit­nah zu gewähr­leis­ten.

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