20.10.2016

PRO ASYL: EU betreibt Aus­la­ge­rungs- und Abschie­bungs­po­li­tik in neo­ko­lo­nia­ler Manier

Das Tref­fen der Staats- und Regie­rungs­chef der EU droht aus Sicht von PRO ASYL ein Abschot­tungs­gip­fel zu wer­den. Men­schen­recht­lich begrün­de­te Tabus schei­nen sich für die Euro­päi­sche Uni­on erle­digt zu haben. Sie fädelt einen Flücht­lings­be­kämp­fungs­de­al nach dem ande­ren ein.

In einem PRO ASYL vor­lie­gen­den Beschluss­ent­wurf des Euro­päi­schen Rates wird gefor­dert, nach der Schlie­ßung der Flucht­rou­te über die Ägä­is nun­mehr auch die »Mit­tel­meer­rou­te« dicht zu machen. Die EU for­dert »wei­te­re Anstren­gun­gen zur Rück­füh­rung von Per­so­nen von den grie­chi­schen Inseln in die Tür­kei«. EU-Gel­der wer­den nur noch bei Wohl­ver­hal­ten, bei der Flucht- und Migra­ti­ons­ver­hin­de­rung und bei der Rück­nah­me von Flücht­lin­gen und Migran­ten gewährt.

Unter dem freund­li­chen Label »Migra­ti­ons­part­ner­schaf­ten« ver­birgt sich eine neo­ko­lo­nia­le Atti­tü­de der EU. Die EU droht unver­blümt den Tran­sit- und Her­kunfts­staa­ten. Im Ent­wurf heißt es, der Rat for­de­re, »unter Ein­satz aller ein­schlä­gi­gen – auch ent­wick­lungs- und han­dels­po­li­ti­schen – Maß­nah­men, Instru­men­te und Hilfs­mit­tel der EU die erfor­der­li­che Hebel­wir­kung zu erzeu­gen und zu nut­zen.«

Was unter dem Slo­gan der »Bekämp­fung von Flucht­ur­sa­chen« einen huma­ni­tä­ren Anstrich bekom­men soll, ist de fac­to ein wei­ter­ent­wi­ckel­tes Con­tain­ment-Pro­gramm. Schutz­su­chen­de sol­len fest­ge­setzt und an der Wei­ter­flucht gehin­dert wer­den. Sie sol­len dort blei­ben, wo bereits 90 Pro­zent aller Flücht­lin­ge leben, häu­fig nur noch vege­tie­ren – in der unmit­tel­ba­ren Her­kunfts­re­gi­on. Men­schen- und Flücht­lings­rech­te spie­len bei die­sem EU-Ansatz kei­ne Rol­le. Aus der häu­fig geprie­se­nen not­wen­di­gen Kohä­renz von Außen­po­li­tik-, Ent­wick­lungs- und Innen­po­li­tik soll nun­mehr eine kohä­ren­te, kol­lek­ti­ve Schutz­ver­wei­ge­rungs- und Abschot­tungs­po­li­tik wer­den.

Deutsch­land ist wie­der ein zen­tra­ler Motor die­ser Flücht­lings­be­kämp­fungs­po­li­tik: Der so genann­te Tür­kei-Deal soll ver­schärft umge­setzt wer­den und vor allem als Blau­pau­se die­nen. Sol­che Deals bzw. »Migra­ti­ons­pak­te« wer­den mit Jor­da­ni­en und dem Liba­non geschlos­sen, außer­dem mit den afri­ka­ni­schen Staa­ten Niger, Nige­ria, Sene­gal, Mali und Äthio­pi­en. Die EU-Kom­mis­si­on will dar­über hin­aus das Enga­ge­ment gegen­über Tune­si­en und Liby­en ver­stär­ken. Prü­fen will die EU-Außen­be­auf­trag­te Fede­ri­ca Mog­heri­ni auch Abkom­men mit Afgha­ni­stan, Paki­stan oder Ban­gla­desch. Mit Ägyp­ten gebe es lau­fen­de Gesprä­che.

Gemes­sen wer­den die neu­en Part­ner­schaf­ten am Ende an der Zahl der Rück­füh­run­gen. Hat­te Mer­kel jüngst von einer »natio­na­len Kraft­an­stren­gung« in Sachen Abschie­bung gespro­chen, so geht es beim Tref­fen der Staats- und Regie­rungs­chefs der EU um »kon­kre­te und mess­ba­re Ergeb­nis­se bei der zügi­gen ope­ra­ti­ven Rück­füh­rung irre­gu­lä­rer Migran­ten«.

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