25.06.2015

Anläss­lich des Gip­fels der EU-Staats- und Regie­rungs­chefs vom 25./26. Juni 2015 warnt PRO ASYL vor einem Zer­fall Euro­pas. PRO ASYL for­dert neben der Finanz­kri­se die huma­ni­tä­re Flücht­lings­kri­se mit ins Zen­trum der Bera­tun­gen zu rücken. „Euro­pa darf kein Euro­pa der Zäu­ne wer­den, wo jeder Staat ver­sucht, die Ver­ant­wor­tung für Flücht­lin­ge abzu­schie­ben“, so Gün­ter Burk­hardt, Geschäfts­füh­rer von PRO ASYL.

PRO ASYL appel­liert an die Bun­des­kanz­le­rin, ein men­schen­recht­lich moti­vier­tes Hilfs­pa­ket in den EU-Grenz­staa­ten auf den Weg zu brin­gen. Dazu gehö­ren die Sofort­hil­fe (Nah­rung, Klei­dung, medi­zi­ni­sche Ver­sor­gung) sowie die Mög­lich­keit aus­zu­rei­sen und in einem ande­ren EU-Staat einen Antrag auf Schutz zu stel­len. Das kri­sen­ge­schüt­tel­te Grie­chen­land ist in keins­ter Wei­se in der Lage, den ankom­men­den Flücht­lin­gen Schutz und Lebens­per­spek­ti­ve zu bie­ten.

Gegen­wär­tig flie­hen tau­sen­de Syrer und Afgha­nen über Grie­chen­land, Ungarn, Bul­ga­ri­en nach Zen­tral­eu­ro­pa. Deutsch­land hat eine beson­de­re Ver­ant­wor­tung, da hier euro­pa­weit die größ­ten Com­mu­nities von Flücht­lings­grup­pen aus Syri­en (130.000), Irak (90.000), Afgha­ni­stan (70.000) leben. Flücht­lin­ge wol­len dort­hin, wo Fami­li­en­an­ge­hö­ri­ge leben und Anschluss an eine Com­mu­ni­ty besteht. Anstatt hart­nä­ckig am Dub­lin-Sys­tem fest­zu­hal­ten, das die Ver­ant­wor­tung für den Flücht­lings­schutz auf die Grenz­staa­ten abschiebt, muss von der Bun­des­re­gie­rung der Reform­im­puls zur Ret­tung der Flücht­lin­ge und Euro­pas aus­ge­hen. „Mit dem Fest­hal­ten am Dub­lin-Sys­tem treibt Deutsch­land ande­re EU-Staa­ten zu men­schen­rechts- und euro­pa­rechts­wid­ri­gem Han­deln“, ana­ly­siert Gün­ter Burk­hardt. Erst letz­te Woche ver­kün­de­te die unga­ri­sche Regie­rung, einen vier Meter hohen Zaun ent­lang der unga­risch-ser­bi­schen Gren­ze zu errich­ten, Bul­ga­ri­en ver­län­gert den Zaun zur Tür­kei, der Grenz­zaun im Evros-Gebiet an der grie­chisch-tür­ki­schen Land­gren­ze treibt Schutz­su­chen­de auf die gefähr­li­che Ägä­is-Rou­te. Das Aus­set­zen der Asyl­ver­fah­ren in Öster­reich und die For­de­rung nach der Wie­der­ein­füh­rung der Grenz­kon­trol­len inner­halb der EU zei­gen das Aus­maß der feh­len­den Soli­da­ri­tät.

Die Vor­schlä­ge der EU-Kom­mis­si­on wie der Mit­glied­staa­ten sind rea­li­täts­fern und von Kalt­her­zig­keit geprägt. Die EU-Staa­ten leis­ten sich seit Wochen eine absur­de Debat­te über Quo­ten­mo­del­le, die selbst bei Rea­li­sie­rung in keins­ter Wei­se den Not­stand behe­ben und den berech­tig­ten Inter­es­sen von Flücht­lin­gen gerecht wer­den wür­den. Ange­sichts der mar­gi­na­len Zah­len (in zwei Jah­ren sol­len 40.000 Flücht­lin­ge aus Grie­chen­land und Ita­li­en umver­teilt wer­den) wirft PRO ASYL den EU-Staa­ten einen Ver­rat an Euro­pas Wer­ten vor, der zum Zer­fall füh­ren kön­ne.

Auch im Innern Euro­pas wer­den Zwangs­maß­nah­men ver­stärkt. Der Euro­päi­sche Rat ver­weist auf Vor­schlä­ge des EU-Kom­mis­sars für Inne­res und Migra­ti­on, Dimi­tris Avra­mo­pou­los: Zur Durch­set­zung von Abschie­bun­gen in „Aus­nah­me­fäl­len“ von gel­ten­den EU-Stan­dards zur Inhaf­tie­rung von Schutz­su­chen­den und Migran­tIn­nen abzu­se­hen. Die­se beinhal­ten: Inhaf­tie­rung in beson­de­ren Ein­rich­tun­gen, getrenn­te Inhaf­tie­rung von Fami­li­en und die regel­mä­ßi­ge gericht­li­che Über­prü­fung der Haft. Die Anwen­dung von Zwang bei der Regis­trie­rung von Fin­ger­ab­drü­cken wur­de erst kürz­lich in einem Doku­ment der EU-Kom­mis­si­on expli­zit als Opti­on benannt. Eine wei­te­re skan­dal­träch­ti­ge Maß­nah­me, die auf EU-Ebe­ne auf Zustim­mung zu sto­ßen scheint.

Der Ent­wurf der Schluss­fol­ge­run­gen des Euro­päi­schen Rates lässt befürch­ten: Die EU-Mit­glied­staa­ten ver­har­ren in natio­nal­staat­li­chen Ego­is­men, wäh­rend huma­ni­tä­re Sofort­hil­fe und die Mög­lich­keit für Flücht­lin­ge zur Wei­ter­rei­se in ande­re EU-Staa­ten drin­gend gebo­ten sind.

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