23.10.2013

Vor dem mor­gen begin­nen­den EU-Gip­fel in Brüs­sel zeich­net sich ab, dass Regie­run­gen der EU-Staa­ten auch nach den Kata­stro­phen vor Lam­pe­du­sa die bis­he­ri­ge Abschot­tungs­po­li­tik wei­ter per­fek­tio­nie­ren wol­len. „Vor die­sem Hin­ter­grund sind die zu erwar­ten­den Betrof­fen­heits­er­klä­run­gen abso­lut unglaub­wür­dig“, so Gün­ter Burk­hardt, Geschäfts­füh­rer von PRO ASYL.

PRO ASYL appel­liert an die Staats- und Regie­rungs­chefs der EU, die fal­sche Wei­chen­stel­lung der EU-Innen­mi­nis­ter zu kor­ri­gie­ren. Die­se wol­len Fron­tex wei­ter aus­bau­en, die Grenz­über­wa­chung per­fek­tio­nie­ren und Tran­sit­staa­ten wie sogar Her­kunfts­staa­ten in die Abwehr von Flücht­lin­gen ein­bin­den. Im Ent­wurf der Abschluss­erklä­rung heißt es, exis­tie­ren­de Maß­nah­men soll­ten effek­ti­ver genutzt wer­den, „ins­be­son­de­re in Hin­blick auf Koope­ra­tio­nen mit den Her­kunfts- und Tran­sit­staa­ten, Akti­vi­tä­ten von Fron­tex und den Kampf gegen Schleu­sung und Menschenhandel“.

Die geplan­ten Maß­nah­men wer­den das Ster­ben von Flücht­lin­gen an Euro­pas Gren­zen nicht been­den und die schwe­ren Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen, die Men­schen auf der Flucht Rich­tung Euro­pa erlei­den, nicht auf­hal­ten, son­dern wei­ter befördern:

- Durch die Per­fek­tio­nie­rung von Abschot­tungs­maß­nah­men wer­den Flucht­rou­ten immer län­ger und gefähr­li­cher. So hat etwa bereits die im letz­ten Jahr erfolg­te Abrie­ge­lung der tür­kisch-grie­chi­schen Land­gren­ze durch Fron­tex und den grie­chi­schen Grenz­schutz zu einer deut­li­chen Ver­la­ge­rung von Flucht­rou­ten auf das Mit­tel­meer geführt.

- „Koope­ra­ti­on mit Tran­sit­staa­ten“ heißt in der Pra­xis, dass nord­afri­ka­ni­sche Staa­ten wie Liby­en und Ägyp­ten trotz ihrer poli­tisch insta­bi­len Lage, der äußerst pro­ble­ma­ti­schen Men­schen­rechts­si­tua­ti­on und der fort­ge­setz­ten Miss­ach­tung von Flücht­lings­rech­ten dazu ange­hal­ten wer­den, Schutz­su­chen­de von der Flucht nach Euro­pa abzu­hal­ten. Der Unter­gang eines Flüch­lings­schiffs vor Lam­pe­du­sa am 11. Okto­ber wur­de Berich­ten nach dadurch ver­ur­sacht, dass liby­sche Sicher­heits­kräf­te das Schiff beschos­sen, um es auf­zu­hal­ten. (Quel­le)

- Die geplan­te „Koope­ra­ti­on mit Her­kunfts­staa­ten“ müss­te in der Pra­xis bedeu­ten, dass die Euro­päi­sche Uni­on unter ande­ren mit dem syri­schen Assad-Regime, mit dem eri­trei­schen Dik­ta­tor Isayas Afe­werki und soma­li­schen War­lords in Ver­hand­lun­gen tritt. Nach Anga­ben des ita­lie­ni­schen Innen­mi­nis­te­ri­ums mach­ten unter den rund 25.000 Schutz­su­chen­den, die Ita­li­en in 2013 mit dem Boot erreich­ten, syri­sche Flücht­lin­ge die größ­te Grup­pe aus, (9.805) gefolgt von eri­trei­schen (8.843) und soma­li­schen Schutz­su­chen­den (3.140). (Quel­le)

PRO ASYL for­dert die Staats und Regie­rungs­chefs der EU sowie ins­be­son­de­re Bun­des­kanz­le­rin Mer­kel auf, sich für ein Ende der töd­li­chen Abschot­tungs­po­li­tik ein­zu­set­zen und end­lich effek­ti­ve Maß­nah­men zur Ret­tung von Men­schen­le­ben und zur Wah­rung der Men­schen­rech­te von Schutz­su­chen­den zu ergreifen:

- Nur lega­le Flucht­we­ge kön­nen das Mas­sen­ster­ben been­den. Euro­pa muss gefah­ren­freie Wege für Flücht­lin­ge eröff­nen. Es müs­sen umfas­sen­de Pro­gram­me zur Flücht­lings­auf­nah­me geschaf­fen wer­den. Men­schen, die zum Bei­spiel vor dem syri­schen Bür­ger­krieg flie­hen, müs­sen Visa zur lega­len Ein­rei­se erhal­ten. Schutz­su­chen­de haben das Recht auf men­schen­wür­di­ge Auf­nah­me und fai­re Asyl­ver­fah­ren. Es darf kei­ne Zurück­wei­sun­gen von Flücht­lin­gen an den Gren­zen geben.

- Die EU braucht drin­gend ein funk­tio­nie­ren­des See­not­ret­tungs­sys­tem. Sie muss all ihre Mög­lich­kei­ten nut­zen, um Men­schen­le­ben zu ret­ten. Geret­te­te Schutz­su­chen­de müs­sen in einen siche­ren euro­päi­schen Hafen gebracht wer­den. Fron­tex und Euro­sur, die das Ziel haben, so genann­te „ille­ga­le Ein­rei­sen“ zu ver­hin­dern, sind dazu nicht geeignet.

- Das EU-Asyl­sys­tem muss grund­le­gend geän­dert wer­den. Die bis­he­ri­ge Dub­lin-Rege­lung schiebt die Ver­ant­wor­tung für Flücht­lin­ge auf EU-Rand­staa­ten ab, die die­ser nicht nach­kom­men. Ver­wei­ger­te See­not­ret­tung, ille­ga­le Push-Back-Ope­ra­tio­nen, die Inhaf­tie­rung von Asyl­su­chen­den, unfai­re Asyl­ver­fah­ren und das bedrü­cken­de Flücht­lings­elend in vie­len EU-Staa­ten zei­gen, dass das bis­he­ri­ge Sys­tem die Men­schen­rech­te ver­letzt und ver­sagt hat. Euro­pa braucht eine soli­da­ri­sche Auf­nah­me­re­ge­lung, die die Bedürfnisse der Schutz­su­chen­den in den Mit­tel­punkt stellt.

PRO ASYL rich­tet die­se For­de­run­gen mit einer E‑Mail-Akti­on an die Bun­des­kanz­le­rin und bit­tet sie, alles zu tun, was in ihrer Macht steht, um das Ster­ben an den euro­päi­schen Außen­gren­zen zu beenden.

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