26.06.2015

Als „fau­len Kom­pro­miss auf Kos­ten der Flücht­lin­ge“ bezeich­net PRO ASYL Geschäfts­füh­rer Gün­ter Burk­hardt die Beschlüs­se des EU Gip­fel­tref­fens, wie sie in einer Mit­tei­lung von Rats­prä­si­dent Donald Tusk zusam­men­ge­fasst wer­den.

Ange­sichts der aku­ten huma­ni­tä­ren Kri­se in Staa­ten wie Grie­chen­land und Ita­li­en sind sie völ­lig unzu­rei­chend. So hat die EU bis­lang nur zuge­sagt, im Ver­lauf der nächs­ten zwei Jah­re 40.000 Men­schen – vor allem syri­sche und eri­trei­sche Schutz­su­chen­de – aus Ita­li­en (24.000) und Grie­chen­land (16.000) zu ver­tei­len. Dabei sind allein in den ers­ten Mona­ten die­sen Jah­res bereits weit mehr als 100.000 Flücht­lin­ge in die­sen Grenz­staa­ten ange­kom­men. Die Ankunfts­zah­len im kri­sen­ge­schüt­tel­ten Grie­chen­land haben sich im Ver­gleich zum Vor­jahr ver­sechs­facht, 55.000 Schutz­su­chen­de lan­de­ten hier im ers­ten Halb­jahr 2015 neu an. Von die­sen Per­so­nen nur 16.000 auf 24 EU Mit­glieds­staa­ten zu ver­tei­len, ist in die­ser Situa­ti­on nicht mal ein Trop­fen auf den hei­ßen Stein.

Wei­ter­hin ist immer noch nicht ent­schie­den, wie und wann es zu einer Ver­tei­lung der Schutz­su­chen­den kom­men soll. Im Juli wol­len die Mit­glieds­staa­ten noch­mals dar­über ver­han­deln. Mit kon­kre­ten Schrit­ten ist nicht vor Herbst zu rech­nen. Die EU ist ange­sichts einer dra­ma­ti­schen huma­ni­tä­ren Kri­se hand­lungs­un­fä­hig und lässt die Staa­ten an den Außen­gren­zen und die Flücht­lin­ge im Stich.

Statt ange­mes­sen und ent­schlos­sen auf das Elend der Flücht­lin­ge zu reagie­ren, wie­der­ho­len die Staats- und Regie­rungs­chefs die Man­tras der Abschot­tungs­po­li­tik. So wird erneut betont, dass kon­se­quen­ter abge­scho­ben wer­den soll. Die­ser popu­lis­ti­sche Dau­er­bren­ner geht jedoch völ­lig an der Rea­li­tät vor­bei, wenn man bedenkt, von wo der Groß­teil der Flücht­lin­ge, die nun in der EU ankom­men, stammt: Syri­en, Irak, Afgha­ni­stan, Eri­trea, Soma­lia. In einem rechts­staat­li­chen Asyl­ver­fah­ren haben die­se Per­so­nen in der EU eine sehr hohe Chan­ce auf eine Flücht­lings­an­er­ken­nung, abschie­ben kann man aus die­sen Grup­pen nie­man­den. Eine ver­schärf­te Rück­füh­rungs­po­li­tik als Lösungs­an­satz für die aktu­el­le Kri­se zu prä­sen­tie­ren, ist abwe­gig.  

Euro­pa ver­schließt die Augen vor den Tat­sa­chen und pflegt sei­ne Fes­tungs­rhe­to­rik. Mas­sen­in­haf­tie­rung und mas­sen­haf­te Obdach­lo­sig­keit sowie noch rigi­de­re Grenz­wäl­le wer­den die Fol­ge sein. Der Druck auf die EU-Grenz­staa­ten, ihre Gren­zen zu Boll­wer­ken gegen Schutz­be­dürf­ti­ge aus­zu­bau­en, wächst. Die Fol­ge: An die EU angren­zen­den Staa­ten wer­den ihrer­seits mit Grenz­schlie­ßun­gen reagie­ren. „Dies heizt den Wett­lauf der Schä­big­keit zwi­schen den EU-Staa­ten und den an sie angren­zen­den Staa­ten noch wei­ter an“, warn­te Gün­ter Burk­hardt.

Hand­lungs­mög­lich­kei­ten für Deutsch­land

PRO ASYL appel­liert erneut an die Innen­mi­nis­ter von Bund und Län­dern, Flücht­lin­gen mit Bezü­gen zu Deutsch­land die Aus­rei­se aus Staa­ten wie Grie­chen­land, Bul­ga­ri­en, Ungarn oder Ita­li­en nach Deutsch­land zu ermög­li­chen. Zudem sei eine Wie­der­auf­nah­me der huma­ni­tä­ren Auf­nah­me von Flücht­lin­gen mit Ver­wand­ten in Deutsch­land, die sich in Staa­ten wie der Tür­kei befin­den, „das Gebot der Stun­de“. Die deut­schen Innen­mi­nis­ter dür­fen nach dem EU-Gip­fel nun nicht mehr taten­los zuse­hen, wie ver­zwei­fel­te Flücht­lin­ge, die aus guten Grün­den nach Deutsch­land wol­len, sich in die Hän­de von Schlep­pern bege­ben, appel­liert PRO ASYL. Von der EU ist kurz­fris­tig kei­ne Hil­fe zu erwar­ten.

Dass die EU die Auf­nah­me von ins­ge­samt 20.000 syri­schen Flücht­lin­gen aus der Kri­sen­re­gi­on ange­kün­digt hat, ist völ­lig unzu­rei­chend. Seit Aus­bruch des Krie­ges sind mehr als 4 Mil­lio­nen Men­schen aus Syri­en geflo­hen, von denen 2 Mil­lio­nen Per­so­nen allei­ne in der Tür­kei auf­ge­nom­men wur­den. In Deutsch­land lie­gen 60.000 Anträ­ge von Men­schen vor, die dar­auf hof­fen, über ein Bun­des­pro­gramm zu ihren Ver­wand­ten nach Deutsch­land kom­men zu kön­nen. Wenn die Bun­des­re­pu­blik wei­ter auf Euro­pa war­tet, lässt sie die Fami­li­en der 130.000 Syrer im Stich, die in Deutsch­land leben. Des­halb müs­sen die huma­ni­tä­ren Auf­nah­me­pro­gram­me von Bund und Län­dern fort­ge­setzt bzw. wie­der auf­ge­nom­men wer­den.

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