18.09.2020

In einem brei­ten Bünd­nis ruft PRO ASYL für Sonn­tag zu Demons­tra­tio­nen in Ber­lin, Köln und Mün­chen auf

·  Über 60 Orga­ni­sa­tio­nen for­dern sofor­ti­ge Eva­ku­ie­rung aller grie­chi­schen Lager
·  Demons­tra­ti­on am Sonn­tag 20.09. in Ber­lin (14 Uhr, Wit­ten­berg­platz), in Mün­chen (14 Uhr, Goe­the­platz), in Köln (15 Uhr, Neu­markt)
·  Wei­te­re Demos in Paris, Lis­sa­bon, Prag, Bir­ming­ham, Stock­holm

Über 60 Initia­ti­ven und Orga­ni­sa­tio­nen haben sich dem Auf­ruf „Es reicht! Wir haben Platz!“ ange­schlos­sen, dar­un­ter die Evan­ge­li­sche Kir­che Deutsch­lands, PRO ASYL, Migran­ti­fa, Brot für die Welt, die Dia­ko­nie, der Pari­tä­ti­sche, See­brü­cke, Women in Exi­le, Deut­scher Kin­der­schutz­bund und Fri­days for Future, See­not­ret­tungs­or­ga­ni­sa­tio­nen und der RAV. Das Bünd­nis übt schar­fe Kri­tik an der Poli­tik der Bun­des­re­gie­rung und der Euro­päi­schen Uni­on.

Die Euro­päi­sche Uni­on hat die vor Gewalt und Ter­ror geflo­he­nen Men­schen jah­re­lang unter men­schen­un­wür­di­gen Bedin­gun­gen fest­ge­setzt. In Moria auf der grie­chi­schen Insel Les­bos haben nun 13.000 Men­schen mit einem Schlag ihr letz­tes Dach über dem Kopf ver­lo­ren. Sie müs­sen bei Hit­ze und feh­len­der Ver­sor­gung mit Was­ser und Nah­rung unter frei­em Him­mel kam­pie­ren.

Mit Demons­tra­tio­nen in Ber­lin, Mün­chen und Köln, beglei­tet von wei­te­ren Pro­tes­ten in ganz Euro­pa, for­dert das Bünd­nis statt­des­sen die sofor­ti­ge Eva­ku­ie­rung aller Men­schen aus den grie­chi­schen Lagern. Es reicht! Wir haben Platz!

Gün­ter Burk­hardt, Geschäfts­füh­rer von PRO ASYL macht deut­lich: „PRO ASYL befürch­tet, dass das Recht auf Asyl zur uner­reich­ba­ren Fata­mor­ga­na wird. Bru­ta­le Push­backs in der Ägä­is, Haft­la­ger an der Gren­ze, Ver­wei­ge­rung des Zugangs zu fai­ren Asyl­ver­fah­ren und Abschie­bun­gen nach Grenz­ver­fah­ren dro­hen Ver­folg­te schutz­los zu stel­len.
Lager wie Moria neh­men den Men­schen ihre Wür­de und ihre Rech­te. Die Brand­ka­ta­stro­phe instru­men­ta­li­sie­rend plant die EU die Errich­tung von EU-Hot­spots in neu­em recht­li­chen Rah­men. Es darf kein Moria 2.0, kei­ne Hot­spots unter euro­päi­scher Flag­ge geben! Wir rufen zu den Demons­tra­tio­nen auf: Für das Recht auf Schutz und Asyl!“

Tareq Alaows von der See­brü­cke sagt: „Wir spre­chen im Jahr 2020 immer noch von Lagern, in denen Men­schen­rech­te mit den Füßen getre­ten wer­den. Die Bun­des­re­gie­rung ver­sagt, sie muss end­lich Abstand von ihrer Abschot­tungs­po­li­tik neh­men. Es ist Zeit, dass Kanz­le­rin Mer­kel end­lich wie­der für Men­schen­rech­te ein­tritt. Deutsch­land muss vor­an­ge­hen und ALLE Men­schen aus Moria auf­neh­men“.

Simin Jawab­reh & Ner­ges Azi­zi von Migran­ti­fa mah­nen: „Die migra­ti­ons­feind­li­che Abschot­tungs­po­li­tik der EU reiht sich in ein Sys­tem, das in kolo­nia­ler Kon­ti­nui­tät zwi­schen Men­schen mit Rech­ten und Men­schen ohne Rech­ten unter­schei­det. Schafft Lager und töd­li­che Gren­zen ab – für ein men­schen­wür­di­ges Leben für Alle!“

Miri­am Töd­ter von Wir packen’s an e. V.: „Die Lager müs­sen auf­ge­löst wer­den! Wir wol­len kei­ne neue Zelt­stadt bau­en, wo die Men­schen wie­der in einer sol­chen Höl­le leben, nur weni­ge Meter wei­ter.“

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen

Hier fin­den Sie den Auf­ruf und eine Über­sicht der Demons­tra­tio­nen euro­pa­weit sowie die Lis­te der unter­stüt­zen­den Orga­ni­sa­tio­nen.

Hier fin­den Sie ab Sonn­tag­nach­mit­tag Fotos von den Aktio­nen.

PRO ASYL ist mit sei­nem Anwalts­team unter erschwer­ten Bedin­gun­gen auf Les­bos aktiv.

Auf­ruftext für die Demo

Es reicht! Wir haben Platz!
Am 20. Sep­tem­ber gehen wir, die soli­da­ri­sche Zivil­ge­sell­schaft, auf die Stra­ße und sagen laut und klar: Es reicht! Wir haben Platz!

Das Geflüch­te­ten­la­ger Moria auf der grie­chi­schen Insel Les­bos ist abge­brannt, aber die Situa­ti­on brennt schon lan­ge. Zehn­tau­sen­de Men­schen müs­sen seit Jah­ren in völ­lig über­füll­ten Lagern, in Dreck und Hoff­nungs­lo­sig­keit auf den ägäi­schen Inseln aus­har­ren.

Wir sind ent­setzt, dass die EU die neu­es­te Eska­la­ti­on in Moria trotz viel­fa­cher War­nun­gen hat gesche­hen las­sen. Die unmensch­li­chen Bedin­gun­gen in den Lagern an den euro­päi­schen Außen­gren­zen sind poli­tisch gewollt. Wenn die Regie­rung nach dem Covid-19-Aus­bruch alle deut­schen Tourist*innen über Nacht eva­ku­ie­ren konn­te, kann sie das Glei­che für alle Men­schen aus Moria tun.

Dar­um sagen wir: Es reicht! Alle Men­schen kön­nen und müs­sen jetzt eva­ku­iert wer­den! Die Zeit des beque­men Ver­wei­sens auf eine nie kom­men­de euro­päi­sche Lösung ist vor­bei. Das Leben von Men­schen darf nicht wei­ter als poli­ti­sches Spiel benutzt wer­den. Bun­des­kanz­le­rin Mer­kel kann sich nicht län­ger hin­ter Innen­mi­nis­ter See­hofer ver­ste­cken, wenn im Namen Deutsch­lands unmensch­lich gehan­delt wird! Die von ihr geführ­te Bun­des­re­gie­rung muss end­lich Ver­ant­wor­tung über­neh­men und sich zur Auf­nah­me ALLER Men­schen aus Moria bereit­erklä­ren. Wir las­sen nicht locker und fin­den uns mit die­ser Poli­tik nicht ab. Wir ste­hen wei­ter ein für Mit­mensch­lich­keit und Soli­da­ri­tät – mit ALLEN Men­schen.

Deutsch­land kann – und muss – JETZT vor­an­ge­hen! Und zwar mit wirk­li­chen Lösun­gen, und nicht in Form neu­ge­bau­ter Lager an den Außen­gren­zen. Ein wei­te­res Moria darf es nicht geben.

Denn: Wir haben Platz, und der Wil­le ist da: Über 170 Städ­te und Kom­mu­nen sind allein in Deutsch­land bereit, jetzt sofort Men­schen auf­zu­neh­men. Vor weni­gen Wochen star­te­ten Ber­lin und Thü­rin­gen eige­ne Lan­des­auf­nah­me­pro­gram­me, Bre­men schließt sich in Kür­ze an. Unse­re Kom­mu­nen, unse­re Städ­te, unse­re Land­krei­se, unse­re Kir­chen­ge­mein­den – unse­re Zivil­ge­sell­schaft will Men­schen auf­neh­men! Aber all die­se Initia­ti­ven wer­den von der Bun­des­re­gie­rung blo­ckiert. Das muss ein Ende haben!

Wir for­dern:

1. Sofor­ti­ge Eva­ku­ie­rung des Lagers Moria und ALLER Lager!
2. Deutsch­land muss bei der Auf­nah­me vor­an­ge­hen!
3. Auf­nah­me­be­reit­schaft der Kom­mu­nen und Län­der nicht län­ger blo­ckie­ren!
4. Para­dig­men­wech­sel in der Migra­ti­ons­po­li­tik!
Des­we­gen gehen wir am 20. Sep­tem­ber in Köln um 15 Uhr alle gemein­sam auf die Stra­ße und sagen laut und klar: Es reicht! Wir haben Platz!

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