14.12.2012

Zahl­rei­che inter­na­tio­na­le Berich­te doku­men­tie­ren, dass Roma und Ange­hö­ri­ge ande­rer Min­der­hei­ten in Ser­bi­en und Maze­do­ni­en umfas­sen­der ras­sis­ti­scher Dis­kri­mi­nie­rung aus­ge­setzt sind. In schar­fem Kon­trast dazu steht die Aner­ken­nungs­pra­xis des Bun­des­am­tes für Migra­ti­on und Flücht­lin­ge, das asyl­su­chen­de Roma aus die­sen Staa­ten has­ti­gen Schnell­ver­fah­ren unter­zieht und ihre Anträ­ge rigo­ros als unbe­grün­det ablehnt.

Mit der Situa­ti­on der Betrof­fe­nen in den Her­kunfts­staa­ten hat die­se Ent­schei­dungs­pra­xis wenig zu tun: Das BAMF voll­zieht an den Schutz­su­chen­den den poli­ti­schen Wil­len von Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Fried­rich. PRO ASYL for­dert das Bun­des­in­nen­mi­nis­te­ri­um auf, das BAMF sei­ne Auf­ga­be machen zu las­sen: Asyl­ge­su­che unvor­ein­ge­nom­men und sorg­fäl­tig zu prü­fen.

Roma wer­den in Ser­bi­en und Maze­do­ni­en häu­fig so stark dis­kri­mi­niert, dass ihnen grund­le­gen­de Rech­te ver­wei­gert wer­den. Vie­le Roma wer­den im Gesund­heits­sys­tem mit Dis­kri­mi­nie­rung kon­fron­tiert, was ihren Zugang zu medi­zi­ni­schen Dienst­leis­tun­gen beein­träch­tigt. Ihre Kin­der wer­den häu­fig in Son­der­schu­len oder Son­der­schul­klas­sen gesteckt, nur weil sie Roma sind. Die Erwach­se­nen haben meist kei­nen Zugang zum Arbeits­markt, vie­le müs­sen sich mit Tätig­kei­ten wie dem Sam­meln von Alt­me­tall durchs Leben schla­gen. In Ser­bi­en leben etwa 60 Pro­zent der geschätz­ten 450 000 Roma in unsi­che­ren und unhy­gie­ni­schen Lebens­ver­hält­nis­sen, 30 Pro­zent der Roma in Ser­bi­en haben noch nicht mal Zugang zu sau­be­rem Trink­was­ser.

Fried­richs Behaup­tung, dass die Schnell­ver­fah­ren, die nach Anga­ben des BMI in weni­ger als zehn Tagen über Asyl­ge­su­che von Men­schen aus Ser­bi­en und Maze­do­ni­en ent­schei­den, „unter Wah­rung sämt­li­cher Ver­fah­rens­ga­ran­ti­en und Qua­li­täts­kri­te­ri­en“ statt­fän­den, ist höchst zwei­fel­haft. Wenn Asyl­su­chen­de Schnell­ver­fah­ren unter­zo­gen wer­den, weil ihnen von vorn­her­ein pau­schal Asyl­miss­brauch unter­stellt wird, zeigt dies bereits, dass eine unvor­ein­ge­nom­me­ne Prü­fung nicht statt­fin­det. Zudem ist die Vor­stel­lung, eine nied­ri­ge Aner­ken­nungs­quo­te doku­men­tie­re, dass in dem betref­fen­den Staat kei­ne rele­van­ten Flucht­grün­de vor­lä­gen, eine selbst­er­fül­len­de Pro­phe­zei­ung, die eine indi­vi­du­el­le Prü­fung von Asyl­ge­su­chen ver­hin­dert.

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