31.08.2010

Anläss­lich sei­nes Besu­ches in Ita­li­en prä­sen­tier­te der liby­sche Dik­ta­tor der Euro­päi­schen Uni­on ges­tern abend sei­ne Rech­nung für die Zusam­men­ar­beit bei der Flücht­lings­ab­wehr: Er for­dert fünf Mil­li­ar­den als Gegen­leis­tung dafür, dass er Schutz­su­chen­de bereits an den liby­schen Außen­gren­zen oder auf sei­nem Ter­ri­to­ri­um stoppt. Die EU will bis Ende 2010 ein „Koope­ra­ti­ons- und Part­ner­schafts­ab­kom­men“ mit Liby­en abschlie­ßen, um u. a die Zusam­men­ar­beit im Poli­tik­feld Migra­ti­on und Flucht zu inten­si­vie­ren.

Nach Auf­fas­sung von PRO ASYL darf es kei­ne Part­ner­schaft mit einem Regime geben, das die Men­schen­rech­te mit den Füs­sen tritt. „Das Anbie­dern an Gad­da­fi, die Mil­lio­nen­be­trä­ge aus Brüs­sel, die bereits für die Flucht­ab­wehr nach Liby­en geflos­sen sind, und die Taten­lo­sig­keit der EU ange­sichts der Völ­ker­rechts­brü­che Ita­li­ens gehö­ren zu den wider­lichs­ten Aspek­ten euro­päi­scher Flücht­lings­po­li­tik“, so Karl Kopp, Euro­pa­re­fe­rent von PRO ASYL. Die ita­lie­ni­sche Küs­ten­wa­che hat allein zwi­schen Mai und Dezem­ber 2009 über 1.400 Boots­flücht­lin­ge in die Haft­la­ger von Gad­da­fi zurück­ver­frach­tet.

Euro­pa muss sich ent­schei­den: Für die Fort­set­zung der fata­len Alli­anz mit Gad­da­fi oder für die Rück­kehr zu Huma­ni­tät und Völ­ker­recht.

Der liby­sche Dik­ta­tor will mehr Geld für Inter­nie­rungs­la­ger, Abschie­be­flü­ge und die tech­no­lo­gi­sche Hoch­rüs­tung sei­ner süd­li­chen Außen­gren­zen. Geplant ist bei­spiels­wei­se ein Grenz­kon­troll­sys­tem, das Radar- und Satel­li­ten­über­wa­chung kom­bi­niert,  ent­lang der 400 Kilo­me­ter lan­gen liby­schen Land­gren­ze zum Niger und zum Tschad. Die Kos­ten von cir­ca  300 Mil­lio­nen Euro sol­len zu 50 % von Ita­li­en und zur ande­ren Hälf­te von der EU getra­gen wer­den.

PRO ASYL for­dert von der EU den Stopp aller Zah­lun­gen und das Ende jeg­li­cher Koope­ra­tio­nen in Sachen Flücht­lings­po­li­tik mit Liby­en. Die ange­streb­te Poli­zei­ko­ope­ra­ti­on zwi­schen der EU-Grenz­agen­tur Fron­tex und Liby­en darf nicht zu Stan­de kom­men. Das Abdrän­gen und Zurück­wei­sen von Boots­flücht­lin­gen nach Liby­en muss  auf­hö­ren.

Hin­weis: Die STIFTUNG PRO ASYL ver­leiht am Sams­tag, den 4. Sep­tem­ber ihren Men­schen­rechts­preis 2010 an den ita­lie­ni­schen Jour­na­lis­ten Gabrie­le del Gran­de. Del Gran­de doku­men­tiert die dra­ma­ti­schen Fol­gen der Koope­ra­ti­on Ita­li­ens mit dem Dik­ta­tor Gad­da­fi. Die Lau­da­tio hält Ili­ja Tro­ja­now, ein Schluss­wort spricht Tom Koenigs, Vor­sit­zen­der des Bun­des­tags­aus­schus­ses für Men­schen­rech­te und huma­ni­tä­re Hil­fe. Die Preis­ver­lei­hung fin­det um 14.00 Uhr im Ka Eins/Ökohaus, Kas­se­ler Str. 1a in Frank­furt statt.

Kon­takt:

Tel. 069 23 06 95

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