10.11.2021

Tau­sen­de geflüch­te­te Men­schen leben seit vie­len Jah­ren getrennt von ihren Fami­li­en, weil die deut­sche Poli­tik und die deut­schen Geset­ze  den Fami­li­en­nach­zug behin­dern. Im Son­die­rungs­pa­pier von SPD, Grü­nen und FDP stel­len die drei Par­tei­en zwar eine Beschleu­ni­gung des Fami­li­en­nach­zugs zu Geflüch­te­ten in Aus­sicht. Doch die nöti­gen gesetz­li­chen Ände­run­gen sind bis­her nicht ver­ab­re­det, die Ankün­di­gun­gen sind vage. 

Des­halb rufen die Initia­ti­ve Fami­li­en­nach­zug Eri­trea, die Akti­ons­grup­pe Afgha­ni­stan Ber­lin und das Ber­li­ner Afgha­ni­stan-Bünd­nis zur Demons­tra­ti­on auf und appel­lie­ren gemein­sam mit Flücht­lings­rä­ten, PRO ASYL und See­brü­cke an die Koali­tio­nä­re, den vagen Absichts­er­klä­run­gen umge­hend Taten fol­gen zu lassen.

Demons­tra­ti­on am 12. Novem­ber 2021 in Berlin
Start 10 Uhr vor dem Willy-Brandt-Haus
Zwi­schen­kund­ge­bung vor dem Bundesfamilienministerium
ca. 13 Uhr Abschluss­kund­ge­bung vor dem Aus­wär­ti­gen Amt

Gesetz­li­che Hür­den, eine restrik­ti­ve Pra­xis im  Aus­wär­ti­gen Amt, büro­kra­ti­sche Ver­fah­ren sowie Per­so­nal­man­gel in den deut­schen Bot­schaf­ten – all das ver­schleppt oder ver­hin­dert den Fami­li­en­nach­zug zu Geflüch­te­ten in Deutschland.
Betrof­fen sind vor allem Geflüch­te­te aus Afgha­ni­stan und Eri­trea: Allein die War­te­zei­ten auf einen Ter­min für die Vis­ums­an­trags­stel­lung beträgt bei der Deut­schen Bot­schaft in Äthio­pi­en, wo vie­le Ange­hö­ri­ge eri­trei­scher Flücht­lin­ge leben, über ein Jahr. Häu­fig wer­den im Visums­ver­fah­ren Doku­men­te gefor­dert, deren Beschaf­fung für Flücht­lin­ge aus Eri­trea unmög­lich oder unzu­mut­bar ist.

Auch in den deut­schen Aus­lands­ver­tre­tun­gen in Neu-Delhi und Islam­abad, zustän­dig für Vis­ums­an­trä­ge afgha­ni­scher Staats­an­ge­hö­ri­ge, beläuft sich die War­te­zeit für einen ers­ten Ter­min auf über ein Jahr. Für vie­le Afghan*innen sind die deut­schen Aus­lands­ver­tre­tun­gen seit der Macht­über­nah­me der Tali­ban über­haupt nicht mehr erreichbar.

Die­se Situa­ti­on ist unhalt­bar. Orga­ni­sa­tio­nen und Initia­ti­ven for­dern die künf­ti­ge Bun­des­re­gie­rung auf, sofort den Fami­li­en­nach­zug zu ermög­li­chen und das Grund ‑und Men­schen­recht auf Schutz von Ehe und Fami­lie für alle Geflüch­te­ten zu verwirklichen:

  • War­te- und Bear­bei­tungs­zei­ten in Fami­li­en­nach­zugs­ver­fah­ren auf maxi­mal drei Mona­te ver­kür­zen durch digi­ta­le Antrags­stel­lung und per­so­nel­le Auf­sto­ckung im Aus­wär­ti­gen Amt und den deut­schen Auslandsvertretungen
  • Bear­bei­tung von Vis­ums­an­trä­gen zum Fami­li­en­nach­zug in allen deut­schen Aus­land­ver­tre­tun­gen, nicht nur in den jewei­li­gen Anrainerstaaten
  • Ent­bü­ro­kra­ti­sie­rung der Ver­fah­ren und Akzep­tanz alter­na­ti­ver Nach­wei­se für Iden­ti­tät und Familienbindung
  • gesetz­li­che Hür­den zur Erleich­te­rung des Geschwis­ter- und Eltern­nach­zugs sowie sons­ti­ger Fami­li­en­an­ge­hö­ri­ger abbauen
  • Rechts­an­spruch auf Fami­li­en­nach­zug für sub­si­di­är Schutz­be­rech­tig­te wie­der gesetz­lich verankern

Ger­ne ver­mit­teln wir Kon­tak­te zu Betrof­fe­nen, zum Bei­spiel zu Yeru­sa­lem, einer Eri­tee­rin, die in Düs­sel­dorf lebt und seit sechs Jah­ren dar­auf war­tet, ihre bei­den Kin­der wie­der in die Arme schlie­ßen zu kön­nen, oder zu Mohe­bull­ah, einem jun­gen Afgha­nen, der als 13-Jäh­ri­ger vor der Zwangs­re­kru­tie­rung durch die Tali­ban floh und seit 2017 dar­auf war­tet, dass sei­ne Eltern zu ihm nach Bay­ern kom­men dürfen.

Pres­se­kon­takt:
Flücht­lings­rat Ber­lin: buero@fluechtlingsrat-berlin.de, Tel: 030 – 224 76 311
PRO ASYL: presse@proasyl.de; Tel.: 069 – 2423 1430

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