11.02.2016

Nach sei­ner Afgha­ni­stan-Rei­se Anfang Febru­ar will der Bun­des­in­nen­mi­nis­ter „noch in die­sem Monat“ Abschie­be­flü­ge nach Afgha­ni­stan for­cie­ren. In einem Schrei­ben an die Innen­mi­nis­te­ri­en der Län­der vom 5. Febru­ar for­dert de Mai­ziè­re die Län­der dazu auf, „unver­züg­lich“ mit Abschie­be­flü­gen zu begin­nen. PRO ASYL kri­ti­siert de Mai­ziè­res Plä­ne scharf. „Mona­te­lang hat der Innen­mi­nis­ter afgha­ni­sche Schutz­su­chen­de in Deutsch­land ver­bal ver­un­si­chert. Jetzt will er ein Exem­pel an ihnen sta­tu­ie­ren, kos­te es was es wol­le“, sagt Bernd Meso­vic, stell­ver­tre­ten­der Geschäfts­füh­rer von PRO ASYL. 

Wo die Schutz­su­chen­den unter­kom­men sol­len, sagt der Innen­mi­nis­ter nicht. Er  benennt weder siche­re Gebie­te, noch kann er für die Sicher­heit der Abge­scho­be­nen garan­tie­ren. Von den 34 afgha­ni­schen Pro­vin­zen hat­te der afgha­ni­sche Flücht­lings­mi­nis­ter 31 als unsi­cher bezeich­net. Selbst Groß­städ­te in Afgha­ni­stan sind schon lan­ge nicht mehr sicher. Zeit­gleich mit de Mai­ziè­res  Besuch in Kabul wur­de die Haupt­stadt Ziel eines Anschlags mit min­des­tens 20 Toten und 29 Ver­letz­ten. Vor weni­gen Mona­ten besetz­ten  die Tali­ban die gro­ße Pro­vinz­stadt Kun­duz und demons­trier­ten, dass sie über Anschlä­ge hin­aus jeder­zeit zur mili­tä­ri­schen Erobe­rung von Regio­nen und Städ­ten fähig sind.

Die Sicher­heits­la­ge in Afgha­ni­stan ist kata­stro­phal und wird sich auf Dau­er nicht ändern, das haben die Ent­wick­lun­gen der ver­gan­ge­nen Mona­te gezeigt. Der All­tag von Zivi­lis­ten in Afgha­ni­stan ist von Ter­ror und Gewalt geprägt: Allein in Kabul gab es seit Jah­res­be­ginn sie­ben Tali­ban-Anschlä­ge mit vie­len Toten und Ver­letz­ten – eine trau­ri­ge Fort­set­zung der Gewalt­es­ka­la­ti­on im Jahr 2015. Zivi­lis­ten kön­nen jeder­zeit Opfer von Ent­füh­run­gen, Anschlä­gen und Par­al­lel­jus­tiz wer­den. Mehr als eine Mil­li­on Men­schen sind inner­halb Afgha­ni­stans auf der Flucht, Hun­dert­tau­sen­de von ihnen erst seit 2015.

Nicht von unge­fähr betrug die Schutz­quo­te für afgha­ni­sche Asyl­su­chen­de im deut­schen Asyl­ver­fah­ren im Jahr 2015 rund 80 Pro­zent. Dass die Bun­des­re­gie­rung vor die­sem Hin­ter­grund Abschie­bun­gen nach Afgha­ni­stan noch im Febru­ar for­cie­ren will, hat nichts mit der rea­len Sicher­heits­la­ge zu tun. Es ist Abschre­ckungs­po­li­tik gegen die­je­ni­gen, die aktu­ell Schutz in Deutsch­land suchen. Der Ein­satz in die­sem Spiel der Bun­des­re­gie­rung sind Gesund­heit und Leben der Abge­scho­be­nen.

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