10.03.2017

PRO ASYL: Ein wich­ti­ger Tag für den Flücht­lings­schutz in Euro­pa

Heu­te wird das höchs­te Ver­wal­tungs­ge­richt Grie­chen­lands in einer Anhö­rung prü­fen, ob die Tür­kei – wie im EU-Tür­kei Deal vor­aus­ge­setzt – ein »siche­rer Dritt­staat« ist. Ver­han­delt wird der Fall zwei­er Syrer, deren Asyl­an­trä­ge in ers­ter und zwei­ter Instanz als unzu­läs­sig erach­tet wur­den und denen des­we­gen die Abschie­bung in die Tür­kei droht. Ihre Fäl­le wur­den nie inhalt­lich geprüft. Dies ist die zwei­te Anhö­rung im Grie­chi­schen Staats­rat zu die­sem Fall. Nach einer Anhö­rung am 29. Novem­ber 2016 hat­te die 4. Kam­mer des Staats­ra­tes den Fall auf­grund sei­ner Wich­tig­keit an das Ple­num der des Staats­ra­tes ver­wie­sen.

Die Anwäl­tin­nen von Refu­gee Sup­port Aege­an (RSA)[1] ver­tre­ten einen der bei­den Flücht­lin­ge im Ver­fah­ren. RSA ist der Umset­zungs­part­ner des PRO ASYL-Pro­jekts in der Ägä­is. Die Tür­kei ist kein »siche­rer Dritt­staat«. Die soge­nann­ten „Unab­hän­gi­ge Beru­fungs­aus­schüs­se“, wel­che die Asyl­an­trä­ge der Betrof­fe­nen als unzu­läs­sig erach­ten, ent­spre­chen nicht der grie­chi­schen Ver­fas­sung.

Bis heu­te wur­de noch kein Flücht­ling aus Syri­en unter der Annah­me, dass die Tür­kei sicher sei, dort­hin zurück­ge­schickt. Abschie­bun­gen in die Tür­kei wur­den durch die Bemü­hun­gen der Anwäl­tin­nen von RSA und dem Ein­satz ande­rer Orga­ni­sa­tio­nen in Grie­chen­land bis­her ver­hin­dert. Seit der zyni­sche Deal mit Erdo­gan in Kraft getre­ten ist, arbei­tet das Team von RSA dar­an, Schutz­su­chen­de – trotz der unfai­ren und unrecht­mä­ßi­gen Ver­fah­ren in Grie­chen­land – bei der Wahr­neh­mung ihrer Rech­te zu unter­stüt­zen.

Die frü­he­ren Asyl­be­ru­fungs­aus­schüs­se haben eine wich­ti­ge Rol­le dabei gespielt, syri­sche Flücht­lin­ge vor der Abschie­bung in die Tür­kei zu bewah­ren, indem sie erst­in­stanz­li­che Ent­schei­dun­gen zur Unzu­läs­sig­keit von Asyl­an­trä­gen auf­ho­ben. Außer in drei Fäl­len hat­ten die Asyl­be­ru­fungs­aus­schüs­se ent­schie­den, dass die Tür­kei nicht sicher für Flücht­lin­ge sei, zumal sie inter­na­tio­na­le Stan­dards nicht erfül­le.

Im Juni 2016 hat die grie­chi­sche Regie­rung die Asyl­be­ru­fungs­aus­schüs­se durch die soge­nann­ten »Unab­hän­gi­ge Beru­fungs­aus­schüs­se« ersetzt. Die­ses Vor­ge­hen wur­de von der grie­chi­schen Zivil­ge­sell­schaft und von Mit­glie­dern der abge­setz­ten Beru­fungs­aus­schüs­se als unzu­läs­si­ge poli­ti­sche Inter­ven­ti­on gegen die Unab­hän­gig­keit und Objek­ti­vi­tät des Asyl­ver­fah­rens gewer­tet.

Die Ent­schei­dung des Staats­ra­tes, bezüg­lich der Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit der neu­en Aus­schüs­se und somit der Recht­mä­ßig­keit ihrer Beschlüs­se Abschie­bun­gen in die Tür­kei zu erlau­ben, wird ent­schei­dend für den Schutz von Flücht­lin­gen in Euro­pa und für die Zukunft des schmut­zi­gen EU-Tür­kei-Deals sein.

[1] Erläuterung zu Refugee Support Aegean: Refugee Support Aegean (RSA) ist eine griechische Non-Profit Organisation, die Flüchtlinge unterstützt. Das RSA-Team in Athen, Lesvos und Chios setzt das PRO ASYL-Flüchtlingsprojekt in Griechenland um und dokumentiert Menschenrechtsverletzungen, leistet Rechtshilfe und soziale Unterstützung für Asylsuchende und Flüchtlinge.

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