27.08.2017

PRO ASYL warnt vor dop­pel­tem mili­tä­ri­schen Abschirm­ring gegen Flücht­lin­ge

Vor dem Gip­fel­tref­fen in Ver­sailles warnt PRO ASYL die EU-Staa­ten davor, einen dop­pel­ten mili­tä­ri­schen Abschirm­ring gegen Flücht­lin­ge zu instal­lie­ren. »Dies führt zur sys­te­ma­ti­schen Ver­sper­rung aller Flucht­we­ge nach Euro­pa. Ein Kon­ti­nent ist dabei, sich der Ver­ant­wor­tung für den Flücht­lings­schutz zu ent­zie­hen«, so Gün­ter Burk­hardt, Geschäfts­füh­rer von PRO ASYL.

Schutz­su­chen­de lan­den in liby­schen Haft- und Fol­ter­la­gern. Der in der Sahel-Zone von der EU gewünsch­te und finan­zier­te Mili­tär­ein­satz gegen Flücht­lin­ge führt dazu, dass Schutz­su­chen­de weit abseits der Wahr­neh­mung der euro­päi­schen Öffent­lich­keit zugrun­de gehen. Das Leid der Flücht­lin­ge wird weg­ge­scho­ben, nicht gelin­dert.

PRO ASYL appel­liert an Bun­des­kanz­le­rin Mer­kel und den fran­zö­si­schen Staats­prä­si­den­ten Macron, eine Poli­tik auf Basis der Rech­te und Wer­te der EU zu ent­wi­ckeln. Die wirt­schafts­star­ken Grün­dungs­mit­glie­der der EU müs­sen für Men­schen­rech­te und Flücht­lings­schutz ein­tre­ten und selbst bereit sein, an den Gren­zen der EU-Staa­ten ankom­men­den Flücht­lin­gen Schutz zu bie­ten. PRO ASYL for­dert einen Stopp der Auf­rüs­tung und Aus­bil­dung liby­scher Ver­bän­de und appel­liert in einer Pro­test­ak­ti­on an die Bun­des­kanz­le­rin: »Keh­ren Sie um! Been­den Sie die Koope­ra­ti­on mit Staa­ten wie Liby­en!«

Was über die Lager in Liby­en an die Öffent­lich­keit dringt, ist unvor­stell­bar grau­sam. Den Flücht­lin­gen dro­hen dort Fol­ter, Ver­ge­wal­ti­gung und schwers­te Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen. Luxem­burgs Außen­mi­nis­ter Assel­born for­mu­lier­te empört: »Men­schen wer­den dort ver­ge­wal­tigt, es gilt kein Recht«. Außen­mi­nis­ter Gabri­el war sicht­lich erschüt­tert von den »fürch­ter­li­chen Zustän­den« in »fins­te­ren Gefäng­nis­sen«. Das Aus­wär­ti­ge Amt hat­te zuvor schon im Janu­ar klar und deut­lich auf »aller­schwers­te, sys­te­ma­ti­sche Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen« hin­ge­wie­sen: »Exe­ku­tio­nen nicht zah­lungs­fä­hi­ger Migran­ten, Fol­ter, Ver­ge­wal­ti­gun­gen, Erpres­sun­gen sowie Aus­set­zun­gen in der Wüs­te sind dort an der Tages­ord­nung.« Der Exper­ten­be­richt des UN-Sicher­heits­rats vom 1. Juni 2017 doku­men­tiert sogar Ver­bin­dun­gen zwi­schen bewaff­ne­ten Grup­pen, kri­mi­nel­len Netz­wer­ken und der von der EU geför­der­ten liby­schen Küs­ten­wa­che. Ähn­li­ches berich­tet der Jour­na­list Micha­el Obert in sei­ner Repor­ta­ge im Juli 2017: Als er im Sur­man-Flücht­lings­la­ger bei Zawiya ist, berich­ten ihm Frau­en von bru­ta­len Mehr­fach­ver­ge­wal­ti­gun­gen. Das Lager unter­steht offi­zi­ell dem Innen­mi­nis­te­ri­um der liby­schen Ein­heits­re­gie­rung.

PRO ASYL erin­nert dar­an, dass sich die EU im Arti­kel 2 des Ver­trags der Euro­päi­schen Uni­on auf fol­gen­de Grund­wer­te geei­nigt hat: »Die Wer­te, auf die sich die Uni­on grün­det, sind die Ach­tung der Men­schen­wür­de, Frei­heit, Demo­kra­tie, Gleich­heit, Rechts­staatlichkeit und die Wah­rung der Men­schen­rech­te …« Die gegen­wär­ti­ge Poli­tik bewirkt das glat­te Gegen­teil.

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