14.02.2011

PRO ASYL: Boots­flücht­lin­ge men­schen­wür­dig auf­neh­men – Wege für die Migra­ti­on eröff­nen

Ange­sichts meh­re­rer tau­send Flücht­lin­ge aus Tune­si­en auf der ita­lie­ni­schen Insel Lam­pe­du­sa for­dert PRO ASYL: Die Boots­flücht­lin­ge müs­sen mit euro­päi­scher Unter­stüt­zung men­schen­wür­dig auf­ge­nom­men wer­den. Vor dem Hin­ter­grund der pre­kä­ren Sicher­heits­la­ge müs­sen Asyl­an­trä­ge sorg­fäl­tig geprüft wer­den. Zur Unter­stüt­zung des Demo­kra­ti­sie­rungs­pro­zes­ses soll­ten Wege der regu­lä­ren Migra­ti­on eröff­net wer­den.

Die Euro­päi­sche Uni­on hat nun­mehr die Chan­ce, sich auf die Sei­te der Demo­kra­tie­be­we­gung in Nord­afri­ka und der Men­schen­rech­te zu stel­len, nach­dem man jah­re­lang kor­rup­te Dik­ta­to­ren in Tune­si­en, Ägyp­ten und anders­wo bei der men­schen­ver­ach­ten­den Flücht­lings­ab­wehr im Mit­tel­meer hofiert hat“, so Karl Kopp, Euro­pa­re­fe­rent von PRO ASYL. „Euro­pa darf die­se ver­häng­nis­vol­le und bor­nier­te Poli­tik gegen­über Flücht­lin­gen und Migran­ten nicht fort­set­zen“.

Die Sicher­heits­si­tua­ti­on in Tune­si­en ist wei­ter­hin unüber­sicht­lich. Am Wochen­en­de wur­de über Schie­ße­rei­en um den Prä­si­den­ten­pa­last und die Natio­nal­bank berich­tet. Wer fak­tisch die Macht wo im Lan­de hat, wird sich erst noch her­aus­stel­len. In die­ser fort­dau­ern­den Situa­ti­on der Unsi­cher­heit ver­bie­tet es sich, Tune­si­er, die ihre Hei­mat ver­las­sen, ohne Prü­fung abzu­schie­ben.

Die revo­lu­tio­nä­ren Umwäl­zun­gen in Nord­afri­ka erin­nern zumin­dest teil­wei­se an den Fall des „Eiser­nen Vor­hangs“ 1989. Vie­le Men­schen aus Ost­eu­ro­pa haben damals die neu gewon­ne­ne Frei­heit genutzt, um den schwie­ri­gen Ver­hält­nis­sen in ihren Län­dern zu ent­ge­hen. Letzt­end­lich aber blie­ben die Zah­len der Migran­ten und Flücht­lin­ge aus der Regi­on weit hin­ter den pro­gnos­ti­zier­ten Mil­lio­nen­zah­len zurück.

Ita­li­en benö­tigt zwar Unter­stüt­zung. Grün­de für die aktu­el­le Not­stands­rhe­to­rik der Regie­rung Ber­lus­co­ni gibt es aber nicht. Nach­dem man über Jah­re hin­weg mit der gestürz­ten tune­si­schen Regie­rung Ben Ali Abschie­bungs­haft­an­stal­ten in Tune­si­en gebaut hat und das Regime zur Grenz­ab­schot­tung aus­ge­rüs­tet und ermun­tert hat, wer­den die For­de­run­gen des rechts­po­pu­lis­ti­schen Innen­mi­nis­ters Maro­ni nach dem Ein­satz ita­lie­ni­scher Poli­zis­ten oder einer neu­en FRON­TEX-Mis­si­on in Tune­si­en ver­ständ­li­cher­wei­se als Affront emp­fun­den. Der Spre­cher der Über­gangs­re­gie­rung in Tunis, Taïeb Bac­cou­che, hat dies bereits klar­ge­stellt und den Vor­schlag ver­or­tet: Er kom­me von einem Minis­ter der ita­lie­ni­schen ras­sis­ti­schen extre­men Rech­ten.

Aus Sicht von PRO ASYL muss die For­de­rung nach einem Regime­wech­sel und Demo­kra­ti­sie­rung in der Regi­on ein­her­ge­hen mit der grund­le­gen­den Über­ar­bei­tung der euro­päi­schen Koope­ra­ti­ons­po­li­tik mit nord­afri­ka­ni­schen Tran­sit­staa­ten. Tune­si­en braucht jede erdenk­li­che Hil­fe der EU bei dem schwie­ri­gen Über­gangs­pro­zess zur Demo­kra­tie. Dazu gehört neben Not­hil­fe­maß­nah­men auch das Ange­bot regu­lä­rer Migra­ti­ons­pro­gram­me.

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