11.05.2015

PRO ASYL: Maze­do­ni­en von der Lis­te der „siche­ren Her­kunfts­staa­ten“ strei­chen

Die aktu­el­len bewaff­ne­ten Aus­ein­an­der­set­zun­gen in Maze­do­ni­en mit mehr als 20 Toten haben das Land in den Mit­tel­punkt des Inter­es­ses gerückt, wäh­rend es die seit fast einem Jahr anhal­ten­de poli­ti­sche Dau­er­kri­se, Demons­tra­tio­nen für den Rück­tritt der Regie­rung Gruev­ski, die einen Abhör­skan­dal aus­zu­sit­zen ver­sucht, zuvor kaum in die Schlag­zei­len geschafft hat­ten. Unge­ach­tet der Fra­ge, wer für die bewaff­ne­ten Aus­ein­an­der­set­zun­gen in der Regi­on Kuma­no­vo ver­ant­wort­lich ist, steht eines fest: „Die Bun­des­re­gie­rung hat bei der Bestim­mung Maze­do­ni­ens zum „siche­ren Her­kunfts­staat“ im Sin­ne des deut­schen Asyl­rechts die Rea­li­tät ver­bo­gen, die Fak­ten igno­riert und ver­fas­sungs­recht­li­che Grund­sät­ze außer Acht gelas­sen. Maze­do­ni­en hät­te nie auf die Lis­te der „siche­ren Her­kunfts­staa­ten“ gelan­gen dür­fen und muss jetzt gestri­chen wer­den.“, so Bernd Meso­vic von PRO ASYL.

In einem Gut­ach­ten für PRO ASYL wies der Asyl­rechts­ex­per­te Dr. Rein­hard Marx bereits 2014 dar­auf hin, dass den Gesetz­ge­ber eine beson­de­re Sorg­falts­pflicht tref­fe, wenn er ehe­mals dik­ta­to­risch oder tota­li­tär regier­te Staa­ten zu siche­ren Her­kunfts­staa­ten bestim­men wol­le. An der Behand­lung von Min­der­hei­ten in die­sen Staa­ten, so auch in Maze­do­ni­en, zei­ge sich, wie fra­gil gesell­schaft­li­che und staat­li­che Struk­tu­ren auf der einen Sei­te sei­en und wie lang­le­big über­kom­me­ne und von Sei­ten füh­ren­der Ver­tre­ter von Gesell­schaft und Staat instru­men­ta­li­sier­te Hal­tun­gen von Into­le­ranz und Hass fort­wir­ken.

Die Situa­ti­on in Maze­do­ni­en – Eva­ku­ie­run­gen, Men­schen auf der Flucht – ent­larvt die Schön­schrei­be­rei der Ver­hält­nis­se in Maze­do­ni­en durch die Bun­des­re­gie­rung. Ver­fas­sungs- und uni­ons­recht­lich hät­te sie bei der Ein­stu­fung Maze­do­ni­ens als siche­rer Her­kunfts­staat prü­fen müs­sen, ob dort wirk­lich eine gewis­se Sta­bi­li­tät und hin­rei­chen­de Kon­ti­nui­tät der Ver­hält­nis­se gewähr­leis­tet ist, damit von Sicher­heit gespro­chen wer­den kann. Berich­te über gewalt­tä­ti­ge Aus­ein­an­der­set­zun­gen zwi­schen der maze­do­ni­schen Mehr­heits­be­völ­ke­rung und eth­ni­schen Alba­nern hat­te es aber bereits in den Jah­ren 2012 und 2013 gege­ben, ohne wirk­sa­me Kon­se­quen­zen von Sei­ten der Regie­rung. Ledig­lich 14 von einer Viel­zahl von Hass­ver­bre­chen wur­den in die­sem Zusam­men­hang gericht­lich ver­folgt. Die meis­ten Straf­tä­te­rIn­nen erhiel­ten kur­ze Frei­heits­stra­fen und wur­den auf Bewäh­rung ent­las­sen.

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