24.09.2014

Ber­lin, 24. Sep­tem­ber 2014 Zum bun­des­wei­ten Flücht­lings­tag for­dern Amnes­ty Inter­na­tio­nal und PRO ASYL von der Bun­des­re­gie­rung sich in der EU für eine effek­ti­ve See­not­ret­tung und siche­re Flucht­rou­ten ein­zu­set­zen. Seit knapp einem Jahr ret­tet die ita­lie­ni­sche Mari­ne mit der Ope­ra­ti­on „Mare Nostrum“ Men­schen aus See­not – weit über 100.000 seit Herbst 2013. Trotz­dem star­ben auch die­ses Jahr über 2.500 im Mit­tel­meer bei der Flucht nach Euro­pa. Nun soll Fron­tex Plus die­se Ope­ra­ti­on ablö­sen.

Amnes­ty und PRO ASYL befürch­ten, dass Fron­tex Plus vor allem auf die Bekämp­fung irre­gu­lä­rer Migra­ti­on aus­ge­rich­tet ist – nicht auf See­not­ret­tung. „Die dis­ku­tier­ten Plä­ne las­sen das Schlimms­te befürch­ten: statt mehr See­not­ret­tung mehr Abschot­tung. Die­se EU-Poli­tik nimmt in Kauf, dass das Mit­tel­meer zum Mas­sen­grab wird“, sagt die Sel­min Çalış­kan, Gene­ral­se­kre­tä­rin von Amnes­ty in Deutsch­land. „Euro­pa muss das Ster­ben an sei­nen Gren­zen been­den“, for­der­te Gün­ter Burk­hardt, Geschäfts­füh­rer von PRO ASYL.

Amnes­ty und PRO ASYL kri­ti­sie­ren den gemein­sa­men Vor­stoß von Deutsch­land, Frank­reich, Groß­bri­tan­ni­en, Spa­ni­en und Polens. Dass mas­sen­haft Men­schen im Mit­tel­meer ertrin­ken wer­de aus­ge­blen­det, die nöti­ge See­not­ret­tung noch nicht ein­mal erwähnt. Bun­des­in­nen­mi­nis­ter De Mai­ziè­re und sei­ne Kol­le­gen haben der  EU-Kom­mis­si­on ein Maß­nah­men­pa­ket vor­ge­legt, das „durch eine ver­stärk­te Bekämp­fung von Schleu­ser­ban­den“ und den „bes­se­ren Schutz der EU-Außen­gren­zen“ die Abwehr von Flücht­lin­gen noch per­fek­tio­nie­ren will.

Die Orga­ni­sa­tio­nen for­dern, lega­le Flucht­we­ge nach Euro­pa zu schaf­fen. Sie kri­ti­sie­ren, dass die EU mit Nach­bar­staa­ten wie Liby­en und der Tür­kei koope­riert, um Flücht­lin­ge dar­an zu hin­dern, nach Euro­pa zu gelan­gen. „Die EU ver­sucht, eine Puf­fer­zo­ne um sich her­um zu schaf­fen“, sagt Çalış­kan.

„Das euro­päi­sche Dub­lin-Sys­tem ist geschei­tert“, sagt Burk­hardt. „Trotz­dem behar­ren Deutsch­land und ande­re Staa­ten unver­än­dert dar­auf, die Ver­ant­wor­tung für die Auf­nah­me von Flücht­lin­gen auf Grenz­staa­ten wie Grie­chen­land und Ita­li­en abzu­wäl­zen.“ Statt einen Neu­an­fang, eine soli­da­ri­sche und mensch­li­che Flücht­lings­po­li­tik ein­zu­lei­ten, wol­le De Mai­ziè­re nur auf frei­wil­li­ger Basis zeit­lich befris­tet Flücht­lin­ge aus ande­ren EU-Staa­ten auf­neh­men. „Auf Bie­gen und Bre­chen soll das Dub­lin­sys­tem auf­recht­erhal­ten wer­den.“  

Welt­weit sind der­zeit über 51 Mil­lio­nen Men­schen auf der Flucht – das sind so vie­le wie seit dem 2. Welt­krieg nicht mehr. Nur ein sehr klei­ner Teil der Flücht­lin­ge kommt nach Euro­pa. Arme Län­der wie Paki­stan, Liba­non oder Kenia leis­ten durch ihre Auf­nah­me­be­reit­schaft den aller­größ­ten huma­ni­tä­ren Bei­trag für Flücht­lin­ge. „Ange­sichts der vie­len Kri­sen­her­de welt­weit soll­te es für Euro­pa selbst­ver­ständ­lich sein, deut­lich mehr Flücht­lin­ge auf­zu­neh­men als bis­her“, sagt Çalış­kan. Bund, Län­der und Kom­mu­nen müs­sen die Auf­nah­me und Inte­gra­ti­on von Asyl­su­chen­de als gesell­schaft­li­che Dau­er­auf­ga­be betrach­ten, for­dern Amnes­ty Inter­na­tio­nal und PRO ASYL.

Für Nach­fra­gen wen­den Sie sich bit­te an die Pres­se­stel­len von Amnes­ty Inter­na­tio­nal oder PRO ASYL.

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