08.11.2017

PRO ASYL: Das rechts­wid­ri­ge und unbarm­her­zi­ge Han­deln des BMI muss auf­hö­ren.

Tau­sen­de Schutz­su­chen­de sit­zen in Grie­chen­land fest, obwohl sie einen Rechts­an­spruch auf Fami­li­en­zu­sam­men­füh­rung haben. In Athen sind nun am ver­gan­ge­nen Mitt­woch 14 Flücht­lin­ge in Hun­ger­streik getre­ten. Sie for­dern eine zügi­ge Wie­der­ver­ei­ni­gung mit ihren Fami­li­en in Deutsch­land. Ihre Ange­hö­ri­gen hier schlie­ßen sich dem Pro­test an – mit einer Demo heu­te am 8. Novem­ber in Ber­lin. Par­al­lel soll in Athen eine Demons­tra­ti­on bis vor die deut­sche Bot­schaft zie­hen.

PRO ASYL for­dert umge­hend, Fami­li­en­an­ge­hö­ri­gen die Ein­rei­se aus Grie­chen­land zu erlau­ben – das ist gel­ten­des EU- Recht. »Das rechts­wid­ri­ge und unbarm­her­zi­ge Han­deln des Bun­des­in­nen­mi­nis­te­ri­ums muss auf­hö­ren!« so Karl Kopp, Euro­pa­re­fe­rent von PRO ASYL. Die son­die­ren­den Par­tei­en müs­sen sich mit den skan­da­lö­sen Men­schen­rechts­brü­chen an Euro­pas Gren­zen befas­sen und für eine Been­di­gung ein­tre­ten.

Obwohl sie Fami­li­en­mit­glie­der in Deutsch­land haben und das Bun­des­amt für Migra­ti­on und Flücht­lin­ge (BAMF) der Fami­li­en­zu­sam­men­füh­rung zuge­stimmt hat, sit­zen über 4.500 Schutz­su­chen­de in Grie­chen­land fest – dar­un­ter knapp 3.000 Kin­der und Jugend­li­che.

Die betrof­fe­nen Fami­li­en pro­tes­tie­ren seit Mona­ten gegen die Ver­schlep­pung der Über­stel­lun­gen nach Deutsch­land. Fami­li­en­zu­sam­men­füh­run­gen im Rah­men der Dub­lin III-Ver­ord­nung sind kein Gna­den­akt, son­dern die Betrof­fe­nen haben einen Rechts­an­spruch. Ihnen steht nach der Asyl­zu­stän­dig­keits­re­ge­lung die Über­stel­lung zu ihren Ange­hö­ri­gen inner­halb von sechs Mona­ten zu.

Aus der Ant­wort der Bun­des­re­gie­rung auf eine schrift­li­che Anfra­ge der Frak­ti­on der LINKEN geht her­vor, dass das BAMF vom 1. Janu­ar bis 20. Sep­tem­ber 2017 ins­ge­samt in 4.948 Fäl­len Zustim­mun­gen zur Über­stel­lung nach Deutsch­land erteilt hat. Aber davon wur­den ledig­lich 322 Schutz­su­chen­de im glei­chen Zeit­raum tat­säch­lich über­stellt.

Im Mai 2017 war bekannt gewor­den, dass auf­grund einer Ver­ab­re­dung zwi­schen dem Bun­des­in­nen­mi­nis­te­ri­um und dem grie­chi­schen Migra­ti­ons­mi­nis­te­ri­um die Über­stel­lungs­zah­len nach Deutsch­land dras­tisch gedros­selt wur­den. Die Fol­ge: Über 4.500 Schutz­su­chen­den – der Groß­teil stammt aus Syri­en, Afgha­ni­stan und dem Irak – wird das Recht auf Fami­li­en­le­ben auf­grund eines ille­ga­len Deals ver­wei­gert.

Die Hun­ger­strei­ken­den auf dem Athe­ner Syn­tag­ma-Platz for­dern, den sofor­ti­gen Trans­fer aller Fami­li­en­mit­glie­der, bei denen die Frist von sechs Mona­ten bereits über­schrit­ten ist. Zudem sol­len die Rei­se­kos­ten im Ein­klang mit den euro­päi­schen Vor­schrif­ten über­nom­men wer­den. Die Flücht­lin­ge kri­ti­sie­ren auch die feh­len­de Trans­pa­renz des »Aus­wahl­ver­fah­rens«: Bis­lang fin­det die soge­nann­te Prio­ri­sie­rung von Här­te­fäl­len für die Trans­fers nach Deutsch­land in einer völ­li­gen Grau­zo­ne statt.

Was es für Schutz­su­chen­de bedeu­tet, zum Teil lan­ge Zeit in einer War­te­po­si­ti­on und von ihren Ange­hö­ri­gen getrennt zu leben, haben eini­ge der Pro­tes­tie­ren­den einer Mit­ar­bei­te­rin unse­rer grie­chi­schen Part­ner­or­ga­ni­sa­ti­on RSA geschil­dert, mehr dazu fin­den Sie hier.

Das RSA-Team in Athen, Les­vos und Chi­os setzt das PRO ASYL-Flücht­lings­pro­jekt in Grie­chen­land um, doku­men­tiert Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen, leis­tet Rechts­hil­fe und sozia­le Unter­stüt­zung für Asyl­su­chen­de und Flücht­lin­ge.

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