18.09.2014

Gemein­sam appel­lie­ren die Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­tio­nen Amnes­ty Inter­na­tio­nal und PRO ASYL an den Bun­des­rat, dem Gesetz zur Ein­stu­fung von Ser­bi­en, Maze­do­ni­en und Bos­ni­en-Her­ze­go­wi­na als siche­re Her­kunfts­staa­ten die Zustim­mung zu ver­wei­gern. Am Frei­tag wird im Bun­des­rat über das Gesetz ent­schie­den. 

Im Bun­des­tag haben Grü­ne und Lin­ke das Gesetz abge­lehnt. Im Bun­des­rat droht nun die Zustim­mung ein­zel­ner grü­ner Lan­des­po­li­ti­ker als Fol­ge eines Kom­pro­mis­ses. Soll­te es zu einem Deal kom­men, ist zu befürch­ten, dass der Druck auf die Grü­nen zuneh­men wird, wei­te­ren Geset­zes­ver­schär­fun­gen zuzu­stim­men, die bereits in Pla­nung sind. PRO ASYL Geschäfts­füh­rer Gün­ter Burk­hardt warnt daher vor einem Tabu­bruch: „Das Recht auf Asyl darf nicht zur Ver­hand­lungs­mas­se wer­den.“ Ein fai­res Asyl­ver­fah­ren für West­bal­kan­flücht­lin­ge dür­fe nicht zur Dis­po­si­ti­on gestellt wer­den, um Ver­bes­se­run­gen beim Zugang zum Arbeits­markt oder im Sozi­al­recht zu errei­chen.

Sel­min Çalış­kan, Gene­ral­se­kre­tä­rin von Amnes­ty Inter­na­tio­nal Deutsch­land, betont: „Eine unvor­ein­ge­nom­me­ne Prü­fung ist das Herz­stück des Asyl­ver­fah­rens.“ Bereits jetzt wer­den Asyl­su­chen­de aus den West­bal­kan­staa­ten in Schnell­ver­fah­ren abge­lehnt. Dabei sind in den Bal­kan­staa­ten Min­der­hei­ten weit­ge­hend schutz­los ras­sis­ti­schen Über­grif­fen aus­ge­setzt, Homo­se­xu­el­le wer­den dis­kri­mi­niert und ange­grif­fen. Aus­gren­zung und Dis­kri­mi­nie­rung von Roma in den Bal­kan­staa­ten haben zudem eine der­ar­ti­ge Dimen­si­on, dass sie exis­tenz- und lebens­ge­fähr­dend sein kön­nen. All dies ist sehr wohl asyl­re­le­vant, wird aller­dings in der Pra­xis nicht berück­sich­tigt. „Das Gesetz wür­de die­se inak­zep­ta­ble Pra­xis fest­schrei­ben und die Men­schen­rechts­la­ge in den West­bal­kan­staa­ten ver­harm­lo­sen“, stellt Çalış­kan fest.

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