27.08.2019

PRO ASYL for­dert, Abschie­bun­gen in das Kriegs- und Kri­sen­ge­biet Afgha­ni­stan end­lich zu stop­pen

Heu­te soll die 27. Sam­mel­ab­schie­bung nach Afgha­ni­stan statt­fin­den, obwohl sich die kata­stro­pha­le Sicher­heits­si­tua­ti­on am Hin­du­kusch nicht ver­än­dert hat. Die Kon­flik­te in Afgha­ni­stan haben seit 2018 über 41.000 Opfer gefor­dert – das sind 30 Pro­zent aller Kriegs­op­fer welt­weit und damit steht Afgha­ni­stan auf dem Spit­zen­platz töd­li­cher Kriegs­ge­bie­te. 2018 gab es über 1 Mil­li­on neu­re­gis­trier­te, kriegs­be­ding­te Bin­nen­ver­trie­be­ne. Afgha­ni­stan-Exper­te Tho­mas Rut­tig spricht von täg­lich (!) lan­des­weit mehr als zehn zivi­len Todes­op­fern und cir­ca 20 Ver­letz­ten. Laut Prä­si­dent Gha­ni sind dar­über hin­aus in den letz­ten 5 Jah­ren um die 45.000 Sol­da­ten und Poli­zis­ten getö­tet wor­den.

Die­se exor­bi­tan­ten Zah­len machen deut­lich, wie lebens­ge­fähr­lich die Situa­ti­on in Afgha­ni­stan ist. »Auch die Reich­wei­te der Taleban-Schat­ten­re­gie­rung macht den Begriff ‚siche­re Gebie­te‘ obso­let, da sie über Bedro­hun­gen und Besteue­rung auch in for­mal regie­rungs­kon­trol­lier­te Gebie­te ein­greift«, kon­sta­tiert Rut­tig auf sei­nem Afgha­ni­stan-Blog. Außer­dem bestim­men die Akteu­re neben den Tali­ban, die ört­li­chen War­lords, im Rah­men loka­ler eth­no-poli­ti­scher Ver­fol­gung über Leben und Tod. Die unter­schied­li­chen Kriegs­for­men – Ver­fol­gung, Ter­ror­an­schlä­ge, asym­me­tri­sche und urba­ne Kriegs­füh­rung ohne Front­ver­lauf – resul­tie­ren in einer so vola­ti­len Sicher­heits­la­ge in Afgha­ni­stan, dass von »siche­ren Gebie­ten« in kei­nem Fall die Rede sein kann.

Abge­scho­be­ne sind dar­über hin­aus von erschwer­ten Bedin­gun­gen und Bedro­hun­gen von allen Sei­ten – auch aus dem sozia­len Umfeld – betrof­fen. Die Afgha­ni­stan-Wis­sen­schaft­le­rin Frie­de­ri­ke Stahl­mann legt nahe, dass Rück­keh­rer und ihre Fami­li­en häu­fig Opfer von Ver­elen­dung durch sozia­len Aus­schluss wer­den oder ris­kie­ren, Ziel gewalt­sa­mer Über­grif­fe zu wer­den. Das Ent­füh­rungs­ri­si­ko ist auf­grund von unter­stell­tem Reich­tum beson­ders hoch. Abge­scho­be­nen Afgha­nen wird daher häu­fig die Wie­der­auf­nah­me in die Fami­lie ver­wei­gert, sie müs­sen sich ver­ste­cken, kön­nen kei­ne fes­te Woh­nung fin­den oder Arbeit suchen. Wur­de die Flucht durch Kre­di­te finan­ziert, droht bei Rück­kehr die Schuld­skla­ve­rei.

Vor die­sem Hin­ter­grund muss die Bun­des­re­gie­rung Abschie­bun­gen nach Afgha­ni­stan end­lich stop­pen. Illu­sio­nen über die Lage macht sich kei­ner mehr, außer denen, die die Abschie­bun­gen betrei­ben.

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