30.03.2012

Gegen Abschie­bun­gen im Rah­men des Dub­lin-Sys­tems, die Betrof­fe­ne der Haft und Obdach­lo­sig­keit aus­set­zen, rich­tet sich heu­te ein Akti­ons­tag, der an den Flug­hä­fen Frank­furt, Ber­lin, Düs­sel­dorf, Ham­burg und Mün­chen statt­fin­det. Abschie­bungs­flü­ge gehen kei­nes­wegs nur in fer­ne Ziel­län­der. Ein Drit­tel aller Abschie­bun­gen fin­det inzwi­schen inner­halb der EU statt. Etwa 3.000 Men­schen wur­den im ver­gan­ge­nen Jahr auf­grund der Behaup­tung, ein ande­rer Staat sei für die Behand­lung ihres Asyl­ver­fah­rens zustän­dig, abge­scho­ben. Nach der euro­päi­schen Asyl­zu­stän­dig­keits­re­ge­lung ist der EU-Staat zustän­dig, des­sen Gren­ze ein Flücht­ling zuerst über­schrit­ten hat.

PRO ASYL for­dert: Nie­mand darf abge­scho­ben wer­den, wenn er dort im Gefäng­nis lan­det, kei­ne Chan­ce auf ein fai­res Asyl­ver­fah­ren hat oder obdach­los auf der Stra­ße lan­det. „Flucht ist kein Ver­bre­chen. Flücht­lin­ge sind kei­ne Kri­mi­nel­le. Sie brau­chen Schutz und Unter­stüt­zung“, sag­te Gün­ter Burk­hardt, Geschäfts­füh­rer von PRO ASYL.

PRO ASYL for­dert mehr Rech­te für Gerich­te. „Nacht-und-Nebel-Abschie­bun­gen müs­sen auf­hö­ren. Dies gehört sich nicht in einem Rechts­staat. Gerich­te müs­sen wie­der das Recht haben, im Eil­ver­fah­ren Abschie­bun­gen zu stop­pen“, so Burk­hardt.

Vor­ran­gig ist für PRO ASYL ein Abschie­be­stopp nach Ungarn. Dort wer­den sys­te­ma­tisch die Rech­te der Flücht­lin­ge miss­ach­tet. Dies belegt die ein­jäh­ri­ge Recher­che „Ungarn: Flücht­lin­ge zwi­schen Haft und Obdach­lo­sig­keit“. Schutz­su­chen­de wer­den dort bis zu zwölf Mona­te inhaf­tiert. Miss­hand­lun­gen durch Poli­zei­kräf­te sind in den Haft­ein­rich­tun­gen an der Tages­ord­nung. Asyl­an­trä­ge von Abge­scho­be­nen wer­den nicht mehr geprüft: Ihr Ver­fah­ren wird nach der Rück­kehr als Fol­ge­an­trag gewer­tet. Die ursprüng­li­chen Flucht­grün­de wer­den nicht berück­sich­tigt. Flücht­lin­ge müs­sen im so genann­ten Fol­ge­ver­fah­ren neue Flucht­grün­de vor­tra­gen, die sie nicht haben. Rechts­mit­tel haben kei­ne auf­schie­ben­de Wir­kung. Ungarn sieht Ser­bi­en als siche­ren Dritt­staat an und hält Abschie­bun­gen dort­hin für unpro­ble­ma­tisch. Ser­bi­en sei­ner­seits hält die Tür­kei für einen siche­ren Dritt­staat. Die Ket­ten­ab­schie­bung droht, da die Tür­kei kein Asyl­land ist.

PRO ASYL for­dert eine Ände­rung der Geset­ze in Deutsch­land. Das Urteil des Euro­päi­schen Gerichts­hofs vom 21. Dezem­ber 2011 muss auch in Deutsch­land umge­setzt wer­den. Alle Schutz­su­chen­de müs­sen das Recht haben, sich vor Gericht gegen Abschie­bun­gen effek­tiv zu weh­ren – auch im Dub­lin II-Ver­fah­ren.

Der Euro­päi­sche Gerichts­hof hat­te am 21. Dezem­ber ent­schie­den, dass es im Rah­men der euro­päi­schen Zustän­dig­keits­re­ge­lung für die Behand­lung von Asyl­ver­fah­ren (Dub­lin II-Ver­ord­nung) kei­ne blin­den Abschie­bun­gen in den­je­ni­gen Staat geben darf, der for­mal für die Behand­lung von Asyl­ver­fah­ren zustän­dig ist, wenn es dort sys­te­mi­sche Män­gel im Asyl­ver­fah­ren und im Auf­nah­me­sys­tem gibt. Vor dem Hin­ter­grund die­ser Recht­spre­chung sind Dub­lin-Abschie­bun­gen nach Ungarn rechts­wid­rig. Aber auch in ande­ren euro­päi­schen Staa­ten wer­den die Men­schen­rech­te von Flücht­lin­gen ver­letzt.

Aktio­nen: Frank­furt Flug­ha­fen, Ter­mi­nal 1, 17 Uhr

In Ber­lin (Tegel), Düs­sel­dorf und Mün­chen eben­falls um 17 Uhr, in Ham­burg um 18 Uhr

Walls of Shame: Accounts from the Insi­de. The Detenti­on Cen­tres in Evros (eng­lisch­spra­chi­ger Bericht), April 2012

Über­le­ben im Tran­sit: Zur Situa­ti­on von Flücht­lin­gen in der Tür­kei, März 2012

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