18.03.2019

PRO ASYL kri­ti­siert den Zynis­mus der fort­ge­setz­ten Abschie­bun­gen nach Afgha­ni­stan

Am mor­gi­gen Diens­tag star­tet erneut ein Char­ter­flug nach Afgha­ni­stan. An Bord: eine noch unbe­kann­te Zahl von Zwangs­pas­sa­gie­ren. Zum 22-ten Mal wer­den Men­schen sehen­den Auges den Risi­ken in einem Land aus­ge­setzt, in dem 2018 mehr Opfer bei Kriegs­hand­lun­gen umka­men als etwa in Syri­en oder im Jemen. PRO ASYL kri­ti­siert die Flü­ge in ein extrem unsi­che­res Land als eine Fort­set­zung der zyni­schen Poli­tik des Aus­set­zens in hilf­lo­ser Lage.

Auch wäh­rend lau­fen­der Frie­dens­ver­hand­lun­gen in Katar, die weit­ge­hend an der afgha­ni­schen Regie­rung vor­bei zwi­schen Tali­ban und USA geführt wer­den, fin­den in vie­len Regio­nen des Lan­des wei­ter Kampf­hand­lun­gen statt. Am ver­gan­ge­nen Wochen­en­de kamen in meh­re­ren Pro­vin­zen bei einer Anschlag­se­rie der Tali­ban min­des­tens 27 Men­schen ums Leben.

Zu den Dog­men der Bun­des­re­gie­rung, des BAMF und der Ver­wal­tungs­ge­rich­te gehört es, dass es angeb­lich siche­re Regio­nen gibt, in denen andern­orts Ver­folg­te und Ver­trie­be­ne Zuflucht fin­den könn­ten. Beson­ders häu­fig ist dabei von Mazar-e-Sharif als einer sol­chen Flucht­al­ter­na­ti­ve die Rede. Erst ver­gan­ge­ne Woche kam es dort zu Kampf­hand­lun­gen zwei­er Grup­pen, die um den Pos­ten des Poli­zei­chefs kon­kur­rier­ten. Afgha­ni­stans Prä­si­dent hat­te einen neu­en Poli­zei­chef ernannt. Anhän­ger sei­nes Vor­gän­gers lie­ßen die­sen nicht ins Haupt­quar­tier. Dahin­ter stand der 2017 aus dem Amt getrie­be­ne Pro­vinz­gou­ver­neur und War­lord Atta Muham­mad Nur, der die Bevöl­ke­rung zum Wider­stand auf­rief und sei­ne bewaff­ne­ten Unter­stüt­zer antre­ten ließ.

Das wirft ein Schlag­licht auf die insta­bi­le Situa­ti­on in einer Regi­on, die hier­zu­lan­de immer wie­der als sicher dar­ge­stellt wird. Außer­halb der Stadt­gren­zen von Mazar-e-Sharif herrscht die Angst vor den Tali­ban, inner­halb der Stadt vor von der Regie­rung gedul­de­ten bewaff­ne­ten Mili­zen, die auch vor Mor­den nicht zurück schre­cken. An die 350 nicht mit den Tali­ban ver­bün­de­te Mili­zen soll es allein in Nord­af­gha­ni­stan geben. Dass die Poli­zei oft nicht Teil der Lösung son­dern des Pro­blems ist, haben die letz­ten Tage in Mazar-e-Sharif gezeigt.

Sel­ten lässt die Bun­des­re­gie­rung durch­schei­nen, wie kri­tisch die Lage vor Ort tat­säch­lich ist. So heißt es in der Ant­wort der Bun­des­re­gie­rung auf eine Klei­ne Anfra­ge der FDP-Frak­ti­on: »Die Rah­men­be­din­gun­gen für das zivi­le Enga­ge­ment der Bun­des­re­gie­rung in Afgha­ni­stan haben sich seit dem Ende der ISAF-Mis­si­on 2014 deut­lich ver­schlech­tert«. Was muss da erst gel­ten für afgha­ni­sche Zivilist*innen, denen in ableh­nen­den BAMF-Beschei­den immer wie­der nahe­ge­legt wird, sich an die Poli­zei vor Ort zu wen­den, die sie angeb­lich schüt­zen soll?

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